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Mitgliederversammlung: Warum die Hertha immer noch lachen kann

Manager Michael Preetz (r.) und Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC.

Manager Michael Preetz (r.) und Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC.

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dpa

Berlin -

Die besten Witze sind manchmal gar nicht so witzig gemeint. Zum Beispiel, wenn jemand einen tadellos geraden Satz in großer Runde spricht und sich dann trotzdem wundern muss, dass alle über ihn lachen. Und warum? Weil alle das Gesagte mindestens ein Mal um die Ecke und dadurch in einen anderen Kontext gebogen haben, alle, nur der Redner halt nicht.

Hätte es am Montagabend bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC einen Publikumspreis für, nennen wir ihn mal, den besten Witz aus Versehen gegeben, Lutz Kirchhof hätte ihn mit Sicherheit gewonnen und zwar, als er vom Podium aus berichtete: „In der laufenden Saison sind fast alle unsere Mannschaften noch im Pokal vertreten.“ Kirchhof ist bei Hertha für den Amateurfußball zuständig. Lachometer auf Anschlag.

Platz zwei wäre wahrscheinlich an Renate („Hertha spielt mit einer stabilen Abwehr“) Döhmer gegangen. Großes Gekicher. Döhmer leitet die Frauenfußballabteilung. Und Platz drei hätte sich eigentlich Hans-Joachim („Wir nehmen uns kein Beispiel, wir wollen auswärts gewinnen“) Bläsing verdient. Gejohle. Applaus. Wobei der Kapitän der neu formierten Ü70, der Kegelkönig, wie man ihn nennt, ein wenig gemogelt hatte. Er wusste nämlich genau, dass die Mitglieder ihm bei seinem Witz mühelos um die Ecke folgen würden.

Zwei gemischte Gefühle

So eine Mitgliederversammlung ist eine gute Gelegenheit, sich mal wieder daran zu erinnern, dass Hertha BSC mehr ist als nur eine Profifußballmannschaft. Dass es nicht nur einen finanziellen Unterschied gibt zwischen Kapitalgesellschaft und eingetragenem Verein. Dass die meisten Herthaner auf Amateurniveau kicken. Dass es da aber auch noch die Tischtennisspieler, Boxer und Kegler gibt. Und dass überhaupt nur eine Minderheit aller Mitglieder (exakt 745 von 32.400) aktiv Sport treibt innerhalb ihres Vereins.

So eine Versammlung ist vor allem aber auch eine gute Gelegenheit zu beobachten, dass sich bei Hertha am Ende doch alles wieder nur um die Fußballprofis dreht. Um das Schussbein von Ronny, um den Taktikkopf von Trainer Jos Luhukay oder um das Managerbauchgefühl von Michael Preetz. Und wenn all die anderen Mitglieder über das erneut frühe Pokalaus der in der ersten Reihe sitzenden Profis lachen, einen ungewollten Witz über stabile Abwehr verstehen oder eine Anspielung auf die Auswärtsschwäche des Teams mit Tränen in den Augen beklatschen, dann hat man das Gefühl, dass alles vielleicht doch nicht so schlimm ist. Der mäßige Fußball. Der schlechte Tabellenplatz. Wird schon. Anderseits hat man auch ganz deutlich das Gefühl: Die Mitglieder machen sich Sorgen.

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