blz_logo12,9

Hertha BSC Berlin: Nachschlag für Hertha

Bilder aus der Vergangenheit: Raffael in Berlin.

Bilder aus der Vergangenheit: Raffael in Berlin.

Foto:

mago/City-Press

Der Brasilianer Raffael lebt in Kiew in einer schönen Villa, er hat – wenn er es wünscht – schnell einen Chauffeur zur Verfügung. Die Privilegien sind groß. Dennoch kann es ganz schnell passieren, dass der ehemalige Profi von Hertha BSC dieses Leben in der Ukraine gegen einen erneuten Arbeitsplatz in Deutschland eintauscht. Nach der komplizierten Muskelverletzung des Holländers Ibrahim Afellay, der mindestens zwei Monate ausfallen wird, sucht der FC Schalke 04 händeringend nach einem Ersatz.

Hauptkandidat ist Raffael, der im Sommer vorigen Jahres nach zähen Verhandlungen von Berlin zum ukrainischen Spitzenklub gewechselt war und Hertha die Rekordsumme von rund acht Millionen Euro Ablöse einbrachte. Inzwischen hat der Klub eine weitere Million bekommen, weil Raffael mit Kiew die Champions League erreichte und dort auch zum Einsatz kam.

Dennoch hatte es Raffael bislang unter Trainer Oleg Blochin, der Ende September 2012 zu Dynamo zurückgekehrt war, nicht zum Stammspieler geschafft. Seine Bilanz ist eher dürftig, auch wenn sein Schweizer Berater Dino Lamberti behauptet: „Wenn er zum Einsatz kam, hat er gut gespielt.“

Der ältere Bruder des Hertha-Profis Ronny – beide verbrachten den Weihnachtsurlaub gemeinsam mit ihren Familien in Fortaleza – spielte neun Mal in der ukrainischen Liga (ein Tor), ein Mal im Pokal, ein Mal in der Champions-League-Qualifikation gegen Borussia Mönchengladbach und zwei Mal in der Champions League. „Es ist vieles nicht so gelaufen, wie wir gehofft hatten“, gibt Lamberti zu, „weil sich im Sommer der Wechsel von Berlin nach Kiew über zwei Monate hinzog, hatte Raffael wenig Spielpraxis, zudem bekam er eine Ohrenentzündung. Ehe er richtig fit wurde, verging viel Zeit.“ Doch, so der langjährige Berater, wolle Kiew Raffael nicht unbedingt abgeben, „aber nun gibt es zwei ernsthafte Anfragen aus der Bundesliga von Klubs, die ihn bezahlen könnten. Eine davon kommt von Schalke“, sagte Lamberti dieser Zeitung.

Auch Gladbach interessiert

Nun verriet Dynamos Präsident Igor Surkis dem Sport-Express (Kiew): „Der FC Schalke ist an uns herangetreten und will Raffael ein halbes Jahr ausleihen mit einer Kaufoption. Es ist noch nichts entschieden.“ Laut Surkis sei auch Mönchengladbach ein Mitbewerber. „Die Interessenten aus der Bundesliga haben Raffaels erfolgreiche Auftritte bei Hertha BSC noch nicht vergessen.“

Lamberti sagt, die Verhandlungen stünden erst am Anfang und neben Schalke mische ein zweiter Bundesligist mit. Zuvor habe es auch eine Anfrage von Lokomotive Moskau gegeben, die aber für Raffael und Kiew nicht interessant war. Schon als im Sommer 2012 Kiew um Raffael warb, war auch Schalke am Brasilianer interessiert, unterlag aber den Ukrainern, die für Hertha und den Profi das lukrativste Gesamtpaket parat hatten. Raffael soll rund fünf Millionen Euro im Jahr kassieren und auch Hertha kann weiter profitieren, sollte Raffael in den kommenden Jahren in der Champions League spielen – weitere Nachschläge in Millionen-Höhe sind möglich.

Sollte der Brasilianer jetzt zum FC Schalke gehen, wäre er für den Bundesligisten in der Königsklasse nicht spielberechtigt, weil er schon für Dynamo dort im Einsatz war. Bei einem Leihgeschäft zwischen Kiew und Schalke würde das die weitergehenden finanziellen Interessen und vertraglichen Konditionen von Hertha BSC und Kiew nicht tangieren, sagte Manager Michael Preetz.

Kiew steht derzeit nur auf Platz drei in der Meisterschaft, schon 14 Punkte hinter Schachtjor Donezk und auch hinter Dnjepr Dnjepropetrowsk. Die Verantwortlichen wollen mehr und deshalb laut Raffaels Berater Lamberti eine „Neuorientierung“ anstreben, sprich frisches Personal verpflichten. Raffael aber würde liebend gern wieder in der Bundesliga spielen. Eine Überraschung ist das nicht. Surkis wird im Sport-Express so zitiert: „Wenn Raffael nicht mehr für Dynamo spielen möchte, dann werden weder ich noch unser Trainer ihn mit Gewalt hier halten. Wenn er aber bei uns eine neue Chance sucht, werden wir ihm diese gewähren.“ Glaubt man den Worten des Beraters, dann ist Deutschland die erste Option des Brasilianers.