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Ha-Ho-He: Der Transfer-Meister – Hertha-Manager Michael Preetz mit feinem Gespür

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Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

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imago/Eibner

Michael Preetz ist oft gescholten worden. Immerhin stieg Hertha seit der Inthronisierung des ehemaligen  Torjägers als Manager im Sommer 2009 zweimal aus der Bundesliga ab und zweimal postwendend wieder auf. Zudem musste Preetz in dieser Zeit zahlreiche Trainer entlassen oder trennte sich einvernehmlich von ihnen: Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe, Otto Rehhagel und Jos Luhukay. Mit dem Holländer Luhukay lag er lange Zeit richtig, mit Pal Dardai als  Trainer-Neuling seit Februar vorigen Jahres landete Preetz bislang einen Volltreffer.

Aber vor allem die wichtigsten Sommertransfers vor dieser Saison, nachdem  Dardai erst am letzten Spieltag den dritten Abstieg seit 2010 vermeiden konnte, gaben der Mannschaft ein neues, ein modernes Gesicht und eine viel höhere Qualität. Es ist sehr selten, dass sämtliche Zugänge zu hundert Prozent einschlagen, zu Stammkräften werden oder gar sofort zu Führungsspielern aufsteigen. So geschehen in Berlin.

Vladimir Darida (25 Spiele/4 Tore/3 Assists), Vedad Ibisevic (19 Spiele/8 Tore/4 Assists), Mitchel Weiser (22 Spiele/2 Tore/5Assists) und der erst 20-jährige Niklas Stark (13 Spiele/1 Tor) haben enormen Anteil am in dieser Weise unerwarteten, ja, rasanten Aufschwung der Hertha. Auch ich hätte mich vor dieser Spielzeit über einen guten Mittelfeldplatz der Mannschaft am Saisonende gefreut und muss mir manchmal die Augen reiben, wo dieses Team tatsächlich steht. Und das absolut verdient.

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Jubel bei Manager und Trainer nach dem Sieg gegen Frankfurt.

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imago/Camera 4

Die ruhige und erfolgreiche Transferpolitik war und ist dafür sehr wichtig. Am intensivsten musste Preetz im Vorjahr um Mittelfeldmann Darida kämpfen, der für eine Ablöse von 3,8 Millionen Euro (Platz 5 unter den 10 teuersten Transfers von Hertha) vom SC Freiburg nach Berlin kam. Auch Augsburg, der RSC Anderlecht und Salzburg umwarben den Tschechen.

Großen Mut bewies Preetz, dass er nach ausdrücklichem Wunsch von Dardai den in Stuttgart ausgemusterten und beinahe vergessenen Torjäger Vedad Ibisevic nach Berlin holte. Es hat sich absolut gelohnt. Die jungen Talente Weiser und Stark stehen zudem schon jetzt für eine positive Zukunft der Hertha. Und mit Sinan Kurt, vom FC Bayern geholt, arbeitet sich ein weiteres Talent in der U23 an die Profis heran.

Nicht immer besass Michael Preetz bei Transfers solch ein gutes Gespür, vor allem zu Beginn seiner Manager-Laufbahn musste er allerdings mit sehr wenig Geld auf dem Transfermarkt auskommen, viel improvisieren und sich auf Leihgeschäfte konzentrieren. Diese Situation besserte sich erst entscheidend mit dem Einstieg des Investors KKR im Januar 2014.

Ich habe einmal die Transferbilanz des Managers seit 2009 untersucht. In sieben Spielzeiten hat er 80 Spieler verpflichtet (inklusive Leihgeschäfte und Talente aus dem eigenen Nachwuchs) und 91 Spieler verkauft oder auch ablösefrei abgegeben. Rund 34,66 Millionen Euro wurden an Ablösesummen gezahlt, aber auch rund 52,75 Millionen Euro an Ablösesummen eingenommen. Es gab einige Flops, etwa den Brasilianer Andre Lima oder die nochmalige Verpflichtung von Artur Wichniarek und auch andere Mitläufer wurden geholt und wieder abgegeben.

Zu Beginn seiner Amtszeit musste Preetz aus finanziellen Gründen Josip Simunic verkaufen (7 Millionen Euro von der TSG 1899 Hoffenheim) und die teuren Anführer Marko Pantelic und Andrej Woronin ablösefrei ziehen lassen. Der Substanzverlust war enorm und nicht zu kompensieren. Später gelangen wirtschaftlich lukrative Verkäufe, etwa von Raffael (9 Millionen/Dynamo Kiew), Adrian Ramos (9,7 Millionen/Borussia Dortmund) oder Pierre-Michel Lasogga (8,5 Millionen/Hamburger SV).

In den zurückliegenden Jahren kaufte Michael Preetz immer erfolgreicher ein und hatte oft einen langen Atem bis zum letzten Tag der Transferperioden. Die Resultate dieser Politik sind nun endlich eindrucksvoll zu besichtigen, was auch am guten Zusammenspiel zwischen Manager und Trainer liegt. Sollte Hertha nun das internationale Geschäft erreichen, würde Preetz künftig auf dem Transfermarkt ganz neue Möglichkeiten bekommen. Weiter so!

Darauf ein kraftvolles  Ha-Ho-He!