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Fußball-EM 2016: Das aufgeplusterte Turnier

Nach Brasilien ist vor Frankreich: Der deutschen Nationalmannschaft bleiben ab dem Endspiel ganze 56 Tage, um die Auftritte bei der WM am Zuckerhut zu verarbeiten. Am 7. September bereits wartet in der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich der mausgraue Alltag. In Dortmund gegen Schottland. Fußballfest geht anders. Der Weg ins Nachbarland, wo ab dem 10. Juni 2016 der Europameister erstmals unter 24 Mannschaften ausgespielt wird, verspricht statt Herausforderung gähnende Langeweile. Die Gruppengegner Irland, Polen, Georgien, Schottland und Neuling Gibraltar sind alles, nur keine erstklassigen Teams. Als Mannschaft, die im Sommer im WM-Finale stand, kann die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw ab Herbst eigentlich nicht glänzen, sondern sich nur blamieren.

Für viele andere „große“ europäische Mannschaften, die in Brasilien krachend scheiterten, geht es hingegen um Wiedergutmachung, um den guten Ruf. „Wir greifen 2016 wieder an“, klang es unisono aus dem englischen, spanischen, italienischen und auch französischen Lager. Allein: Einzig von der Auswahl Belgiens, die über großes Entwicklungspotenzial verfügt, darf dies als Warnung verstanden werden.

Sogar Niersbach meckert

Die Aufstockung der Endrunde von 16 auf 24 Mannschaften war der ausdrückliche Wunsch von Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa) − und die sportlich wenig anspruchsvolle Qualifikation der dafür in Kauf genommene Preis. Sogar Platini-Freund Wolfgang Niersbach ist alles andere als begeistert: „Es war eine Mehrheitsentscheidung, der wir uns fügen müssen“, sagte der DFB-Präsident und monierte dennoch: „Die Qualifikation wird an Spannung erheblich verlieren. Und im Turnier selbst muss man nach einem Modus spielen, bei dem man eine Logarithmentafel braucht.“ In Frankreich kehrt man zu dem WM-System von 1986 bis 1994 mit einem komplizierten Modus zurück, der auch besten Gruppendritten noch das Weiterkommen ermöglicht.

Gehofft wird in Uefa-Kreisen dafür auf ein neues Sommermärchen. „Frankreich hat von Deutschland gelernt, wie man die Stadion-Infrastruktur im gesamten Land verbessern kann“, versprach zuletzt Platini, als Profi französischer Weltstar. Und er stellte fest: „Frankreich hat es 1998 versäumt, die Weltmeisterschaft zu nutzen und die Stadien für das Publikum zu verbessern. Das Geld ist fast nur in den Bau des Stade de France gesteckt worden.“

Nach den politischen Verwirrungen um die WM in Brasilien und die EM 2012 in Polen und der Ukraine verspricht der französische Fußballverband (FFF): Alles wird besser. Vor allem für die Fans. In jeder der zehn Austragungsstädte werden mindestens vier Partien und sechs verschiedene Teams zu sehen sein. Um den Fußballtouristen die Qual der Wahl abzunehmen, werden in den nah beieinandergelegenen Städten Saint-Denis/Paris, Lille/Lens, Lyon/Saint-Etienne, Marseille/Nizza und Bordeaux/Toulouse die Spiele nicht am selben Tag angepfiffen. Jede Nation trägt ihre drei Gruppenspiele in drei verschiedenen Stadien aus.

Ein Kalender im Sinne der Fans

„Ich glaube, der Kalender ist großartig für die Fans, die die Chance bekommen, verschiedene Mannschaften und Spiele in ihrer Region zu sehen“, sagte Platini. Die vor allem ausländischen Fans, die ihrer Nationalmannschaft auf dem Weg ins Finale folgen wollen, seien „ermutigt, durch Frankreich zu reisen und die Schönheit zu erforschen, die das Land zu bieten hat“.

Auch die Équipe Tricolore, in Brasilien an Deutschland im Viertelfinale gescheitert, wird reisen und während der Vorrunde nach dem Eröffnungsspiel im Stade de France (Saint-Denis) in Marseille und Lille auflaufen. Im Nationalstadion, wo auch das Finale stattfindet, werden allerdings die meisten Spiele ausgetragen (7). Die deutsche Mannschaft will mindestens an einem davon teilnehmen. (sid)


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