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Hertha-Kolumne Ha-Ho-He: Hertha-Legende Erich Beer spricht Klartext – wer taugt für den Abstiegskampf?

Telefonierte mit Michael Jahn zur Lage von Hertha: Erich Beer, genannt "Ete".

Telefonierte mit Michael Jahn zur Lage von Hertha: Erich Beer, genannt "Ete".

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imago sportfotodienst

Wenn bei Herthas Anhängern –ob jung oder alt –die Rede auf Erich Beer kommt, leuchten die Augen der Fans. Einst wirbelte er im offensiven Mittelfeld und war acht Jahre der Anführer von Hertha BSC. Beer absolvierte in den 70er Jahren 253 Bundesligaspiele für Hertha und schoss dabei 83 Tore. Die Berliner nannten ihn liebevoll „Ete“. Noch stehen in dieser für Hertha schwierigen Saison acht Spiele aus, in denen es um den Klassenerhalt geht. Beer, der mit seinem ehemaligen Verein mitfiebert, diesen aber auch kritisch begleitet, bewertet nach unserem langen Telefonat die aktuellen Profis im Endspurt der Liga.

Thomas Kraft: Der Torhüter ist in dieser Saison sehr beständig und besonders in Eins-zu-eins-Situationen hervorragend. Er puscht die Mannschaft und wird immer mehr zu einem starken Anführer. Meist nervenstark. Im Abstiegskampf: absolut tauglich.

Peter Pekarik: Ein sehr solider Abwehrmann auf der rechten Seite. Mannschaftsdienlich, seine Gegner hat er meist im Griff. Im Abstiegskampf: tauglich

Per Skjelbred: Der fleißige Norweger hat noch nicht seine Bestform aus dem Vorjahr gefunden. Ich glaube, er läuft aber am meisten von allen Profis und ist sehr wichtig für die Mannschaft. Ihm fehlt ab und an die Präzision bei seinen Pässen und er ist noch nicht effektiv genug. Dennoch: wertvoll und präsent. Im Abstiegskampf: absolut tauglich.

Salomon Kalou: Ein schwieriger Fall bei der Beurteilung. Er wird an seinen Toren gemessen. Kalou muss sich noch mehr sichtbar für die Mannschaft zerreisen. Aber: seine Mitspieler müssen ihn auch noch viel besser in Szene setzen und in günstige Positionen vor dem gegnerischen Tor bringen. Dort ist er eiskalt wie kein anderer Stürmer im Team. Nach der Verletzung von Julian Schieber ist er der einzige Vollstrecker der Mannschaft. Im Abstiegskampf: tauglich
Hajime Hosogai: Er war zuletzt nicht oft in der Stammelf und ich bin beim fleißigen Japaner deshalb etwas überfragt. In der Vorsaison war er für mich so etwas wie unsere Lebensversicherung. Er hat vor der Abwehr alles abgegrätscht. Ich hoffe, er kommt wieder an seine Form heran. Offenbar ist er nicht fit genug und überspielt. Im Abstiegskampf: im Moment nur bedingt tauglich

Peter Niemeyer: Wenn Not am Mann ist, kann ihn der Trainer ohne Bedenken bringen – vor allem, wenn eine knappe Führung verteidigt werden muss. Kampf- und kopfballstark. Ohne Anpassungsprobleme. Im Abstiegskampf: tauglich.

Sebastian Langkamp: Ich halte sehr viel von ihm. Er ist kopfballstark und gewinnt sehr viele Zweikämpfe. Sein Tor in Hamburg wird ihm noch mehr Selbstvertrauen geben. Er muss auch John Brooks an seiner Seite führen und kann das auch sehr gut. Ein Mann mit Übersicht. Im Abstiegskampf: absolut tauglich.

John Anthony Brooks: Der junge Profi benötigt Führung. Licht und Schatten wechseln sich ab. In der zweiten Liga war er hervorragend, in der Ersten Liga fällt er ab und an auf schlitzohrige Stürmer herein und verursacht kritische Situationen. Er muss dringend noch konstanter werden. Im Abstiegskampf: tauglich bei einem starkem Nebenmann in der Abwehr.

Nico Schulz: Ein junger Profi mit guter Perspektive. Ich sehe ihn offensiv wertvoller, als auf der linken Verteidiger-Position. Er gibt dem Spiel oft Impulse durch seine Schnelligkeit und seinen Mut bei vielen Aktionen. Im Abstiegskampf: tauglich.

Fabian Lustenberger: Er ist als Sechser im defensiven Mittelfeld wichtiger und wertvoller als in der Innenverteidigung. Zuletzt gut und beständig. Als Kapitän sollte er noch emotionaler auftreten und das Team mehr anführen. Nicht wegzudenken aus der Stammelf. Im Abstiegskampf: absolut tauglich.

Marcel Ndjeng: Ergänzungsspieler, der wenige Fehler begeht und meist konstante Leistungen bringt. Auf ihn ist Verlass. Im Abstiegskampf: tauglich.

Genki Haraguchi: Der junge Japaner hat mir zuletzt gut gefallen. Seit seinem Tor gegen Schalke zeigt er mehr Selbstvertrauen und traut sich auch mal etwas Ungewöhnliches zu. In guter Form ein Gewinn. Im Abstiegskampf: tauglich.

Marvin Plattenhardt: Den kenne ich noch aus Nürnberg. Mit deutlichem Aufwärtstrend. Seine Torvorbereitung in Hamburg mit einem präzisen Freistoß war sehr gut. Er muss sich aber noch steigern. Spürt das Vertrauen des Trainers. Im Abstiegskampf: tauglich.

Roy Beerens: Der Holländer ist technisch sehr versiert und ein Dribbelkönig. Er kann gute Flanken schlagen, verliert aber noch zu viele Zweikämpfe. Er hat sich noch nicht an die Härte und enorme Robustheit in der Bundesliga gewöhnt. Im Abstiegskampf: bedingt tauglich.

Änis Ben-Hatira: An ihm scheiden sich die Geister. Er macht oft das Ungewöhnliche, aber auch immer wieder zu viel allein. Er begeistert oft mit seinen Aktionen, reißt aber einiges oft wieder ein, was er gerade aufgebaut hatte. Er muss endlich vom Rande des Leichtsinns wegkommen und eine wertvolle Konstante werden. Leider wieder leicht verletzt. Im Abstiegskampf: tauglich.

Ronny: Er tut mir ein bisschen leid, weil er es nicht zum Stammspieler schafft. In der Zweiten Liga stark, aber in der Ersten Liga geht alles viel schneller. Da bekommt er Probleme. Ich kann keine Ratschläge geben, aber ich finde, Ronny sollte unmittelbar hinter der Sturmspitze spielen und von Abwehraufgaben entbunden werden. Nur vorn in Strafraumnähe ist er wertvoll. Er kann den überraschenden Pass in die Tiefe spielen und besitzt wohl den härtesten Linksschuss in der Liga. Das muss mehr genutzt werden. Doch er muss noch mehr für seine Fitness tun. Im Abstiegskampf: tauglich, wenn er topfit ist.

Jens Hegeler: Von ihm bin ich nicht so begeistert. Er half in der Not ordentlich in der Abwehr aus, was aber auf Dauer keine Lösung ist. Oft zu langsam. Auf Grund seiner Körpergröße wirkt er oft ein wenig pomadig. Er muss sich gewaltig steigern. Im Abstiegskampf: bedingt tauglich.

Valentin Stocker: Alle Achtung! Zuletzt ein starkes Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff. Er fordert endlich die Bälle und ist der einzige Profi im Team, der sich öfters traut, aus 20 Metern Entfernung zu schießen. Von ihm erwarte ich noch viel Positives. Im Abstiegskampf: absolut tauglich.

Sandro Wagner: Ein kopfballstarker Mann, der kommt, wenn man die Brechstange benötigt. Er hat es aber in der Ersten Liga als zentraler Stürmer schwer, zur Stammkraft aufzusteigen. Im Abstiegskampf: bedingt tauglich.

Länger verletzte oder kaum berücksichtigte Spieler wurden bei der Beurteilung nicht bewertet.

Fazit von Erich Beer: Trainer Pal Dardai hat zuerst die Blockaden in den Köpfen vieler Profis gelöst, die Defensive gestärkt und später offensive Impulse gesetzt. Die Mannschaft tritt unter seiner Anleitung disziplinierter und endlich auch aggressiver auf. Es ist und bleibt eine schwere Saison für Berlin, aber Hertha schafft den Klassenerhalt. Davon bin ich überzeugt.

Darauf ein erstklassiges Ha-Ho-He!