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Hertha BSC gegen Werder Bremen: Das Wichtigste zum Hertha-Remis in Bremen

Der Berliner Marvin Plattenhardt feiert sein Tor zum 0:2.

Der Berliner Marvin Plattenhardt feiert sein Tor zum 0:2.

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dpa

Die Ausgangslage: Reden möchte niemand von Hertha BSC über die Champions League. Aber weil Mönchengladbach, der dichteste Verfolger, am Vorabend auch das zweite Spiel im Jahr 2016 verloren hatte, bot sich gegen Bremen die Möglichkeit, den dritten Platz weiter zu festigen. Eine einfache Aufgabe, sollte man mit Blick auf die Tabelle meinen: Der derzeit Sechzehnte hatte in dieser Saison im heimischen Weserstadion magere vier Pünktchen geholt.

Das Ergebnis: Nicht einmal die Traumtorschützen Vladimir Darida und Marvin Plattenhardt konnten sich hernach über das 3:3 (2:0) freuen. Auch wenn das vom Trainer offiziell ausgegebene Ziel einen Punkt zu holen erreicht worden war: Die Enttäuschung war riesig.

Die erste Hälfte: Obwohl kein Redebedarf in Sachen Europapokal herrscht, der Wille, sich in der kommenden Saison mit den Besten Europas zu messen, war von Beginn an zu spüren. Quirliger und bissiger als vor einer Woche gegen Augsburg gingen die Herthaner in die Partie. Nach einer Viertelstundeerkämpften sich die abstiegsbedrohten Bremer jedoch ein Übergewicht. War das Absicht der Berliner, um den Gegner in die Falle zu locken? Der FC Bayern macht es ja Woche für Woche vor. Wohl nicht, denn dazu waren die zugelassenen Chancen zu gut. Aus der Leere des Mittelfelds ließ Vladimir Darida dann den Ball ins Netz fliegen (29.) und Marvin Plattenhardt erhöhte nicht minder schön per Freistoß (42.). Verdient ist, wenn man trotzdem trifft.  

Die zweite Hälfte: Den Vorsprung verwaltete Hertha zunächst gewohnt routiniert. Nach einer Stunde und einer Schusschance von Werder stellte Trainer Pal Dardai das Spielsystem von 4-2-3-1 auf 4-4-2 um. Per Skjelbred rückte auf die linke Seite, Salomon Kalou als Sturmpartner von Vedad Ibisevic nach vorne. Doch das Angriffsduo war im Strafraum zu verspielt, um ein Tor zu erzielen. Stattdessen rannte der eingewechselte Fin Bartels durch das für einen Moment unsortierte Berliner Mittelfeld stellte den Anschluss her (67.). Dardai reagierte erneut und verstärkte die Defensive durch Johannes van den Bergh. Und was macht der? Eine Flanke! Tor Kalou (71.). Alles klar? Mitnichten. Claudio Pizarro glich in der 75. und 77. Minute noch aus. 

Der Rekordjäger: Dank seiner zwei Treffer kletterte der Peruaner in der ewigen Torjägerrangliste der Bundesliga an Ulf Kirsten vorbei auf den 5. Platz. Bedanken muss er sich dafür bei Fabian Lustenberger, der ihm Tor Nummer 180 per Elfmeter ermöglichte. Lustenberger hatte Anthony Ujah mit einer überflüssigen Grätsche von den Beinen geholt. Danach schenkten die Schiedsrichter Pizarro sogar noch den 181. Treffer. Der Kopfstoß von Santiago Garcia wäre auch ohne dessen Zutun im Netz gelandet, wurde aber dem Rekordjäger zugeschrieben.

Die Schwachstelle: Schon in der ersten Hälfte hatte Hertha bei gegnerischen Standards erheblich gewackelt. Da hatte der Gast noch Glück gehabt, dass die Bremer ihre Kopfballstärke nur offenbarten, aber nicht nutzten. In der 77. Minute wurde dem Tabellendritten die Unsicherheit bei Standards dann zum Verhängnis.

Traum halb erfüllt: War das schon das Tor des Jahres, das sich Vladimir Darida gewünscht hat, um allen zu beweisen, dass er nicht nur ein überragender Läufer, sondern auch ein großartiger Fußballer ist? Per Skjelbred hatte den Ball nach gegnerischem Einwurf  auf den Fuß von Darida geköpft. Der drehte sich und wuchtete ihn aus 26 Metern in den Winkel. Wunderbar. Vielleicht reicht das dennoch nicht einmal, um das schönste Tor des 19. Spieltags erzielt zu haben. Denn der Freistoß von Marvin Plattenhardt war ein mindestens ebenso traumhafter Geniestreich.

Traum zerstört: Auch Per Skjelbred hatte einen Wunsch. Nämlich gegen Dortmund ein tolles Spitzenspiel zu erleben. Zweiter gegen Dritter. „So was ist immer geil“, sagte er jüngst, „deswegen spielt man Fußball“. Nun ja, nach der fünften Gelben Karte, die er für ein taktisches Foul gezeigt bekam, muss er sich das Spektakel von der Tribüne aus ansehen. So war das nicht geplant. „Das tut weh, aber das wir nicht gewonnen haben, ist das Schlimmste“, sagte der Mittelfeldspieler nach dem Schlusspfiff.

Traum verlängert: Es war nicht sein bestes Spiel im Hertha-Dress. Der US-Nationalspieler verpasste es, Bartels vor dem 1:2 zu bremsen und wirkte auch in manch anderer Situation nicht ganz sicher. Trotzdem gibt es eine positive Nachricht in Sachen John Anthony Brooks zu verkünden: Der Innenverteidiger hat seinen 2017 auslaufenden Vertrag vorzeitig um zwei Jahre bis 2019 verlängert.

Die Erklärung für das Durcheinander: Viele Verletzte, einige Winternottransfers und ein zweimaliger Zwei-Tore-Rückstand – trotzdem hätte man darauf wetten können, dass Werder an diesem Tag Verrücktes gelingen würde. Bremen feierte am Samstag Karneval – und da ist bekanntlich alles möglich.

Das Fazit: Hertha BSC hat in Bremen eine Chance vertan, sich abzusetzen. Ein einziger weigerte sich nach dem Schlusspfiff dennoch, Ärger zu empfinden. „Wir müssen das Positive mit nach Hause nehmen“, sagte Pal Dardai: „Wir haben uns gesteigert und drei schöne Tore gemacht.“