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Bei Hertha spricht weiter niemand von der Champions League

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Die 54. Minute im Olympiastadion: Ingolstadts Torwart Ramazan Özcan ist geschlagen, Genki Haraguchi (r.) zum zweiten Mal in dieser Saison Torschütze.

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AFP

Die Mannschaft des FC Ingolstadt 04, die am Sonnabend der Gast von Hertha BSC war, trägt einen recht treffenden Spitznamen: die Schanzer. Es ist der Spitzname aller Ingolstädter Einwohner, er rührt daher, dass die Stadt an der Donau über vier Jahrhunderte lang bayerische Landesfestung war. Die Menschen dort wissen also, sich zu verteidigen, und das gilt insbesondere für die in Ingolstadt beheimatete Bundesligamannschaft: Ein Bollwerk bauen, sich einschanzen, im richtigen Moment den Ausfall wagen – mit diesem Fußball hält sich der Aufsteiger aus Bayern bislang wacker im Mittelfeld der Tabelle. So trat er auch im Olympiastadion auf in einem Spiel vor 40 385 Zuschauern, das Hertha BSC am Ende mit Mühe 2:1 (0:0) gewann.

Die erste Halbzeit war eine der Grätschen, Schläge und Zweikämpfe – womit die Hertha-Spieler gar nicht gut zurechtkamen. Ihr Trainer Pal Dardai befand jedenfalls nachher, diese 45 Minuten könne man „ein wenig vergessen, wir haben uns nicht gefunden. Das war wenig, von der Körpersprache und der Dynamik her. Irgendwie waren wir zufrieden mit dem sogenannten Nichts.“

Pal Dardai ohne Angst

In der Pause habe man sich dann vorgenommen, mehr Aggressivität zu zeigen, Freistöße schneller auszuführen, Freiräume zu nutzen und das Spiel besser zu verlagern, und tatsächlich begannen die Berliner die zweite Halbzeit stärker. In der 54. Minute hielt Genki Haraguchi links vor dem Tor seinen rechten Fuß in eine scharfe halbhohe Flanke von Marvin Plattenhardt – Treffer. Vorausgegangen war allerdings eine Szene am Mittelkreis, über die die Ingolstädter sich so richtig aufregten. Dazu später mehr.

Das 2:0 besorgte dann Herthas bester Torschütze Salomon Kalou, der in der 69. Minute zum 13. Mal in dieser Bundesligasaison traf. Nach einem Ballgewinn der Berliner ging es schnell nach vorn. Der starke Genki Haraguchi schlug von rechts eine schöne Flanke quer durch den Strafraum auf den heranrennenden Ivorer, der nur noch seinen linken Fuß hineinhalten musste.

Die Ingolstädter schafften sechs Minuten später den Anschluss. Der eingewechselte Lukas Hinterseer traf per Kopf nach einer Flanke von Almog Cohen. Es wurde noch mehrmals ungemütlich im Berliner Strafraum, die Schanzer hatten beschlossen, dass nun der rechte Moment für Ausfälle war. Hertha-Trainer Dardai sagte später zwar, er habe keine große Angst vor einem Unentschieden mehr verspürt, „aber trotzdem: Nach einem 2:0 müssen wir lernen, konsequent das dritte Tor anzustreben.“

Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl dagegen hatte ein Spiel gesehen, „das für mich ein typisches 0:0 gewesen wäre“. Hertha-Verteidiger Niklas Stark widersprach: „So muss man auch mal ein Spiel gewinnen, damit man eine erfolgreiche Saison spielt.“ Die Berliner gehen auf dem dritten Tabellenplatz liegend in die Länderspielpause mit vier Punkten Vorsprung vor Schalke 04.

„Die Hauptstadt muss Champions League spielen“

Nun aber zurück in die 54. Minute und zu der Szene, die das 1:0 für Hertha einleitete. Da hatten die Ingolstädter nämlich ein klares, aber ungeahndetes Foul von Herthas Per Skjelbred an ihrem Stürmer Dario Lezcano gesehen. Trainer Hasenhüttl nahm es nach dem Spiel einigermaßen gelassen: „Zweikampf gewonnen, nicht auf Foul entschieden, er zieht ihm klar die Beine weg, aber okay. Hat er leider Gottes nicht für uns gepfiffen.“ Skjelbred selbst und der hinter ihm postierte Stark hatten nachher selbstverständlich nichts Erhellendes beizutragen. Hasenhüttls Assistenztrainer Michael Henke aber tobte auch nach dem Spiel noch: „Hier wirst du nur beschissen, weil die Hauptstadt Champions League spielen muss.“

Dass Letzteres das Ziel ist, streiten die Berliner übrigens weiter wacker und einfallsreich ab. Salomon Kalou antwortete auf die entsprechende Frage, nach nun 48 Punkten müsse das nächste Ziel selbstverständlich 51 Punkte heißen. Und Hertha-Manager Michael Preetz war noch origineller. „Das nächste Ziel ist der Osterhase“, sagte er.