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Hertha BSC: Geht Raffael in die Ukraine?

Herthas Raffael wird den Verein aller Voraussicht nach verlassen. Das meiste Geld wird in der Ukraine geboten.

Herthas Raffael wird den Verein aller Voraussicht nach verlassen. Das meiste Geld wird in der Ukraine geboten.

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dapd

Die Wetterstation in Malé auf den Malediven zeigte gestern 30,6 Grad an. Dort urlaubt gerade der Brasilianer Raffael, seit Januar 2008 Spielmacher bei Hertha BSC, mit seiner Frau Jamilly. Die beiden Kinder Raicky und Raffael Nunez sind in Brasilien bei Raffaels Eltern geblieben. Der 27-Jährige steht vor einer schwierigen Entscheidung. Nach dem erneuten Abstieg von Hertha BSC will sich Raffael, der die Stadt Berlin liebt, dennoch verändern. Und Hertha benötigt dringend üppige Transfererlöse, um selbst noch auf dem Spielermarkt aktiv werden zu können. Neben dem Kolumbianer Adrián Ramos bietet nur Raffael bei einem Verkauf die Chance auf Millionen-Erlöse.

Der neue Trainer Jos Luhukay sagte: „Es gibt wirtschaftliche Notwendigkeiten und Raffael kann mit seinem Potenzial in jeder großen Liga Europas bestehen.“ Dino Lamberti, der Schweizer Berater von Raffael, sagte dieser Zeitung: „Es gibt vier große Interessenten, zwei aus der Ersten Bundesliga, einen aus Italien und einen aus der Ukraine.“

Ukrainischer Spitzenclub verrückt nach Raffael

Lamberti hat in Absprache mit Hertha BSC gerade alle vier Klubs besucht, die den Brasilianer gern verpflichten würden und die Konditionen ausgelotet. Raffael besitzt in Berlin noch einen Kontrakt bis 2014. Sollte es dem sensiblen Techniker zuvorderst um viel Geld gehen und weniger um die sportliche Perspektive, müsste er in die Ukraine wechseln.

„Die sind verrückt nach ihm“, sagt Lamberti. Einer der beiden Spitzenklubs, Meister Schachtjor Donezk oder Dynamo Kiew sei bereit, eine hohe Summe zu investieren. Der ukrainische Klub, um den es geht, habe „unglaublich gute professionelle Strukturen und ist finanziell  top“, verriet Lamberti. Er sagt auch, was ein Berater sagen muss: : „Das Finanzielle muss stimmen, denn Raffael wird vielleicht nur noch einen oder zwei große Verträge in seiner Karriere abschließen.“

Zwischen sechs und maximal zehn Millionen Euro sollte die Ablöse liegen, glaubt Lamberti. Im Januar 2008 war Hertha BSC die Verpflichtung von Raffael 4,3 Millionen Euro Ablöse wert, die an den FC Zürich flossen. Der Brasilianer kam in Berlin auf 110 Erstligaspiele (13 Tore) und 30 Einsätze in der Zweiten Liga (10 Tore).

Neapel und Schalke werben mit

Aber nicht nur die Ukraine lockt, wo bei Schachtjor Donezk bereits fünf Brasilianer unter Vertrag stehen, auch der Serie-A-Klub SSC Neapel ist seit Wochen an Raffael interessiert. Dessen Trainer Walter Mazzarri lobte überschwänglich: „Raffael ist einer der besten Mittelfeldleute der Welt. Er spielt nur im falschen Verein.“ Der Schweizer Nationalspieler Gökhan Inler vom SSC, der mit Raffael einst beim FC Zürich prächtig harmonierte, macht sich für dessen Verpflichtung stark. Verbürgt ist, dass auch Borussia Dortmund Interesse hat, was aber erloschen ist.

Dafür wirbt nun der FC Schalke 04, der aber auch um die Dienste des Holländers Rafael van der Vaart von Tottenham buhlt. Beim zweiten Mitbieter aus der Bundesliga soll es sich um Borussia Mönchengladbach handeln, wo Raffaels langjähriger Förderer Lucien Favre der Cheftrainer ist. Der hatte zwar vor Monaten ein Interesse der Borussia verneint, aber dieser Zeitung gesagt: „Wenn ich Nationaltrainer von Brasilien wäre, würde ich auf Raffael achten.“ Ein größeres Kompliment konnte Favre kaum machen.

Ob Raffael am 24. Juni zum Trainingsauftakt in Berlin erscheint, ist ungewiss, aber „schon wahrscheinlich“, so Lamberti, „wir wollen den Transfer nicht unter Zeitdruck abwickeln.“ Fest steht nur, dass Raffaels jüngerer Bruder Ronny bei Hertha BSC bleibt und seinen Vertrag (bis 2013) erfüllen soll. Ein bisschen einsam wird der sich fühlen.