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Folgen der Bundestagswahl: Schrumpfende Schnittmengen

Peer Steinbrück (SPD) gratuliert Angela Merkel (CDU) zur Wiederwahl: In der Sportpolitik sind die Schnittmengen mit dem potenziellen Koalitionspartner SPD beachtlich geschrumpft.

Peer Steinbrück (SPD) gratuliert Angela Merkel (CDU) zur Wiederwahl: In der Sportpolitik sind die Schnittmengen mit dem potenziellen Koalitionspartner SPD beachtlich geschrumpft.

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AFP

Einige Abgeordnete des Bundestages, man weiß es, sind gern und schon länger Mitglieder im Sportausschuss. Ist es doch eine der leichtesten Übungen des Politikers, nach schwarzrotgoldenen Siegen Athleten auf die Schulter zu klopfen und auch sonst volksnah Sportbegeisterung zu demonstrieren. Würde man also dem Glauben anhängen, dass beim Wählervotum der Sport und derlei PR tatsächlich eine Rolle spielen, dann dürfte man sich darin bestätigt sehen.

Die Dauerinsassen der Union aus dem Sportausschuss verteidigten ihre Direktmandate nämlich ausnahmslos – und das, obwohl selbst dem gewogenen Beobachter beim früheren Turn-Weltmeister Eberhard Gienger, beim Berliner Frank Steffel oder bei Stephan Mayer von der CSU sportpolitische Arbeit kaum aufgefallen sein kann.

Dennoch dürfte der Wahlausgang bei den Sportfreunden dieser PR-Fraktion Unbehagen ausgelöst haben: Seit Schwarz-Gelb vor zwei Jahren die Öffentlichkeit von den Sitzungen ausschloss, sind die Schnittmengen mit dem potenziellen Koalitionspartner SPD beachtlich geschrumpft. Auch die sozialdemokratischen Frontleute, die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag und der sportpolitische Sprecher Martin Gerster, schafften den Wiedereinzug ins Parlament.

Pflegeleichter Zahlmeister

Gefährdet, jedenfalls ein wenig, ist damit ebenso die komfortable Situation für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Schwarz-Gelb fungierte als pflegeleichter Zahlmeister und leitete selbst aus alarmierenden Nachrichten nichts ab, etwa aus der Studie zu „Dysfunktionen“ im Spitzensport − sprich: aus ökonomischem Druck, der zunehmend auf Athleten lastet, mit Folgen von Dopingneigung bis Depression.

Aktuelles Beispiel der Arbeitsverweigerung unter Klaus Riegert, dem zur Wahl nicht mehr angetretenen Sportsprecher der Union: der Entwurf des Bundesinnenministeriums zum Sporthaushalt 2014. Statt der 132 Millionen des laufenden Jahres sollen knapp 128 in die Sportförderung fließen. Die Differenz ergibt sich größtenteils aus dem Wegfall von einmaligen Ausgaben des Jahres 2013.

Ansonsten wurde der Etat offensichtlich nach Copy-and-paste-Prinzip erstellt – er enthält, ob nun für Verbände, Trainer chon im letzten Jahr fehlt der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) erneut eine Million Euro. Nada-Chefin Andrea Gotzmann warnte vor ein paar Tagen per Pressemitteilung, oder Olympiastützpunkte, exakt dieselben Summen wie schon der Haushaltsentwurf für das laufende Jahr.

Selbst über das, was wirklich virulent ist, setzte sich die Koalition hinweg: Personal müsse abgebaut, Trainingskontrollen reduziert werden. Es klang wie ein Notruf – dabei musste man fragen: Warum erst jetzt? Die Sachlage war seit Juni klar, das SOS kommt vermutlich zu spät.

Zwar würde die SPD als Koalitionspartner sicher im Haushalt nachbessern – aber parlamentarisch beraten wird der Etat erst im Januar, Geld würde frühestens im März fließen. Und bis dahin? Allein die Möglichkeit von weniger Tests vor den Spielen in Sotschi verrät einmal mehr, wie die bisher so harmonisch vereinte Sportfamilie in Wahrheit denkt über den Leistungsbetrug.

Auch in Bezug auf ein Antidoping-Gesetz könnte die Koalitionsarithmetik mehr Bewegung erzwingen, als sie Bundesinnenminister Friedrich mit seiner neuen Expertenrunde im Sinn hat. Den ersten Test für den Grad der Durchsetzungskraft des kleinen Koalitionspartners bietet aber diese Frage: Öffnet der Sportausschuss seine Sitzungen wieder? Dafür plädierte – allerdings nur gegenüber Journalisten – das womöglich neue CDU-Schwergewicht im Sportausschuss, der Niedersachse Reinhard Grindel.

Und die potenzielle Opposition? Die Linke war ohnehin brav. Dazu kommt: Die Pleite der Bündnisgrünen könnte in einen sportpolitischen Totalausfall münden, weil auch deren Sportsprecherin Viola von Cramon den Wiedereinzug ins Parlament verfehlte.

Das dürfte beim DOSB, den sie häufiger in Erklärungsnot brachte, die Stimmung etwas aufhellen. Für anstehende parlamentarische Debatten über Kernelemente der Sportförderung, über umstrittene Großereignisse wie Sotschi oder raffgierige Weltverbände ist es ein Qualitätsverlust.


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