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Herthas Arena der Träume

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Großes Stadion, leere Ränge? Hertha-Manager Preetz träumt von einem Fußball-Tempel.

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imago/Matthias Koch

Berlin träumt von der Champions League. Oder besser gesagt, der Hertha BSC zugeneigte Teil von Berlin träumt von der Champions League. Dass die Realität aber oft nicht so rosig ist, wie sie im Traumland vorgegaukelt wird, musste zuletzt der VfL Wolfsburg erfahren. Der erntete reichlich Spott für die zahlreichen leeren Plätze im Stadion bei den Spielen der Königsklasse.

Ein Schicksal, das auch Hertha kommende Saison droht, sollte der große Wurf gelingen. Vorbei sind nämlich die Zeiten von vor 16 Jahren, als der Berliner Klub bei seinem ersten und einzigen Gastspiel in der Champions League schon in der ersten Gruppenphase auf Kaliber wie FC Chelsea und AC Mailand traf.

Der ehemalige Uefa-Chef Michel Platini hat seitdem auch etwas kleineren Klubs leichteren Zugang zu den fußballerischen Fleischtöpfen verschafft, und dass bei Spielen gegen Teams wie Bate Borissow, Dinamo Zagreb, CFR Cluj oder FC Astana das Olympiastadion aus allen Nähten platzt, ist kaum zu erwarten. Es könnten also ungemütliche Abende geben im vermeintlichen Paradies bei einem Klub, der als Tabellendritter der Bundesliga an einem sonnigen Märznachmittag gegen den FC Ingolstadt gerade mal 40.385 Zuschauer zum Gang ins Olympiastadion animieren kann.

Neidischer Blick nach München und Dortmund

Logisch, dass da wieder neidisch nach München und Dortmund mit ihren stets prall gefüllten Arenen geblickt wird und die unvermeidliche Diskussion beginnt, wer denn der Schuldige an der Misere sein könnte.

Die Antwort ist seit 16 Jahren immer die gleiche: das Olympiastadion. Zu groß, zu weit, zu zugig, zu stimmungstötend, zu grau, zu hässlich. Eine neue Arena muss also her, kompakt, schmuck, modern, mit allen Schikanen. Manager Michael Preetz hat dies anlässlich des Ingolstadt-Spiels mal wieder bekräftigt, wenn auch halbherzig und ohne klare Idee, wie das Projekt zu bewerkstelligen wäre.

Sieg für die Leichtathletik

Es ist wenig einzuwenden gegen den Wunsch nach einem reinen Fußballtempel. Das Olympiastadion ist ein Stimmungskiller, das Spielfeld viel zu weit weg von den Zuschauern, die Infrastruktur erbarmungswürdig.

Anderswo hat sich gezeigt, was eine attraktive Arena bewirken kann. Aber wir sind hier in Berlin, wo Großprojekte so eine Sache sind. Weder Standort noch Finanzierung für ein neues Stadion sind auch nur ansatzweise in Sicht.

Das Kind ist ohnehin längst in den Brunnen gefallen. Als in Berlin ein WM-Stadion für 2006 geschaffen werden sollte, entschied sich ein verblendeter Senat – gegen heftigen Widerstand von Hertha – für die Neugestaltung des Olympiastadions als Leichtathletikstadion.

Ein fataler Fehlgriff, der Berlin zwar zur Leichtathletik-WM 2009 und -EM 2018 verhalf, Hertha aber nur eine realistische Option lässt: sich mit dem Olympiastadion abzufinden und zu hoffen, dass FC Chelsea und AC Mailand in ihre Champions-League-Gruppe gelost werden.