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Greuther Fürth: Das Lob der kleinen Brötchen

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Vater des Aufstiegs von Greuther Fürth: Trainer Mike Büskens inmitten seiner Mannschaft.
Vater des Aufstiegs von Greuther Fürth: Trainer Mike Büskens inmitten seiner Mannschaft.
Foto: dpa

Die Spielvereinigung Greuther Fürth vertraut weitgehend der Mannschaft, die so souverän den Aufstieg schaffte. Als ballsicheres Kollektiv sollen sich unter Trainer Mike Büskens die Klasse halten. Aber - kann das wirklich gutgehen?

Wer Mike Büskens dieser Tage zuhört, könnte glatt den Eindruck bekommen, dass er es mit einem gut gelaunten, optimistischen Menschen zu tun hat. „Unsere Stärke ist die mannschaftliche Geschlossenheit. Wenn wir die in die Bundesliga herüberretten können, ist mir nicht bange.“ Wer sich an die vergangene Saison erinnert, an diese Mannschaft, die eigentlich allen Gegnern in der Zweiten Liga spielerisch überlegen war und die auch hartgesottenen Kalibern wie dem 1. FC Nürnberg (Derbysieg im Pokal) oder Borussia Dortmund (unglückliches Ausscheiden im Halbfinale) alles abverlangte, ertappt sich dabei, wie er zu des Trainers Worten nickt.

Kann das wirklich gutgehen? Fürth und die Bundesliga? Mit diesem Kader, in dem die meisten Fußballfreunde außer Gerald Asamoah kaum einen Spieler mit Namen kennen? In Fürth sind sie überzeugt, dass sie andere Tugenden in der Waagschale haben: Ein eingespieltes System, klare Vorgaben, ein ballsicheres Kollektiv.

Kein Vertrauen in Berater

Und selbst wenn es anders wäre: Es gibt schlichtweg keine Alternative zum Backen kleiner Brötchen. Zum einen, weil der Verein seit jeher kein Geld für große Sprünge hat. Und zum anderen, weil Präsident Helmut Hack, der seit 1997 amtiert, über jeden Euro persönlich wacht und lieber an einem freien Samstag ein Talent in der Schweiz scoutet als auf irgendeinen Berater zu vertrauen.

Im Gegensatz zu den Mitaufsteigern vertraut man in Franken also weitgehend auf die Aufstiegself. Für Abwehr wurden Lasse Sobiech (zuletzt St. Pauli) und Michael Hefele verpflichtet. Dazu kommen Wolfgang Hesl (Dresden) und der Senegalese Issa Ndoye fürs Tor. Beide sollen Max Grün unter Druck setzen, der im Herauslaufen nach wie vor seine Schwierigkeiten hat.

Mittelfeldmann Thanos Petsos (FCK, Transferrechte bei Bayer Leverkusen) überzeugte bislang in der Vorbereitung. Und Zoltan Stieber, der aus Mainz geholt wurde, soll auf der linken Außenbahn Stephan Schröck ersetzen, der nach Hoffenheim ging. Ende Juli wurde schließlich der langersehnte Stürmer verpflichtet. Tobias Mikkelsen vom Meister FC Nordsjaelland soll den zu Mit-Aufsteiger Eintracht Frankfurt abgewanderten Olivier Occean ersetzen. Der Kanadier, der in der vergangenen Saison mit 17 Treffern und neun Assists glänzte, hatte bereits vor Monaten angedeutet, dass er wechselwillig ist.

Identifikationsfigur verließ Fürth

Auch auf der Managerposition gab es einen Wechsel. Rachid Azzouzi, der dem Kleeblatt als Spieler, Trainer und Manager seit 1997 die Stange gehalten hatte, wechselte ans Millerntor. Die Personalie ist durchaus interessant. Denn für Azzouzi, einen kumpelhaften Rheinländer, der in Franken heimisch geworden war, scheint die Omnipräsenz des Präsidenten zuletzt eher Fluch als Segen gewesen zu sein.

Neben ihm und dem charismatischen Trainer Mike Büskens ging er ein wenig unter. Azzouzi war beliebt und respektiert, doch so mancher fragte sich, ob er an den wirklich wichtigen Entscheidungen maßgeblichen Anteil hatte. Dabei ist er eine der Identifikationsfiguren. Einer, der mit den Fans auf der Haupttribüne genau so gut konnte wie mit den Kuttenfans.

Bei St. Pauli dürften seine Gestaltungsspielräume deutlich höher sein. Seine Position übernehmen Martin Meichelbeck, ein studierter Psychologe und Exprofi, für den Lizenzspielerbereich. Neuer Geschäftsführer ist der bisherige Vizepräsident Holger Schwiewagner. Bis das neue Stadion zur Saison 2014/15 fertiggestellt sein wird, bleibt man im altehrwürdigen Ronhof (18.000 Zuschauer).

FC Bayern kommt zum Auftakt

Bei all den Neuerungen sind sie in Fürth froh, dass die wichtigste Personalie keiner Neuerung unterlag. Trainer Mike Büskens, den selbst Hack als „Vater des Aufstiegs“ preist, hat sich nach quälend langer Bedenkzeit für eine Vertragsverlängerung entschieden.

Offenbar auch, weil ihn die plötzliche Begeisterung beeindruckt hat: „30.000 glückliche Menschen bei der Aufstiegsfeier – das hätte doch keiner für möglich gehalten.“ Und die Begeisterung, berichtet Büskens, sei ungebrochen. Innerhalb kürzester Zeit habe man alle 13.000 Dauerkarten verkauft: „Alle freuen sich nach all den Enttäuschungen wie die Kinder auf die erste Liga. Da wollte ich dabei sein. Jetzt kommen 34 Feiertage auf Fürth zu.“ Der erste davon führt gleich den FC Bayern München ins Fränkische. Was Büskens nicht weiter zu stören scheint: „Nach diesem Spiel wissen wir, wie sich die Bundesliga anfühlt.“

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