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Berliner Zeitung | Filmkritik zu "Die Mannschaft": Wie wir Fußball-Weltmeister wurden
10. November 2014
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Filmkritik zu "Die Mannschaft": Wie wir Fußball-Weltmeister wurden

Konzentriert: der Taktikgrübler Joachim Löw in seinem WM-Büro.

Konzentriert: der Taktikgrübler Joachim Löw in seinem WM-Büro.

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Konstantin

Von Lothar Matthäus stammt der Satz, dass man in seinem Leben nie elf Freunde finden wird. Dem Weltmeister von 1990 ist oft widersprochen worden, aber nach dieser Äußerung blieb die Fußballgemeinde still. Es stimmte, was er gesagt hatte. Und das wohl schon 1954, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum ersten Mal Weltmeister wurde und Trainer Sepp Herberger von seinen Spielern forderte, dass sie elf Freunde sein müssten.

Inzwischen ist nur noch von der Mannschaft die Rede. Und so heißt der Film über die Weltmeister von 2014, der am Donnerstag in die Kinos kommen wird und am Montag Premiere in Berlin hatte.

Um es gleich zu sagen: Über das, was eine gute Mannschaft auszeichnet, wird nicht viel verraten. Insgesamt wird sowieso nicht viel verraten. Das ist wirklich schade, denn es gäbe eine Menge zu erzählen über den Zusammenhalt einer Gruppe dieser jungen Generation, die angeblich nur noch mit ihren Smartphones in den sozialen Netzwerken unterwegs ist und sich ansonsten für kaum etwas interessiert.

Über junge Männer, die in ihren Klubs meistens Wortführer sind und sich bei der Weltmeisterschaft in die Gemeinschaft einfügen mussten. Wie steht es um ihre Eitelkeiten, ihre Befindlichkeiten, ihre Selbstzweifel? Antworten liefert der Film nicht. Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, spricht in einer Szene von der Geschlossenheit, die wahnsinnig wichtig gewesen sei. „Wir haben von Anfang als komplettes Team zusammengehalten“, sagt Sami Khedira. Und Bundestrainer Joachim Löw betont, dass sich jeder in den Dienst der Mannschaft gestellt habe. Nun ja.

Portugiesische Zungenbrecher

Dabei beginnt der Film gar nicht schlecht. Am Anfang versuchen Philipp Lahm und ein paar andere Spieler, ein paar Brocken Portugiesisch zu lernen. Es fällt ihnen schwer, sie brechen sich fast die Zunge. Aber sie nehmen es mit Humor und spotten über ihre eigenen Fehler. Diese Selbstironie macht Hoffnung, die aber schnell enttäuscht wird. Und zum Lachen gibt es auch später wenig Anlass. Ausnahmen sind die Momente, in denen sich Christoph Kramer mit wackeliger Stimme nachts auf der Fähre als Ronan Keating („When You Say Nothing At All“) versucht oder Miroslav Klose begründet, wonach er seine Mitbewohner im Apartment ausgesucht hat. Er will seine Ruhe haben, deshalb hat er nach Leuten Ausschau gehalten, die früh schlafen gehen. Und dann sind da noch die Jubelszenen im Mannschaftsbus nach dem gewonnenen Finale. Die gute Laune steckt schon an.

Wirklich gelungen sind die Zusammenschnitte aus den Spielen. Der Sound ist so gut gemischt, dass man im Kinosessel das Gefühl hat, auf den besten Plätzen im Stadion zu sitzen. Genau dort, wo man sogar das Geräusch des Balles hören kann. Wie man Spielszenen zusammenschneidet, das hat der Regisseur Uli Voigt bei Privatsendern gelernt.

Beim DFB ist er für die Betreuung von Fernsehteams bei Länderspielen zuständig, als Regisseur von Kinofilmen hat er keine Erfahrung und sein Team war klein. Vor acht Jahren war das anders. Da durfte Sönke Wortmann die Mannschaft für sein „Sommermärchen“ begleiten. Der renommierte Filmemacher hatte sich mit „Der bewegte Mann“ und „Das Superweib“ einen Namen gemacht.
Mertesacker sagt die Wahrheit.

Ein paar schöne Kameraeinstellungen werden die Besucher immerhin sehen. Da sitzt Joachim Löw dann abends am Schreibtisch. Aber was plant er da? Es wäre schön gewesen zu erfahren, wie er seinen Spielern erklärt, dass sie nicht zum Einsatz kommen. Oder was los war, als es gegen Ghana und Algerien nicht lief. Oder wie er auf Schweinsteigers Wunsch reagiert hat, mit einem Hubschrauber zum Golfspielen fliegen zu dürfen.

Dass Fußball auch Knochenarbeit und mit einigen Zwängen verbunden ist, wird nur angedeutet. „Stopp, stopp, stopp“, stöhnt einmal Shkodran Mustafi und krallt sich mit den Fingern im Massagetisch fest, weil er höllische Schmerzen hat. Und Per Mertesacker erzählt, wie ihm sein Dialog nach dem Algerien-Spiel in Erinnerung geblieben ist.

Er fauchte damals den Interviewer an. Er habe ehrlich geantwortet, sagt Mertesacker rückblickend und ergänzt: „Vielleicht das erste Mal in meinem Leben.“ Am Ende dann Jubel aus allen Poren. Überall liegen sich Menschen in den Armen. „Wahnsinn!“ „Super!“ „Irre!“, brodelt es nach dem Gewinn des Endspiels. Die Chefs der wichtigsten Sponsoren dürfen mitfeiern. Und auch der mächtige Fifa-Präsident Sepp Blatter wird in dem Film nicht vergessen.