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Fifa Ballon d’Or: Das ewige Duell zwischen Messi und Ronaldo

Auf ein Neues: Auch bei der heutigen Verleihung des Ballon d’Or stehen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo im Mittelpunkt.

Auf ein Neues: Auch bei der heutigen Verleihung des Ballon d’Or stehen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo im Mittelpunkt.

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imago

Vermutlich wird Lionel Messi auch am Montag bei der Verleihung des Ballon d’Or vor allem mit seinem Anzug auffallen. In den vergangenen Jahren trug der Argentinier bei der Bekanntgabe des besten Fußballers der Welt extravagante Smokings, mal weinrot schillernd, mal schwarz-weiß gepunktet, in jedem Fall reichlich skurril. Manche meinen, der jenseits des Fußballrasens eher blasse Messi wolle sich mit seiner Kleiderwahl auf eine Ebene mit dem ungleich glamouröseren Cristiano Ronaldo begeben, seinem ewigen Konkurrenten um den offiziellen Königsthron der Fußballerwelt. Vielleicht geht es aber auch einfach nur um Marketing. Klar ist allerdings, dass die Wahl auch diesmal zwischen den beiden Stars aus der spanischen Primera División entschieden wird, Neymar, der dritte Kandidat, gilt als chancenlos.

Seit 2007 gab es keinen anderen Sieger mehr, Messi hat vier Mal gewonnen, Ronaldo drei Mal, und so unterschiedlich die beiden erscheinen mögen, es gibt erstaunliche Gemeinsamkeiten. Beide eint eine gewisse Schrulligkeit, die sich nicht nur modisch ausdrückt. Eine Eigentümlichkeit, die sie trotz ihres Ruhms irgendwie zu Außenseitern macht. „Ich halte mich für einen Einzelgänger“, sagt beispielsweise Ronaldo, „die meiste Zeit bin ich alleine.“ Sogar als Vater ist der Portugiese allein, gemeinsam mit dem fünfjährigen Cristiano Ronaldo Jr. lebt er in einer riesigen Villa, die Mutter ist der Öffentlichkeit unbekannt.

Allein mit Sohn

Im vorigen Jahr hat der Regisseur Anthony Wonke den Film „Ronaldo“ gedreht, der tiefe, manchmal rührende und auch traurige Einblicke in dieses schräge Leben der Fußballikone gewährt. Ronaldos Offenheit ist erstaunlich, er zeigt seine Isoliertheit, das Leben in der merkwürdigen Männer-WG mit dem Sohn, die Geschichte des alkoholkranken Vaters, der früh starb. Und die Schwierigkeit, Frauen kennenzulernen. Hinter der Fassade des von Nike inszenierten Superhelden verbirgt sich ein zerbrechlicher Mensch, der Halt in seiner Familie, bei der Mutter und den Geschwistern sucht und von einem geradezu fanatischen Ehrgeiz getrieben ist. Diese Eigenheit teilt Ronaldo mit seinem Konkurrenten aus Argentinien.

Messi wird den Ballon d’Or wohl gewinnen, weil er sein überragendes Champions-League-Jahr mit dem FC Barcelona im Sommer mit dem Gewinn des Titels krönte. Der Angreifer wird ebenfalls oft als Außenseiter beschrieben. „Am Anfang dachten wir, er wäre stumm“ hat der ehemaliger Mitspieler Cesc Fàbregas einmal über den kleinen Künstler gesagt, und in der Messi-Biografie des Autors Luca Caioli taucht alle paar Seiten der Begriff „schüchtern“ auf.
Diego Schwarzstein, ein Arzt, der Messi wegen seiner Kleinwüchsigkeit behandelte, sagte einmal: „Wir unterhielten uns immer über Fußball. Das war das einzige Gesprächsthema mit dem man die Schüchternheit des Jungen besiegen konnte“. Das scheint bis heute so zu sein. Wenn man Interviews mit Messi liest, findet sich so gut wie keine Aussage mit Substanz, der 28-Jährige umgibt sich mit Höflichkeiten und Floskeln.

Messi und Ronaldo wirken beide geradezu unbeholfen in selbstverständlichen Aspekten des Lebens, ihre kunstvolle und im Trainingsalltag manchmal auch fanatisch wirkende Hinwendung zum Fußballspiel erscheint wie die Flucht in eine warme heimatliche Parallelwelt. Wobei es natürlich Unterschiede gibt.

So ist der Ballon d’Or für Ronaldo von enormer Bedeutung. „Das bleibt fürs Leben, das ist der Höhepunkt der Arbeit eines Jahres“, sagt er, während Messi meint: „Solche persönlichen Auszeichnungen machen vor allem die Leute um mich herum glücklich. Titel, die ein ganzes Land oder eine ganze Stadt glücklich machen, sind viel mehr wert.“
Aber die große persönliche Rivalität der beiden prägt eine Ära, und beim Ballon d’Or wird es Jahr für Jahr vom Duell zweier außergewöhnlicher Fußballspieler im Umfeld ihrer Mannschaften zu einem Wettbewerb der Einzelsportler, die sich bei aller Konkurrenz gegenseitig zu beflügeln scheinen. „Ich sehe ihn nicht als Rivalen, sondern als Mensch, der mich zu einem besseren Spieler macht und ich ihn“, glaubt Ronaldo.


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