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Fifa-Wahl: Wer wird Blatters Nachfolger?

Die Fifa-Zentrale in Zürich.

Die Fifa-Zentrale in Zürich.

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Zürich -

Wie Parteien vor Wahlen hat auch der Weltfußballverband Fifa Plakate am Züricher Hallenstadion anbringen lassen. Während abgebildete Kandidaten aber sonst Hoffnung ausdrücken oder Versprechen, stehen auf den weißen Fifa-Postern vor dem außerordentlichen Kongress an diesem Freitag, bei dem der Nachfolger des gesperrten Präsidenten Joseph Blatter gewählt wird, nur beschwörende Slogans in grau: „Eine stärkere Fifa aufbauen“ und „Vertrauen wiederherstellen“, vor allem „Reformen annehmen“. Es wirkt, als hätten sie den 207 wahlberechtigten Mitgliedern eine To-do-Liste hingehängt.

Der öffentliche Druck ist groß, vor allem durch Strafermittler. Die Fifa droht in den USA als „kriminelle Organisation“ eingestuft zu werden. Neulich hatte Justizministerin Loretta Lynch Fifa-Mitgliedern vorgeworfen, „das Geschäft des weltweiten Fußballs korrumpiert“ zu haben, „um eigenen Interessen zu dienen und sich zu bereichern“. Drohend hatte sie angekündigt: „Wir schauen gespannt auf die Präsidentschaftswahlen und hoffen, dass der Reformprozess ernst gemeint ist.“

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Freiwillige Entmachtung

Am Donnerstag trafen sich in Zürich die sechs Kontinentalverbände der Fifa zu internen Tagungen. Während das öffentliche Interesse sich darauf konzentrierte, wie die Mitglieder dabei auf einen der beiden favorisierten Präsidentschaftskandidaten, den Schweizer Gianni Infantino oder den aus Bahrain stammenden Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, eingeschworen wurden, ging es den Konföderationen darum, den Mitgliedern die Zustimmung zum Reformkurs ans Herz zu legen.

Sie müssen überzeugt werden, freiwillig für die Entmachtung zu votieren: die Degradierung des Exekutivkomitees zu einem Aufsichtsrat, der der Administration um den als Vorstandschef fungierenden Generalsekretär die Geschäfte überlässt und eine Beschränkung der Amtszeiten auf maximal zwölf Jahre. Jede Statutenänderung bedarf einer Dreiviertelmehrheit. Bisher hat das Wahlvolk solche Ansinnen immer abgelehnt, doch die Fifa-Funktionäre sind für ihre Mischung aus Pragmatismus und Opportunismus berüchtigt.

Ohnehin herrschen im Hintergrund schon jetzt Fremde in der Fifa-Zentrale, in der jährlich etwa 1,5 Milliarden Schweizer Franken aus dem Verkauf der lukrativen Werbe- und Fernsehrechte an ihrer WM umgesetzt werden. Zur Prüfung diverser Vorwürfe von Korruption und dubiosem Zahlungsverkehr wie etwa den 6,7 Millionen Euro, die der Deutsche Fußball-Bund im Umfeld seiner Bewerbung um die WM 2006 überwies, durchforsten seit dem vorigen Juni mehrere Dutzend internationaler Juristen die Fifa-Akten.

Garstigste Wahlschlacht

Dass sich die fünf Präsidentschaftskandidaten dennoch die wohl garstigste Wahlschlacht in der Geschichte der Fifa liefern, liegt daran, dass auch weiterhin der Präsident seine Administration auswählen kann. Indirekt bleibt der Einfluss also bestehen, er unterliegt nur mehr Kontrolle, Transparenz und zuverlässiger Befristung.

Beide Favoriten sind umstritten. Infantinos Uefa ist bei Transparenz- und Complianceregeln noch schlechter aufgestellt als die Fifa: Korruptionsvorwürfe beim Zuschlag der EM 2012 an Polen und die Ukraine wurden nie untersucht. Der von den Europäern unterstützte Infantino wirbt mit Versprechungen im Blatter-Stil: Künftig sollen die Zuschüsse an die Mitgliedsländer von zwei auf fünf Millionen Dollar für vier Jahre mehr als verdoppelt werden.

Zur WM-Endrunde will er statt 32 bald 40 Teams zulassen, was das Turnier länger, teurer und logistisch komplizierter durchführbar gestalten würde. Nebenbei sind sogar seine führenden Unterstützer aus Europa dagegen.

Al Chalifa, 50, entstammt der bahrainischen Königsfamilie, die als Sunniten ihr überwiegend schiitisches Volk in seinen Menschenrechten beschneidet und den Demokratisierungsprozess 2011 blutig niederschlug.

Seine Rolle dabei ist umstritten. Im schlimmsten Fall soll er Sportler identifiziert haben, die später gefoltert wurden, die moderatesten Vorwürfe lauten, er habe sich nicht für sie eingesetzt.

Zu den Mysterien der Fifa gehört, dass Kuwait von der Wahl ausgeschlossen ist, weil die Regierung unzulässigen Einfluss auf den Verband ausübt, aber Kuwaits mächtigster Sportfunktionär, der einflussreiche Ahmad Al-Fahad Al-Sabah trotzdem sein Fifa-Vorstandsamt ausüben darf. So wie er Thomas Bach bei seiner Wahl zum IOC-Präsidenten geholfen hat, unterstützt er in der Fifa Al Chalifa.

Arbeit für Spin-Doktoren

Al Chalifa beschäftigt Juristen und Spin-Doktoren, um mit Propaganda seinen verheerenden Ruf zu kaschieren. So verbreitet die Website Inside World Football Interviews mit ihm, die er kritischen Journalisten verweigert. Am Donnerstag publizierte sie, dass Konkurrent Infantino die zugesagte Rückendeckung Brasiliens an Al Chalifa verloren habe.

Der Autor Paul Nicholson war 2009 durch den Spin-Doktor Peter Hargitay eingebunden in die asiatische Wahlkampagne von Mohammed bin Hammam für einen Sitz in der Fifa-Exekutive. Der inzwischen wegen Korruption gesperrte Funktionär aus Katar behauptete sich gegen Al Chalifa aus Bahrain. In diesen Tagen lässt Al Chalifa sich von Hargitays Sohn Steven assistieren. Da schließt sich der Kreis, und Nicholsons Geschichten kommen gelegen.



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