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FC Bayern München: Toni Kroos – Mit Hirn, Lunge und Fuß

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Guardiolas Liebling: Toni Kroos (vorne) wird beim Torjubel von Mitspieler Javi Martínez behindert. Foto: REUTERS

Er setztt entscheidende Akzente: Einmal mehr beweist Toni Kroos, dass er der kompletteste deutsche Mittelfeldspieler unserer Zeit ist.

Dieser Mittwochabend im Emirates Stadium zu London war ein wunderbarer Abend für folgende These: Toni Kroos, 24, ist der beste deutsche, weil kompletteste Mittelfeldspieler unserer Zeit. Widerspruch? Zwecklos. Kroos ist der einzige deutsche Fußballprofi, der das komplexe Anforderungsprofil eines Box-to-Box-Spielers erfüllt, der also das Hirn, die Lunge und den Fuß hat, um zwischen den Strafräumen mit seinem Wirken sowohl in der Defensive als auch in der Offensive entscheidende Akzente zu setzen. Bei Kroos, und das macht den Jungen aus Rostock so besonders, kommt allerdings auch noch etwas Genialisches hinzu.

In der 37. Minute war das zu beobachten, als er mit einem Pass auf Arjen Robben den Feldverweis von Arsenal-Keeper Wojciech Szczesny maßgeblich mit initiierte. Oder eben in der 54. Minute, als Kroos seine Schussidee mit kühlem Kopf und phänomenaler Technik in die Tat umsetzte. Beim 2:0 der Bayern, das für das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale die schönsten Aussichten schafft, war Kroos 172 Mal am Ball, spielte 147 Pässe, von denen 97 Prozent zum eigenen Mitspieler kamen, knapp 70 Prozent seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen. Pep Guardiola, sein Trainer, schwärmte in seinem unverkennbaren Kurzsatzstil: „Ich liebe solche Spieler. Kroos hat unglaublich gespielt. Ich mag Spieler, die immer den Ball haben wollen. Er ist eine große Persönlichkeit.“

Des Bundestrainers Schnapsidee

Genau das mit der Persönlichkeit Toni Kroos sei eben nicht der Fall, mäkeln seine Kritiker, die darüber hinaus auch die Widerstandsfähigkeit des 41-fachen Nationalspielers in Zweifel ziehen. In ihrer Argumentation erinnern die Nörgler dabei gern an große Spiele wie das Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea im Mai 2012, als sich Kroos in der Münchner Arena im Elfmeterschießen aus der Verantwortung schlich. Ober an das Halbfinale bei der Europameisterschaft 2012 gegen Italien, als er wider seiner Veranlagung von Joachim Löw mit der Bundestrainer-Schnapsidee ins Gefecht geschickt worden war, im Zentrum den Wirkungskreis des italienischen Ausnahmespielers Andrea Pirlo einzuschränken. Allerlei Gegenfragen kommen einem da sogleich in den Sinn, von denen nur zwei an dieser Stelle gestellt werden sollen. Erstens: Ist es nicht besser, sich manchmal zurückzunehmen, als mit überbordendem Eigensinn den Erfolg der Mannschaft zu gefährden (siehe Arjen Robben)? Zweitens: Wäre Philipp Lahm, der von allen geschätzte Spielführer der Bayern, als 22-Jähriger bereits in der Lage gewesen, dem wohl cleversten Fußballer der vergangenen zehn Jahre die Lust am Spiel zu nehmen? Anwort: wohl kaum.

Für Toni Kroos spricht, dass er sich zum einen in Leverkusen als Bayern-Leihspieler (von Januar 2009 bis Juni 2010) nicht von seinem Weg hat abbringen lassen, was schon schwer genug ist, zum anderen, dass er auch Guardiola von seiner Klasse überzeugen konnte. Noch vor der Ankunft des Spaniers in München hatte man ihn ja in Anbetracht der einzigartigen Konkurrenzsituation im Bayern-Mittelfeld als ersten Streichkandidaten ausgemacht, doch Kroos hat das, was Guardiola als Trainer des FC Barcelona immer so sehr an Andrés Iniesta und Xavi geschätzt hat. Kroos ist ein 360-Grad-Spieler, einer, der kaum Ballverluste verursacht, weil er schon vor dem Ballkontakt auf die Schnelle zwei oder drei Lösungen entwickelt hat. Der weiß, was in seinem Rücken passiert und mit seiner Intuition nicht nur einen, sondern gleich mehrere Spielzüge vorausdenken kann.

Der kleine Zwist mit Guardiola, der seinen Liebling nach einem Mini-Ausraster in Stuttgart inklusive Handschuhwurf Richtung Trainer mit zwei Nichtberücksichtigungen in der Startelf abgestraft hatte, sei jedenfalls ausgeräumt, berichtete Kroos in London. Er sagte: „Wir hatten ein sehr gutes Gespräch, haben dort ein, zwei Sachen geklärt.“ Worauf Guardiola umgehend ein eindeutiges Bekenntnis abgab. Toni Kroos, der mit den Bayern-Oberen seit geraumer Zeit ziemlich keck um einen neuen Vertrag pokert, solle unbedingt bleiben, sagte der Fußballlehrer. Denn: „Wir wollen alle, dass er verlängert, das will er sicherlich auch. Wir wollen es alle.“ Na dann.

Fußball

Alles wichtige zur Weltmeisterschaft in Brasilien können Sie hier noch mal nachlesen.

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