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Frauenfußball FFC Frankfurt: Der Spagat zwischen Köln und München

Der FFC Frankfurt geht als Favorit ins DFB-Pokal-Finale.

Der FFC Frankfurt geht als Favorit ins DFB-Pokal-Finale.

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dapd

Köln -

Saskia Bartusiak kommt eigentlich nur noch selten in die Verlegenheit, beim Einkaufen oder auf der Straße plötzlich stehen bleiben zu müssen, um Autogramme zu schreiben oder für Handyfotos parat zu stehen. Die 29-Jährige ist zwar auch Teil jenes hochgejazzten Events im vergangenen Sommer gewesen, als der Frauenfußball in aller Munde war, doch mit ihrer markanten Brille könnte sich die Abwehrchefin des 1. FFC Frankfurt auch überall als Kunststudentin oder Bankkauffrau vorstellen – niemand würde den Etikettenschwindel bemerken.

Am Freitag hat der Verein die Sportwissenschaftlerin entsendet, um im Kölner Stadion noch einmal für das DFB-Pokalfinale der Frauen die Werbetrommel zu rühren. Schließlich sind erst 14.000 Tickets fürs Endspiel zwischen Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt und FC Bayern (16 Uhr/live ZDF) verkauft – im dritten Jahr der Eigenständigkeit kündigt sich eine Minuskulisse an.

Hoeneß bleibt in Berlin

Siegfried Dietrich, seit zwei Jahrzehnten Frankfurts Manager und Promotor, erklärt das einleuchtend: „Der Überhype der WM 2011 ist der Normalität gewichen – aber die Normalität steht für ein gesundes Wachstum.“ Sein Klub rückt binnen fünf Tagen zweimal in den bundesweiten Blickpunkt und steht vor einem seltsamen Spagat: Der insgesamt neunte Pokalsieg wäre sicherlich nett, doch weitaus wichtiger wäre der Gewinn der Women’s Champions League, wo das Finale am Donnerstag im Münchner Olympiastadion gegen Olympique Lyon ausgespielt wird.

Ein Sieg in der weiblichen Königsklasse stellt für Frankfurts Weltauswahl die einzige Möglichkeit dar, nächste Saison international vertreten zu sein. „Wir müssen in Köln unbedingt München noch aus dem Kopf haben“, empfiehlt Dietrich verklausuliert. Der Netzwerker hatte sich gewünscht, dass Uli Hoeneß heute den Frauen die Aufwartung macht. Der Bayern-Präsident wird indes mitnichten – wie von Dietrich empfohlen – mit dem Hubschrauber in die Luft gehen. „Schade“, sagt Dietrich, es wäre die sympathischste Aktion des Pokal-Wochenendes gewesen.“

Lewandowski zu den Bayern

Der 54-jährige Manager bestätigte gestern, dass sich Abwehrspielerin Gina Lewandowski nach der Saison ausgerechnet dem heutigen Gegner FC Bayern anschließt. Der Vertrag der US-Amerikanerin wird nicht verlängert. Ursprünglich wollte die 27-Jährige zunächst in die Heimat wechseln, doch ist der Betrieb der Profiliga WPS eingestellt. Beim FC Bayern trifft sie ihre Landsleute Sarah Hagen und Niki Cross.

Keine Rolle für die Anfangsformation dürfte gegen die Münchner jene Akteurin spielen, der Gina Lewandowski den Stammplatz als Innenverteidigerin streitig gemacht hat: Weltmeisterin Saki Kumagai ist, so Trainer Sven Kahlert, „müde“. Auf die Japanerin sei im vergangenen Jahr zu viel eingeströmt. Veränderungen kündigte der FFC-Coach zudem in der Offensive an, wo sich vergangenen Sonntag bei Turbine Potsdam (1:3) weder Sandra Smisek noch Dzsenifer Marozsan wirklich in vorderster Reihe wohlfühlten. Die Antreiberin und die Taktgeberin wirkten reichlich zweckentfremdet; fast so, als würde Joachim Löw plötzlich Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil in der Not zu Angreifern machen.

„Das hat nicht gepasst“, räumte auch Kahlert ein, der vermutlich wieder der Schweizerin Ana-Maria Crnogorcevic die Rolle ganz vorne gibt. Die trickreiche Fatmire Bajramaj kommt zum Einsatz – Kahlert wollte nicht verkünden, ob schon von Beginn an. Eines konnte der 41-Jährige allerdings versprechen: „Wir werden das Pokalfinale nicht herschenken. Dafür haben wir in den Runden zuvor gegen Wolfsburg, Potsdam und Duisburg zu viel investiert und zu viel gelitten.“


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