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Hertha BSC: Genki Haraguchi – Süß über außen

Gleich zwei Spaßmacher: Genki Haraguchi und John Heitinga.

Gleich zwei Spaßmacher: Genki Haraguchi und John Heitinga.

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DPA/sören stache

Natürlich ist es viel zu früh, einen neuen Spieler noch vor seinem ersten Bundesligaspiel zu loben, viel zu früh auch, ihn einzeln zu beklatschen. Aber dieser Genki Haraguchi hat sich gestern Abend beides verdient: freundliche Worte und freundlichen Applaus. Als der Japaner eine Viertelstunde vor dem Ende des Testspiels Hertha BSC gegen den PSV Eindhoven (1:1) den nieselregenglatten Rasen im Amateurstadion verließ, standen viele Zuschauer auf, einige riefen seinen Namen, und einer sagte stellvertretend für die 3 026 Zuschauer: „Der macht richtig Spaß.“

Es passte auch ins Bild, dass Herthas Trainer Jos Luhukay den Mehrfachwechsel zwei Minuten nach Haraguchis Abgang erledigte, denn so hatte der Flügelspieler, der von den Urawa Red Diamonds nach Berlin kam, den Applaus, den sich die anderen teilen mussten, ganz für sich allein. Er winkte artig und lächelte sich Richtung Auswechselbank.

Das Spiel, das Luhukay als ersten Test gegen einen „echten Topklub“ bezeichnet hatte, ist schnell erzählt, zumindest aus der Topklubsicht. In Herthas Viererkette mit Peter Pekarik, John Heitinga, Sebastian Langkamp und Marvin Plattenhardt fand nur Luuk de Jong einmal eine torgroße Lücke. Fünf Minuten vor Abpfiff war das, eine Flanke, ein Kopfball, der Ausgleich. Das von Hertha dominierte Spiel hatte da gerade sämtliche Ordnung und Disziplin verloren. Ein niederländischer Fan musste zwei sich unnötig streitenden Spielern schon sein Kaltgetränk über den Zaun und auf die Köpfe kippen, um alle abzukühlen.

Linke Schokoladenseite?

Aus Berliner Sicht muss man noch mal auf diesen Haraguchi zu sprechen kommen. Alles am 1:0, das Heitinga erzielte, war eine Idee des Außenspielers. Erst dieser diagonale Vollspannpass auf Roy Beerens, der im Strafraum gefoult wurde. Jens Hegeler scheiterte aus elf Metern am Torwart. Dann diese Gedankenschnelligkeit beim Abpraller, Ballannahme, Drehung, die Ablage für Heitinga – Haraguchi, der neue Spaßmacher.

Den Spaß verdorben haben lediglich die Szenen, als Haraguchi zu schnell war für seine Mitspieler. Oft zog er Sprints an, bremste aber ab, weil der Ball nicht kam, und dann kam der Ball – ins Leere. Die linke Seite mit dem gute Flanken schlagenden Plattenhardt könnte trotzdem eine Schokoladenseite werden.

Nicht ganz so süß lief es über die Mitte, wo der laufverrückte Hajime Hosogai, der stellvertretend für den verletzten Fabian Lustenberger die Kapitänsbinde tragen durfte, und Jens Hegeler noch zueinanderfinden müssen. Vor allem in der Rückwärtsbewegung kippten beide Sechser zu oft gleichzeitig nach außen, sodass sich einige Schusschancen für Eindhoven ergaben. Sie werden noch viel Zeit haben das zu ändern, denn wie vor dem Spiel bekannt wurde, wird Tolga Cigerci drei weitere Monate ausfallen. Er musste sich wegen einer Sehnenverletzung am großen Zeh operieren lassen.