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Hertha BSC: Alles für die Provision

Hertha-Trikots mit dem Logo der Deutschen Bahn.

Hertha-Trikots mit dem Logo der Deutschen Bahn.

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dpa

Berlin -

Christian Jäger, Sportfive-Chef bei Hertha BSC, steht vor wichtigen Entscheidungen. Im Sommer läuft der Vertrag mit der Deutschen Bahn aus. Jäger steht nun in ständigen Verhandlungen mit dem langjährigen Partner des Klubs. Das Ziel ist klar definiert: Geht es nach Hertha und seinem Vermarkter, soll die Bahn weiter Hauptsponsor bleiben. Außerdem laufen vier Verträge von acht sogenannten Exklusivpartnern aus – viel Arbeit für Jäger.

Die Liaison zwischen Hertha und Sportfive, samt seinem Vorgänger Ufa, gehört zu den ältesten im deutschen Fußball. Bevor er im Jahr 2000 bei Hertha zum Präsidenten aufstieg, hatte Bernd Schiphorst 1988 die Grundlage der Ufa-Sports gelegt. Noch heute wirkt er bei Hertha als Aufsichtsratschef.

Bereits 1992 erwarb Ufa-Sports die Bandenrechte im Olympiastadion – damals dümpelte die klamme Hertha im Mittelfeld der Zweiten Liga herum. 1994 stand der Klub gar vor dem Ruin. Die Ufa half und pumpte zuerst 4,5 Millionen Mark in den Verein, als eine Art Überlebenshilfe. Trotz der prekären Situation hatten die Vermarkter erkannt, dass eine starke Hertha später großes Potenzial haben könnte. Also wurde ein Vertrag abgeschlossen, der zunächst bis 2003 gültig war. Sämtliche Erlöse aus der Vermarktung wurden im Verhältnis 60 (Hertha) zu 40 (Ufa) verteilt.

Verträge jeweils für Erste und Zweite Liga

Damals sprachen Alt-Herthaner von einem Knebelvertrag. Später unterstützte der Vermarkter, dessen Verhältnis zum Klub einige Zeit sehr angespannt war, die Berliner mit rund 25 Millionen Mark für Spielertransfers. Erst im Jahr 2000 konnte der damalige Manager Dieter Hoeneß neue Vertragsmodalitäten aushandeln, nachdem sich auch der sportliche Erfolg eingestellt hatte. Hertha spielte 1999/2000 sogar in der Champions League – eine bislang einmalige Konstellation.

Fortan wurden die Erlöse im Verhältnis 80 (Hertha) zu 20 Prozent (Sportfive) verteilt. 2004 geriet Hertha in eine finanzielle Schieflage, Sportfive half daraufhin mit einem Signing fee (Einmal-Vorauszahlung) in Höhe von 8,3 Millionen Euro aus. Der Kontrakt wurde vorzeitig von 2009 bis 2014 verlängert. Und noch einmal, im Januar 2008, wurde der komplizierte Vertrag geändert. Sportfive zahlte erneut ein Signing fee, dieses Mal in Höhe von 25 Millionen Euro. Hertha steckte 15 Millionen in den Schuldenabbau und zehn Millionen in die Mannschaft.

Für das Entgegenkommen des Vermarkters löschte Hertha eine Klausel im Vertrag, die den Ausstieg des Klubs aus der langjährigen Zusammenarbeit 2009 erlaubt hätte. Das aktuelle Vertragswerk hat eine Laufzeit bis 2019. In der Regel erhält Sportfive 15 bis 20 Prozent Provision bei sämtlichen Vermarktungsgeschäften. Sportfive-Chef Jäger sagt: „Die heutigen Verträge sind sehr kompliziert und müssen auch differenziert für die Erste und Zweite Liga betrachtet werden. Details bleiben intern.“