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Investor KKR bei Hertha BSC: „Wir müssen uns weiterer Angriffe erwehren“

Selbst für ihn reicht das Geld nun auch künftig dank des Partners: John Anthony Brooks verlängerte den Vertrag.

Selbst für ihn reicht das Geld nun auch künftig dank des Partners: John Anthony Brooks verlängerte den Vertrag.

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imago/Bernd König

Düsseldorf -

Ingo Schiller erinnert sich noch gut an die turbulenten Verhandlungen „fast auf den Tag genau vor zwei Jahren“. Damals hatte sich die Vereinsführung von Hertha BSC mit den Finanzentscheidern des Investors Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. („KKR“) „zwei Wochen lang eingeschlossen“, wie der für die Geschäftsbereiche Finanzen, Organisation und Marketing zuständige Berliner Geschäftsführer gestern auf der Sportbusinessmesse Spobis erzählte. Es ging um den Abschluss eines Geschäfts, von dem die zur Aufregung neigende Fußball-Branche partout nichts mitbekommen sollte. „Die Vertraulichkeit war damals ein hohes Gut“, sagt Schiller.

Zwei Jahre nach dem KKR-Einstieg zog der 50-Jährige auf der Düsseldorfer Messe Bilanz – die falle ausgesprochen positiv aus. „Das Erfreulichste ist natürlich gerade die Bundesligatabelle, aber ich behaupte, dass unsere sportliche Entwicklung ohne diese Partnerschaft nicht so verlaufen wäre.“ Schiller räumte ein, dass der Klub die am Sonnabend vermeldete Vertragsverlängerung mit John Anthony Brooks ansonsten nie und nimmer hinbekommen hätte. Der umworbene US-Amerikaner soll sein Gehalt an der Spree nach Medienberichten verdreifacht haben. Erst das 61,2 Millionen Euro schwere KKR-Investment hat signifikant wirtschaftliche Parameter verbessert und damit auch den Handlungsspielraum für Zukunftsinvestitionen wie diese erweitert.

Wert: 220,6 Millionen Euro

Schiller erläuterte, dass der Verein zuerst die Spielregeln für eine Zusammenarbeit („Signing Fee, Vorauszahlung und 9,7 Prozent Minderheitenbeteiligung“) entworfen und danach mehrere Finanzinvestoren konsultiert habe. „Heiligabend 2013 haben wir dann von KKR den Anruf bekommen.“ Die Erleichterung sei groß gewesen. „Damals standen wir mit dem Rücken zur Wand. Wir hatten das ganze Spektrum der Fremdfinanzierung ausgeschöpft.“

Der bereits seit 1998 für Hertha arbeitende Betriebswirt war zuvor zu der Einsicht gelangt, dass 42,6 Millionen Euro Verbindlichkeiten bei einem 80-Millionen-Euro-Umsatz dauerhaft eine zu schwere Last für die alte Dame bedeutet hätten. Das negative Eigenkapital lag bei 8,3 Millionen Euro. Die Bilanz zum 30. Juni 2015 ist dank der fremden Finanzspritze ansehnlicher ausgefallen: Fast 23 Millionen Euro Eigenkapital standen Verbindlichkeiten von nur noch 15,9 Millionen gegenüber.

Grandios würden diese Zahlen noch aufgehübscht, sollte Hertha – es steht am Sonnabend das wegweisende Heimspiel gegen den Zweiten Borussia Dortmund an – bis Saisonende den dritten Rang verteidigen und direkt in die Champions League einziehen. Auf die konkreten Einnahmen dieser Geldvermehrungsmaschinerie hat Schiller angeblich „noch nicht einmal eine Minute“ geblickt, aber „natürlich würde das unseren Wert immens steigern“.

"Ein Rätsel, wie sowas funktioniert"

Hertha ist beim Anteilsverkauf 2013 auf eine Summe von 220,6 Millionen Euro veranschlagt worden, „heute können wir sagen, dass der Wertansatz völlig gerechtfertigt war“. Schiller schwört: Sollte durch die Königsklasse frisches Kapital kommen, müssten keine Abschläge an den Partner geleistet werden.

Für ihn hat der Klub vor zwei Jahren zu einem alternativlosen Rettungsanker gegriffen. Alle mittelgroßen Traditionsvereine ständen mittlerweile vor einem „Paradigmenwechsel“. Denn: „Wir müssen uns bald weiterer Angriffen von Vereinen erwehren, die wie RB Leipzig mit massiven Finanzmitteln in der Bundesliga erfolgreich sein wollen.“ Dank KKR könne Hertha „irgendwann höhere Ziele“ angreifen.

Kritikfrei bleibt das Modell nicht. Augsburgs Präsident Klaus Hofmann raunte zum Thema: „Es ist mir ein Rätsel, wie so etwas im Fußball funktioniert.“ Aus seiner Erfahrung als mittelständischer Unternehmer sei ein Finanzinvestor allein an Rendite bei einem Weiterverkauf interessiert. Da würden die Schwankungen der schwer planbaren Fußballbranche nicht passen.

Hofmann glaubt, dass KKR die Anteile vor Ende der siebenjährigen Vertragslaufzeit abstößt. Schiller verwies auf das Vetorecht seines Vereins unter bestimmten Umständen und wollte die Augsburger Attacke nicht kommentieren. Vielleicht hatte Hofmanns Spitze auch diesen Hintergrund: Angeblich haben sich die bayrischen Schwaben im Sommer intensiv um die Profis Vladimir Darida und Niklas Stark bemüht. Die aber zogen Hertha vor.