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Hertha-Kader: Wo ist eigentlich Fabian Lustenberger?

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Bald ist Schluss mit der Zuschauerrolle: Fabian Lustenberger.

Foto:

City-Press GbR

Fabian Lustenberger hat schwere und auch ungewisse Tage hinter sich. Vor zwei Monaten war er plötzlich verschwunden aus dem Spiel- und Trainingsbetrieb von Hertha BSC. Eine hartnäckige Schambeinentzündung machte das Fußballspielen unmöglich. Man sah Lustenberger nur noch auf der Anzeigentafel des Berliner Olympiastadions – meistens jubelnd auf der Ehrentribüne. Doch jetzt ist er wieder da, macht leichte Laufeinheiten an der frischen Luft. Erste zaghafte Schritte für das Comeback.

Lustenberger wirkt trotz des Rückschlags entspannt. In Ruhe erzählt er, wie lange er schon unter der Verletzung litt. „Die hatte sich seit Winter angebahnt. Mein Körper konnte das relativ lange tolerieren. Aber irgendwann ging es dann nicht mehr“, sagt er. „Jetzt soll es bald wieder richtig gehen. Was er auf dem Schenckendorffplatz zurzeit macht, das sind Testläufe. „Entscheidend ist, wie die Reaktion nach dem Training ist“, sagt er. „Ich hoffe, dass ich in dieser Saison noch spielen kann. Ich gebe noch keine Prognose ab.“

Lustenberger, 28, musste mit anschauen, wie sich Hertha in den letzten Wochen in diese Auswärtsmisere hineinspielte und wieder mal Gefahr läuft, nach einer starken Hinrunde in der Rückrunde noch stärker abzufallen. Vergangene Saison war das ein Grund, warum er von Trainer Pal Dardai als Kapitän abgesetzt wurde. Der defensive Mittelfeldspieler könnte sich jetzt eigentlich hinstellen und sagen: „An mir lag es dann doch nicht, oder?“

„Mache mir keine Sorgen“

Das alles macht der Teamplayer nicht. Er zählt einfach die nüchternen Fakten auf. „Die Symptome sind vielleicht die gleichen. Aber man kann die Situation jetzt nicht mit der vor einem Jahr vergleichen. Die 13 Punkte, die wir bisher geholt haben, das ist zu wenig. Darüber brauchen wir nicht diskutieren. Aber es ist einfach schwierig alle Ausfälle in der Rückrunde zu kompensieren. Wir haben keine 20 oder 23 gleichwertigen Spieler im Kader“, sagt Lustenberger.

Nach Niklas Starks Verletzung wäre der Schweizer als Sechser gefragt gewesen. Doch er ist noch nicht wieder einsatzbereit. Lustenberger wischt solche Gedanken weg und wehrt sich dagegen: „So denke ich nicht. Wenn ich jetzt gesund wäre, dann würde ich spielen. Ich bin verletzt. Das sind Sachen, die man nicht beeinflussen kann. Es ist zwar einfach, dann so zu denken. Aber es ist nicht der richtige Weg.“

Ein anderes Kapitel

Je länger er spricht, desto mehr merkt man, dass er in seiner Zwangspause viel nachgedacht hat und jetzt sanfte Botschaften verteilen will. Man könnte es als branchenüblichen Burgfrieden darstellen, wenn er über seinen Nachfolger als Kapitän Vedad Ibisevic sagt: „Vedad macht das gut. Mehr muss man nicht sagen.“ Dann holt er wieder aus: „Man vergisst im Fußball manchmal schnell, was gewisse Leute geleistet haben. Wie schnell man in der Kritik ist, ist unglaublich.“ Meint er sich selbst? Nein, denn er führt fort: „Vedad macht einhundert Bundesligatore plus x und wenn er dann drei Spiele nicht trifft, werden die Minuten gezählt. Das ist vielleicht in der heutigen Zeit so, aber das finde ich schade.“

Lustenberger setzt Signale, mit knapp zehn Jahren ist er der dienstälteste Hertha-Profi. Er hat noch zwei Jahre Vertrag, doch die Konkurrenz im Team wächst. „Wenn ich meine Qualitäten bringe, habe ich auch Chancen, weiterhin eine gute Rolle bei Hertha zu spielen. Ich mache mir da keine Sorgen“, sagt er. Und dann kommt doch ein bisschen trotziger Kampf: „Konkurrenz ist gut. Wer hätte denn gedacht, dass ich die ganze Hinrunde durchspiele? Nach der ganzen Geschichte vorher.“ Lustenberger will jetzt ein anderes Kapitel schreiben. Wenn die Gesundheit mitmacht, vielleicht sogar noch in dieser Saison.