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Hertha BSC: Hertha hat hohe Schulden

Verschliss in der Vorsaison drei Trainer: Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

Verschliss in der Vorsaison drei Trainer: Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

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dpa

Für die Führungsetage von Hertha BSC um Präsident Werner Gegenbauer, 62, war es ein ungewohntes Gefühl: Bei der Mitgliederversammlung Montagabend im ICC lagen keine Misstrauensanträge gegen Mitglieder aus dem Präsidium oder dem Aufsichtsrat vor. Die Stimmung war positiv, nachdem die im Saal 1 des ICC anwesende Mannschaft samt Trainer gerade mit 4:0 beim FC Erzgebirge Aue gewonnen hatte und seit 13 Spielen ungeschlagen ist.

Die Stimmung und das Misstrauen gegenüber den Klubchefs waren in der jüngeren Vergangenheit mit zwei Abstiegen und einem Aufstieg noch ganz anders. Vor allem Ende Mai diesen Jahres, als die Neuwahlen des Führungszirkels anstanden und unter dem Eindruck des gerade besiegelten erneuten Abstiegs in die Zweite Bundesliga stattfanden.

Die Emotionen schlugen seinerzeit hoch, besonders Manager Michael Preetz stand im Mittelpunkt der heftigen Kritik vieler Vereinsmitglieder und Vertretern einer Art Opposition, die sich aber im Verlauf der Mammutveranstaltung als zahn- und konzeptlos herausstellte. Erst kurz vor 3 Uhr in der Nacht oder besser in der Frühe, war das neue Präsidium im Mai gewählt. Gegenbauer, der 73,2 Prozent der Stimmen erhielt, hatte seine Kandidatur an die Bedingung geknüpft, dass Manager Preetz eine weitere Chance bekommen sollte.

Drei Trainer verschlissen

So ist es gekommen, und Preetz, der einen Vertrag bis Juni 2014 besitzt, konnte seine Kritiker vor allem mit der Verpflichtung von Trainer Jos Luhukay vorerst beruhigen. Der 49-Jährige, ein Mann mit hohem Fachwissen, ein grundehrlicher Typ mit angenehmen Umgangsformen, tut dem Verein Hertha BSC gut.

Luhukay, das kann behauptet werden, war der beste Transfer von Preetz, der zuvor in der Abstiegssaison 2011/2012 gleich drei Cheftrainer verschlissen hatte. Markus Babbel samt Assistent Rainer Widmayer mussten nach der Trennung in der Winterpause abgefunden werden, Nachfolger Michael Skibbe wurde aus seinem laufenden Vertrag beim türkischen Klub Eskisehirspor herausgekauft. Nach fünf Pflichtspielen und fünf Niederlagen war das Kapitel Skibbe beendet und der ehemalige Bundestrainer samt Assistenztrainer Edwin Boekamp mussten abgefunden werden.

Danach kam es zur überraschenden Verpflichtung des damals 73-jährigen Otto Rehhagel, der den Abstieg aber auch nicht verhindern konnte. All diese Kosten für die Trainer haben auch zum negativen Ergebnis beigetragen, dass Herthas Finanzchef Ingo Schiller gestern Abend verkünden musste. Der Klub hat in der Spielzeit 2011/2012 einen Umsatz von 72,5 Millionen Euro erwirtschaftet, dem aber Aufwendungen in Höhe von 79,8 Millionen Euro, davon 32,4 Millionen Personalkosten, gegenüberstehen.

5,9 Millionen Euro Verlust

Das Geschäftsjahr 2011/2012 wurde, so Schiller, mit einem Verlust vor Steuern von 5,9 Millionen Euro abgeschlossen. Die Verbindlichkeiten des Klubs stiegen auf 42,023 Millionen Euro zum Stichtag 30. Juni 2012. 20,1 Million Euro entfallen davon als Verbindlichkeiten bei Banken.

Ingo Schiller, der langjährige Finanzchef des Klubs, hatte Mühe, diese stattlichen negativen Zahlen so zu kommentieren, dass sie bei Mitgliedern und Anhang keine Angst auslösen. Schiller wurde gefragt, ob die Lage besorgniserregend sei. „Das Wort möchte ich nicht benutzen“, sagte er, „ das Ergebnis entspricht nicht unseren Vorstellungen, unter denen wir angetreten sind.“

Die gegenwärtige Saison sei durchfinanziert und auch von der Deutschen Fußball Liga (DFL) abgesegnet, auch „die Nachlizenzierung Ende Oktober war ohne Beanstandungen“, sagte der Geschäftsführer. Dennoch griff der Klub zu Maßnahmen, um „auch künftig keine Auflagen zu erhalten“.

Segen durch Raffael

Um das Eigenkapital positiv zu gestalten, wurden die Vermarktungsrechte am Logo für 20 Millionen Euro an eine Tochtergesellschaft, die Hertha BSC Rechte-GmbH und Co. KG, ausgegliedert. Dieser außerordentliche Ertrag ist aber nicht liquiditätswirksam.

Für die laufende Zweitligaspielzeit 2012/2013 hatte der Klub im Sommer mit einer Unterdeckung von 13,2 Millionen Euro geplant. „Das Defizit wird deutlich kleiner ausfallen“, behauptete Schiller. Dafür werden in der künftigen Bilanz unter anderem die hohen Transfererlöse für den Brasilianer Raffael sorgen, für den Hertha bislang schon rund neun Millionen Euro von Dynamo Kiew erhalten hat – weitere Millioneneinnahmen bei Kiews künftigen Champions-League-Teilnahmen sind laut Kontrakt möglich.

Dennoch bleibt die Lage kritisch, die Mannschaft ist eigentlich zum Aufstieg verdammt, damit bei Hertha BSC eine langsame wirtschaftliche Entspannung eintreten kann. Ab der kommenden Spielzeit verspricht der neue TV-Vertrag stattliche Mehreinnahmen vor allem für die Erstligaklubs. Schiller kommentierte die Lage so: „Wir haben in einem schwierigen Umfeld finanzielle Stabilität. Aber für die Zukunft gilt es, diese Ergebnisse zu verbessern.“ Das, so ist abzusehen, wird ein langwieriger Prozess werden.