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Berliner Zeitung | Ablösefrei zu Eintracht Frankfurt: Die ganze Wahrheit hinter dem Ben-Hatira-Wechsel
02. February 2016
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Ablösefrei zu Eintracht Frankfurt: Die ganze Wahrheit hinter dem Ben-Hatira-Wechsel

Gruß an den krebskranken Freund: Änis Ben-Hatira.

Gruß an den krebskranken Freund: Änis Ben-Hatira.

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imago/Camera 4

Es ist nur die halbe Wahrheit, aber der Vorfall kam so gelegen, dass die Verantwortlichen von Hertha BSC aus der halben halt mal schnell eine ganze gemacht haben. Eine Wahrheit, die den Fußballprofi Änis Ben-Hatira mal wieder in eine Ecke drängt, in die er vielleicht gar nicht (mehr) gehört.

Der Bundesligist hat infolge einer Rangelei im Mannschaftsbus, bei der Ben-Hatira gegenüber dem Teamkollegen Mitchell Weiser handgreiflich geworden ist, jedenfalls verlauten lassen, dass man „darauf sofort reagiert und die entsprechenden Konsequenzen gezogen“ habe. Eine Trennung sei unumgänglich gewesen: „Denn Fairness, Anstand, Respekt und Teamgeist gehören bei uns zu den wichtigsten Grundsätzen im Verein.“

Eine Selbstverständlichkeit sollte das mit den Grundsätzen sein, klar. Sie ist aber auch eine, die die Kluboberen besser für sich behalten hätten. Zum einen, weil natürlich allen klar ist, dass der Mittelfeldspieler in den Plänen von Trainer Pal Dardai schon länger keine Rolle mehr spielt und schon allein aus sportlichen Gründen schnellstmöglich von der Gehaltsliste gestrichen werden sollte. Zum anderen, weil Ben-Hatira in aller Öffentlichkeit einmal mehr als unverbesserlicher Bad Boy dargestellt wird.

Als einer, der nicht mannschaftsfähig ist. Der in der Extremsituation die Nerven verliert und dann in die Verhaltensmuster seiner Jugend verfällt. Und wo er die verlebt hat, ist allen bekannt: Berlin-Wedding, Problembezirk, Käfigkicker. Dazu noch die Sache mit der Ex-Freundin, der er mal die Geldbörse geklaut haben soll. Fertig ist das Vorurteil.

Strahlende Kinderaugen

Und nun? Ben-Hatira wechselt ablösefrei zu Eintracht Frankfurt, wo man sich natürlich auch zu einer Kommentierung gezwungen sah. „Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, dass das mal vorkommen kann. Änis hat sich entschuldigt. Wir wissen um seinen Charakter, und dass es eine Ausnahmesituation war“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Klingt schon besser, vor allen Dingen, wenn man sich noch einmal das Bundesligaspiel Hertha BSC gegen Borussia Dortmund vom 15. März 2015 in Erinnerung ruft. Änis Ben-Hatira erzielt das 2:2, zieht sich eine Spiderman-Maske übers Gesicht, um damit seinen kleinen krebskranken Freund Jannik auf der Haupttribüne des Olympiastadions zu grüßen.

Versprechen eingelöst. „Das war mir wirklich wichtig.“ Kind zum Lachen gebracht. „Kinder-Augen lügen nicht. Die haben gestrahlt bis zum Geht-Nicht-Mehr.“ Vielleicht ist das dann doch gar kein so schlechter Junge, dieser 27 Jahre alte Änis Ben-Hatira.


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