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Final Four: Paul Drux soll die Füchse Berlin ins EHF-Cup-Finale führen

„Es macht mir Spaß, ein Spiel zu führen“: Paul Drux.

„Es macht mir Spaß, ein Spiel zu führen“: Paul Drux.

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City-Press

Der Warnschuss kommt zur rechten Zeit. Im Spitzenspiel der französischen Handball-Liga hat Saint-Raphaël dem souveränen Spitzenreiter und heißen Anwärter auf den Champions-League-Titel, Paris Saint-Germain, einen erbitterten Kampf geliefert. Am Ende lagen die Hauptstädter knapp mit drei Toren vorn – was sich ganz schnell auch bis nach Berlin herumgesprochen hat. Denn an diesem Sonnabend treffen die Füchse Berlin im Halbfinale des EHF-Cups in Göppingen auf das südfranzösische Team (17.45 Uhr, RBB livestream).

Nicht wenige sehen das als günstiges Los für Berlin an, denn alternativ hätten auch Gastgeber und Pokalverteidiger Frisch Auf Göppingen oder der seit 22 Spielen ungeschlagene SC Magdeburg der Halbfinalgegner sein können. Die Berliner sehen es etwas anders: „Saint-Raphaël ist wirklich ein harter Brocken“, sagt Füchse-Rückraumspieler Paul Drux voller Respekt.

Listiger Trainer Petkovic

Zwar hatten die Berliner die Südfranzosen in der Gruppenphase hinter sich gelassen, aber auch eines der beiden Spiele gegeneinander verloren. Grund genug also, den Gegner ernst zu nehmen. „In meinem Kopf dreht sich alles nur noch um Saint-Raphaël“, sagt Füchse-Trainer Velimir Petkovic. Seit Tagen würden sie taktische Varianten trainieren, mit denen man den französischen Vizemeister der vergangenen Saison überlisten könne. Denn die Füchse gehen mit einem klaren Ziel in ihre nunmehr dritte EHF-Cup-Endrunde: „Wir wollen den Pokal gewinnen“, sagt Drux.

Um das zu schaffen, kommt es nicht zuletzt darauf an, dass auch der 22-jährige Führungsspieler am Wochenende zu großer Form aufläuft. Zumal der Einsatz von Petar Nenadic nach seinem Bänderriss mehr als fraglich ist und sich zwischenzeitlich auch Steffen Fäth krankgemeldet hatte.

Nachfolger des Besten

Umso wichtiger, dass Drux einer ist, der sich gleich auf mehreren Positionen wohlfühlt: im Rückraum und in der Abwehr, als Kanonier von Halblinks, Ballverteiler in der Aufbau-Mitte-Position oder mit seinen gefürchteten Überraschungsaktionen im Spiel Eins-gegen Eins. „Ich bin ein spielverliebter Handballer“, schätzt Drux sich selbst ein. „Es macht mir Spaß, ein Spiel zu führen, Bälle zu verteilen, Mitspieler in Position zu bringen, mal das Tempo anzuziehen, mal die Luft aus dem Spiel zu nehmen. So wie es gerade nötig ist.“

Was Manager Bob Hanning mal zu der Aussage verleitete, Drux könnte einmal der deutsche Nikola Karabatic werden. Der Franzose war 2007 und 2014 Welthandballer des Jahres, gilt als der Alleskönner schlechthin. Drux winkt ab. „Immer schön auf dem Boden bleiben“, sagt er. „Um ein solch kompletter Spieler zu werden, ist es noch ein sehr langer Weg.“

Einladung von Bob Hanning

Bereits seit seinem fünften Lebensjahr spielt Drux Handball. Dafür gibt es eine logische Erklärung: Er ist in Gummersbach geboren. „Wer in Gummersbach zur Welt kommt“, sagt er, „der wird eben Handballer.“ So war es bei seinem Opa, seinem Vater, seiner Schwester – und bei ihm. Als er 15 Jahre alt war, verlor sein Team im Finale der deutschen Jugendmeisterschaft gegen Berlin. Im Nachhinein eine Niederlage mit positiven Folgen.

Drux wurde von Bob Hanning, damals schon Handball-Nachwuchstrainer, nach Berlin eingeladen. „Ich sah mich zwei Tage lang um und wusste: Hier ziehst du her.“ Drux schätzt die guten Trainingsbedingungen, fühlt sich wohl im Team und schwärmt von der Stadt, „in der einem nie langweilig wird“. Und ihm gefällt die Philosophie der Füchse, die voll auf die Jugend setzen.

Bronze in Rio

Er hat davon profitiert, gewann in den Nachwuchsteams mehrere Jugendmeisterschaften, wurde mit der deutschen U20-Auswahl Europameister und schaffte schnell den Übergang in die Männerteams. Mit der A-Auswahl errang Drux im Vorjahr in Rio seinen bisher größten Erfolg, die olympische Bronzemedaille.

Für das Profiteam der Füchse läuft der 1,92-Meter-Mann seit Dezember 2012 auf – stets mit der Rückennummer 95. Die steht für sein Geburtsjahr und ist wahrlich nicht bei jedermann beliebt. So soll es auch am Wochenende sein.