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Bekommt Berlin eine reine Fußball-Arena?

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Hier spielt die Hertha: im Olympiastadion.

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dpa

Vor dem Länderspiel-Klassiker Deutschland gegen England ist die Debatte um eine reine Fußball-Arena in Berlin neu entflammt. Hertha BSC ist unzufrieden mit dem Fan-Zulauf in der 80 Jahre alten Betonschüssel, die für die Fußball-WM 2006 für 242 Millionen Euro Steuergelder neu aufgemotzt worden war.

Um die langfristigen Zukunftsperspektiven vor allem für den Hauptstadtclub Hertha zu sichern, ist der Neubau eines hochmodernen Stadions eine nachvollziehbare Vision. „Wir müssen ran an diese Diskussion“, erklärte Hertha-Manager Michael Preetz in der „Berliner Morgenpost“ (Montag). „Es ist jetzt die Zeit gekommen, über moderne Lösungen nachzudenken“, ergänzte Preetz in der „Bild“-Zeitung.

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Fans im Stadion.

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Trotz der bisher überragenden Saison mit der Aussicht auf die Qualifikation für die Champions League blieb der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen der Hertha bei 45.000. „Ich bin seit 20 Jahren bei der Hertha, seit dem ist der Zuschauerschnitt immer etwa gleich, unabhängig vom sportlichen Erfolg“, bemerkte Preetz. „Aktuell fehlen uns noch ein paar Antworten“, sagte der Manager zu den Gründen: „Wir würden uns wünschen, dass ein paar mehr Fans ins Stadion kommen.“

Nicht erst seit dieser Saison sind die Nachteile des Olympiastadions bekannt. Die 74.475 Zuschauer fassende Arena kann zwar voll besetzt bei den Highlights wie dem jährlichen DFB-Pokalfinale, dem Champions-League-Endspiel im Vorjahr oder dem Klassiker gegen England am Ostersamstag seinen besonderen Charme entfalten. Im Bundesliga-Alltag aber bleibt es eine vor 100 Jahren konzipierte Arena. Vor allem die 36.455 Plätze im Oberring sind so weit weg vom Spielfeld, dass die Fans einige Szenen praktisch nur erahnen können.

Halbvoll wirkt das riesige Stadion eher als Stimmungskiller. 10.000 bis 20.000 mehr machen sich schon bemerkbar. Die Jungs hätten es verdient“, erklärte Preetz nach dem jüngsten 2:1-Sieg gegen Neuling FC Ingolstadt, den 40.385 Zuschauer sahen. Die blaue Laufbahn - die einzige in einem Bundesliga-Stadion - wird praktisch nur einmal im Jahr beim ISTAF der Leichtathleten professionell genutzt.

Schon mehrmals gab es Ideen für eine reine Fußball-Arena in der Hauptstadt. Doch mit der Rekonstruktion des 1936 eingeweihten Olympiastadions zur Fußball-WM 2006 war ein Neubau mit staatlichen Mitteln vom Tisch. Die öffentliche Hand hatten die Neugestaltung des Olympiastadion mit 242 Millionen Euro (196 Millionen vom Bund/46 Millionen vom Land Berlin) gefördert.

„Wir haben uns schon vor der Sanierung für ein reines Fußballstadion stark gemacht und uns dann der anderen Entscheidung gebeugt“, sagte der damalige Manager Dieter Hoeneß. 2008 brachte er nochmals einen Neubau für 150 bis 180 Millionen Euro ins Spiel. Hoeneß wollte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben für das Großprojekt, das eine Vorlaufzeit von mindestens sieben, acht Jahren habe. Nach Herthas Abstieg 2010 aber war davon nichts mehr zu hören.

Vorbild München

Jetzt will Preetz eine neue Vision entwickeln. Ein Beispiel gibt es: Rekordmeister FC Bayern hat der Umzug vom alten Münchner Olympiastadion in die eigene Allianz Arena im Jahr 2005 nochmals riesige neue Möglichkeiten bei Vermarktung und Fan-Zulauf beschert. Allerdings ist die Finanzierung einer neuen Arena für Hertha weitaus schwieriger als für die Bayern.

Noch ist alles nur eine Idee, wie und wo eine „zeitgemäße Spielstätte“ in Berlin entstehen könnte: Ein Fußballstadion mit 55.000 bis 60.000 Plätzen, moderne VIP-Logen und Komfort-Sitze. Alles müsste über Investoren finanziert werden. Erst einmal aber muss der bis 2017 laufende Mietvertrag mit der Olympiastadion Berlin Gmbh verlängert werden.

Der Berliner Senat sieht keine Gründe, sich an einer Diskussion um eine neue Fußball-Arena in der Hauptstadt zu beteiligen. „Hertha BSC hat aktuell gegenüber der Senatsverwaltung für Inneres und Sport diesbezügliche Pläne bisher nicht geäußert“, teilte die Verwaltung am Montag auf dpa-Anfrage mit. „Hertha BSC steht mit dem Olympiastadion eine qualitativ hochwertige Spielstätte zur Verfügung, die von der UEFA mit dem Fünf-Sterne-Zertifikat ausgezeichnet wurde“, erklärte Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU): „Die Zusammenarbeit hat sich auch in schwierigen Zeiten bewährt. Das weiß auch der Verein.“ (dpa)