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Franziska van Almsick, Katarina Witt & Co.: Von Wunderkindern aus Berlin zu internationalen Sportstars

Franziska van Almsick.

Franziska van Almsick.

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picture alliance / dpa

Sie alle haben sportliche Glanzleistungen hingelegt und sie alle haben ein besonderes Verhältnis zu Berlin. Diese sechs berühmten Sportler hat die Hauptstadt hervorgebracht.

Franziska van Almsick

„Aufgetaucht“ heißt die Autobiografie von Franziska van Almsick (geboren am 5. April 1978 in Treptow), was einerseits wenig originell ist, weil jedes Talent irgendwann auf der Bildfläche auftaucht, andererseits aber nahe liegt: wegen Schwimmen. Im wörtlichen wie übertragenen Sinn also tauchte van Almsick 1992 auf, als sie ihren ersten Weltcupsieg über 100 Meter Freistil errang, bei Olympia in Barcelona Silber über 200 Meter Freistil, Silber mit der 4?×?100-Meter-Lagen-Staffel sowie Bronze über 100 Meter Freistil und mit der 4?×?100-m-Freistil-Staffel holte.

1993 gewann sie den Gesamtweltcup und stellte drei Weltrekorde auf, gewann bei der EM sechs Titel und wurde Welt-Sportlerin des Jahres. Nach olympischem Silber 1996 in Atlanta und den enttäuschenden Spielen von Sydney 2000 rehabilitierte sie sich 2002 bei der EM in Berlin mit fünf Titeln und einem unvergesslichen Weltrekord. 2004 beendete sie ihre Karriere, ist aber immer noch in der Öffentlichkeit präsent. Kein Grund also, ihre Biografie neu zu betiteln mit: Abgetaucht.

Patrick Hausding

Es gehört zu den Besonderheiten des Wasserspringens, dass ein Wasserspringer nur die Hälfte seiner Trainingszeit damit verbringt, ins Wasser zu springen. Trotzdem macht Patrick Hausding (geboren am 9. März 1989 in Lichtenberg) seit jeher keine halben Sachen, wie sich an der langen Liste seiner Erfolge unschwer ablesen lässt. Der Übersichtlichkeit halber seien hier nur der Titel bei der WM 2013 in Barcelona im Synchronspringen, die drei Goldmedaillen bei der EM 2014 in Berlin sowie der komplette Medaillensatz bei der EM in diesem Jahr in Rostock genannt.

Um das so gut hinzubekommen, übt Hausding zum Beispiel viel Akrobatik. Und macht Krafttraining. Das nicht zuletzt auch der Optik wegen. Ein Wasserspringer mit Speckröllchen auf den Hüften und Zahnstocherärmchen käme irgendwie nicht so sportlich rüber. Ein Waschbrettbauch dagegen zeugt von Disziplin. Und Disziplin ist neben allen anderen Anlagen eines der größten Talente, die ein erfolgreicher Sportler haben sollte. Sonst sitzt er eines Tages auf dem Trockenen.

Jochen Schümann

Selbst ist das Talent, dachte sich Jochen Schümann (geboren am 8. Juni 1954 in Köpenick) und baute sich als Zwölfjähriger ein Segelboot. Es handelte sich um einen Optimisten, beim Boot wie offensichtlich auch beim Erbauer, gemeinsam unternahmen sie auf dem Müggelsee ihre ersten Ausfahrten. Schümann gehörte zum Yachtclub Berlin-Grünau und ging auf die Kinder- und Jugendsportschule. Der Sieg bei der Spartakiade 1972 war in der Liste seiner Erfolge der erste große Eintrag. Es blieb nicht dabei. Bei den Spielen 1976 gewann der damals 24-jährige Schümann im Finn Dinghy seine erste olympische Goldmedaille.

Es sollten zwei weitere folgen, 1988 vor Pusan und 1996 vor Savannah, beide im Soling. In dieser Bootsklasse sicherte er sich 2000 in Sydney Silber. Schümann ist der erfolgreichste deutsche Segler aller Zeiten. Er ist dem Optimisten längst entwachsen und kann doch ein Optimist bleiben.

Natascha Keller

Hockey wird weiter Hockey heißen, auch wenn in Deutschland längst der Name Keller zum Synonym für das Spiel geworden ist. Im Fall der Kellers spricht man im Sport von einer Dynastie, als deren bisher letzte prominente Vertreterin Natascha Keller (geboren am 3. Juli 1977 in Zehlendorf) bei den Olympischen Spielen 2012 in London auf der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion trug. Natascha Kellers größter Erfolg mit der Auswahl war die Goldmedaille 2004 in Athen.

Mit dem Berliner Hockey-Club wurde sie zwischen 1994 und 2008 sieben Mal Deutsche Meisterin, gewann 1997 den Europapokal der Landesmeister und 2008 den Europapokal der Pokalsieger. Sie ist der Beweis dafür, das Talent erblich ist. Großvater Erwin Keller gewann 1936 olympisches Silber. Olympiasieger wurden Vater Carsten (in München 1972) sowie die Brüder Andreas (in Barcelona 1992) und Florian (in Peking 2008) Wenn das so weiter geht, benennt sich die Familie Keller noch in Familie Hockey um.

Pierre Littbarski

Es liegt sicher auch an Hennes Weisweiler, dass mancher Fußballfan bei diesem Ausnahmespieler sofort an den 1. FC Köln denken muss, weil der Coach dessen Namen nach gemächlich rheinischer Art aussprach: Pijär Litsbachski. Bewusster Pierre Littbarski (geboren am 16. April 1960 in Schöneberg) spielte tatsächlich von 1978 bis 1986 bei den Kölnern und dort zwischenzeitlich unter Hennes Weisweiler. Er kehrte nach einem Intermezzo beim Racing Club Paris im Jahr 1987 für weitere drei Spielzeiten zum FC zurück und kam dort am Ende auf insgesamt 406 Einsätze und 116 Tore für den Klub, nebenbei wurde der 73-fache Nationalspieler 1990 Weltmeister.

Fußballerisch sozialisiert wurde der offensive Mittelfeldmann wie so viele Berliner Talente bei Hertha 03 Zehlendorf. Das Finale seiner Spielerkarriere wiederum erlebte er in Japan, wo er neben einem Trainerjob auch seine Ehefrau fand. Er hat übrigens in einem Lehrbuch unter dem Namen Litti eine Rolle übernommen. „Japanisch im Sauseschritt“ lautet der Titel des Buches ins Deutsche übersetzt. Keine Spur von gemächlich rheinischer Art.

Katarina Witt

Vielleicht ist es nicht ganz korrekt, Katarina Witt (geboren am 3. Dezember 1965 in Staaken) und ihre Erfolge im Eiskunstlauf für Berlin zu reklamieren. Einem vom Karl-Marx-Städter zum Chemnitzer avancierten Sportfreund könnte das möglicherweise nicht so gut gefallen. Auch gehörte bewusstes Staaken damals noch zum Kreis Nauen und wurde erst in jüngerer Zeit Berlin zugeschlagen. Doch wozu sich mit Spitzfindigkeiten beschäftigen und die Gedanken dreifache Rittberger springen lassen, wenn es doch um das Talent dieser Staakenerin mit Migrationshintergrund geht. Und darum, was daraus wurde.

In Karl-Marx-Stadt unter Trainerin Jutta Müller geformt, errang Katarina Witt jeweils Gold bei den Olympischen Spielen in Sarajevo 1984 und Calgary 1988. Hinzu kommen vier Mal Gold und zwei Mal Silber bei Weltmeisterschaften sowie sechs Mal Gold und ein Mal Silber bei Europameisterschaften. Diese Titelsammlung ist groß genug für zehn Städte.