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Ha-Ho-He-Kolumne: Nie mehr Sandhausen!

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Die treuen Fans der Hertha.

Foto:

REUTERS

Natürlich kenne ich diesen verrückten Typ. Aus dem Olympiastadion oder von Auswärtsfahrten, die ich einst auch viele Jahre absolvierte. Doch was dieser Mann als Fan leistet und erlebt hat, was er an Vereinstreue zeigt, das ist rekordverdächtig und muss gewürdigt werden. Helmut Friberg, 59, ist ein eloquenter Mann, beinahe ein Schnellredner. Der ewige Fan von Hertha BSC hat eben sehr viel zu erzählen, wenn es um seinen Verein geht, der seinen Wochen-Rhythmus bestimmt. Er lebt im Zyklus Heimspiel-Auswärtsfahrt-Heimspiel. Nun wurde bekannt, dass der ehemalige Drucker, einst Gründungsmitglied des Anhängerclubs Oberring, sein 600. Auswärtsspiel mit Hertha BSC absolvierte – beim 0:2 in Stuttgart.

Sechshundert Auswärtsfahrten – das ist eine enorme Leistung. Das ist schon verrückt. Das schöne und ungewöhnliche dabei ist, dass Friberg jedes Spiel nachweisen kann. Er hat jede einzelne Eintrittskarte aufgehoben und gesammelt. Einzigartig.

Jungfernfahrt zum Bökelberg

Da ergibt sich sofort die Frage nach dem ersten Auswärtsspiel, das er erlebte. „Am 14. Mai 1971“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Hertha spielte in Mönchengladbach und verlor mit 0:4.“ Friberg war 14 Jahre jung und sein Vater, ein begeisterter Hertha-Anhänger, der noch die Meisterschaften 1930 und 1931 erlebt hatte, nahm ihn mit zum Spiel. Für die Borussia traf damals auch ein gewisser Jupp Heynckes und bei Hertha spielten unter anderem Zoltan Varga, Lorenz Horr und Arno Steffenhagen.

Die mehr als stolze Summe von nun 600 Auswärtspartien setzen sich aus Bundesligaspielen in der Ersten und Zweiten Liga zusammen, aus DFB-Pokalspielen und Europacup-Duellen. „Alles, was außerhalb von Berlin ist, zählt für mich als Auswärtsspiel“, sagt Friberg, „Spiele in Randberlin nicht.“

Er war in den Stadien von insgesamt 53 Bundesligavereinen, „nur bei Borussia Neunkirchen war ich noch nicht.“ Die Saarländer spielten Anfang und Mitte der 60er Jahre drei Jahre in der Ersten Bundesliga. Sein schönstes Erlebnis in der Fremde? „Das erste Champions-League-Spiel 1999 bei Galatasaray Istanbul. Wir spielten 2:2 und es war ein großartiges Gefühl, nun zu den Besten in Europa zu zählen.“

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Helmut Friberg beim Auswärtsspiel in Leverkusen.

Demütigung im Pokal

Sein schlimmstes Spiel in einem fremden Stadion? „Das Pokal-Aus beim Dorfverein TuS Langerwehe! Das passierte 1980. Das Heimspiel endete 0:0 nach Verlängerung, das Rückspiel verloren wir mit 1:2. Eine unglaubliche Blamage.“

Einmal, erinnert sich Friberg, habe er bei einem Auswärtsspiel das Stadion sogar schon zur Halbzeit aus Wut und Enttäuschung verlassen. Das passierte im Februar 2012, als Hertha beim VfB Stuttgart mit Trainer Michael Skibbe mit 0:5 unterging. „Ich hatte die Schnauze voll!“, sagt Friberg drastisch.

Für ihn ist wichtig, dass seine Hertha nicht noch einmal absteigen muss. „Ich will nicht mehr nachts 3.30 Uhr aufstehen und nach Sandhausen fahren!“ Diese Gefahr sieht er natürlich nicht. Helmut Friberg freut sich sehr über die positive Entwicklung der Mannschaft unter Trainer Pal Dardai. „Endlich kann man eine Saison ohne Sorgen genießen.“

Bernabéu oder Island

Wie viel Geld er in seine Hertha nur durch die Auswärtsfahrten investiert hat, wollte ich wissen. Friberg überlegt. „Das kann man nicht genau sagen, mal ist es etwas mehr, mal weniger. Im Schnitt kostet mich eine Tour mit den Tickets und allem Drum und Dran um die 100 Euro.“ Zwei große Wünsche hat Friberg in Sachen Auswärtsreisen noch offen: „Ein Spiel mit Hertha bei Real Madrid und eine Tour zu einem Spiel nach Island.“ Warum eigentlich nicht?

Solche Originale wie Helmut Friberg braucht jeder Verein, benötigt jede Mannschaft. Ab und an sollten diese Fans besonders gewürdigt werden. Hertha kann sich ja etwas einfallen lassen! 

Darauf ein stolzes Ha-Ho-He!