blz_logo12,9
Neuer Inhalt

Ex-Spieler von Hertha BSC: Wo ist George Boateng?

Warten auf Godot, äh, Boateng: Ein zweimalig verabredetes Treffen mit dem Ex-Fußballprofi kam leider nicht zustande.

Warten auf Godot, äh, Boateng: Ein zweimalig verabredetes Treffen mit dem Ex-Fußballprofi kam leider nicht zustande.

Foto:

Benjamin Pritzkuleit

Berlin -

Der berühmteste Bolzplatz Berlins ist verwaist. Der kleine Fußballkäfig – zwei schiefe Tore aus Holz, ein grünes Netz in luftiger Höhe als Überdachung, ansonsten Beton – ist zur Hälfte noch mit Schnee bedeckt. Wir befinden uns an der Travemünder Straße mitten im Berliner Wedding, die Panke schlängelt sich nur wenige Meter vom Bolzplatz entfernt durch die Flucht aus Häusern. Sie ist nicht gefroren.

Wir sind verabredet mit George Boateng, 30, dem ältesten der drei bekannten Brüder Boateng. Kevin-Prince, 26,  und Jerome, 24,  haben es mit dem Fußballspielen inzwischen zu Ruhm und großen Wohlstand gebracht. Vor sechs  Jahren haben sie Berlin verlassen. Kevin-Prince, der temperamentvollste Kicker, ist inzwischen ein Star beim AC Mailand geworden, Jerome verteidigt für den FC Bayern München und steht mit seinem Team kurz vor dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Hertha BSC wo beide einst ihr Debüt in der Bundesliga gaben, hat damals viel Geld für die beiden bekommen: 7,9 Millionen Euro Ablöse für Kevin-Prince  (zu Tottenham Hotspur) und 3,6 Millionen für Jerome  (zum Hamburger SV und später zu Manchester City).

Nur George, der lange Zeit eine Art Vaterersatz  für die beiden war, lebt noch in  Berlin – in Reinickendorf, da , wo der Wedding zu Ende geht. George und Kevin-Prince sind  im Wedding geboren, Jerome in Wilmersdorf. Alle drei haben den gleichen Vater, Prince Boateng aus Ghana. Und alle drei haben auch bei Hertha BSC gespielt– George einige Zeit in  seiner Jugend.

George galt lange Zeit sogar als  der talentierteste Fußballer des Trios, doch er schaffte es nicht, wollte sich nie unterordnen in eine Mannschaft,  war viel zu aggressiv auf dem Platz und verplemperte sein Talent. Dennoch, so war etwa im spannenden Buch „Die Brüder Boateng“ von Michael Horeni zu lesen, trauere er dem verpassten Profi-Dasein nicht nach. Er ist inzwischen verheiratet, hat zwei Kinder  und züchtet Hunde.

#image1

Wir – ein Videoreporter und ein Sportredakteur der Berliner Zeitung, dazu ein Fotograf - haben uns mit George  in jenem Fußballkäfig verabredet, in dem die drei Brüder als Kinder und Jugendliche einst jeden Tag viele Stunden verbrachten und ihre Kunstfertigkeit am Ball erlernten  – unter einfachsten Bedingungen und nach dem Motto: Der Stärkere  hat das Sagen. George schützte damals seine Brüder gegenüber anderen, auch älteren Kickern aus dem Wedding, am Ball aber waren sie schnell die Besten aus der Meute der Straßenkicker.

George Boateng will zu unserem Treffpunkt einige Kumpels aus alten Zeiten mitbringen, mit denen er für das geplante Video posieren soll. Mit dem Ball könne er aber derzeit nicht sehr viel vormachen, sagt er vorher am Telefon - das Knie! Doch der von uns dennoch mitgebrachte Lederball bleibt gänzlich unberührt. Weder Boateng noch seine Freunde tauchen auf am mehrmals verabredeten Ort. Auf Anrufe und Nachrichten per SMS antwortet Boateng nicht. 

Will er etwa das alte Klischee vom „Ghetto-Kid“ aus dem Wedding neu bedienen?  Vom unzuverlässigen Zeitgenossen? Das Kuriose an dieser  Geschichte ist:  George Boateng hat zum zweiten Mal unsere  Verabredung platzen lassen. Beim ersten Treffpunkt vor vierzehn Tagen hatte er auf Nachfrage am Telefon erklärt, er sei in eine Verkehrskontrolle geraten und würde sich verspäten. Gekommen ist er nicht.

Wo also ist George Boateng? Bei seinen Freunden? Bei seiner Familie? Ist er mit seinen Hunden beschäftigt?

Seine beiden Brüder haben zuletzt für viele  positive Schlagzeilen gesorgt. Jerome    stand  am Dienstagabend im Team der deutschen Nationalmannschaft,  das in der WM-Qualifikation  Kasachstan mit 4:1 besiegte. Und Kevin-Prince sprach vorige Woche gar vor der UNO in Genf zum Thema „Kampf gegen Rassismus“. Anfang des Jahres war er nämlich  von Anhängern des  italienischen Viertligisten  Pro Patria bei einem Testspiel  seines AC Mailand beleidigt und mit Affenlauten  bedacht  worden.  Daraufhin  zog er sich sein Trikot aus und verließ demonstrativ den Platz. Seine Teamkameraden folgten ihm.  Diese mutige Tat hatte für enormes Aufsehen gesorgt.

Wir hätten liebend gern George Boateng zu all diesen Dingen befragt. Zu seinem Verhältnis zu seinen Brüdern, zur Karriere der beiden und natürlich zu seinen eigenen Plänen.  Doch George ist nicht gekommen und hat uns auf dem verwaisten Bolzplatz im Wedding allein gelassen. 

Wo also ist Boateng? Wir nehmen dankbar zweckdienliche Hinweise entgegen.