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Nach dem 3:3 bei Werder Bremen: Herthas Fehler kommen zur rechten Zeit

Hat jemand den Torschützen gesehen? Marvin Plattenhardt geht nach dem 2:0 zu Boden.

Hat jemand den Torschützen gesehen? Marvin Plattenhardt geht nach dem 2:0 zu Boden.

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dpa/Carmen Jaspersen

Es war ein geschickter Schachzug, um die Trauer über die verspielte Führung zu lindern, und er brachte Manager Michael Preetz in der digitalen Wolke, die Hertha BSC umgibt, viel Lob ein: John Anthony Brooks, 23, verlängert vorzeitig um zwei Jahre bis 2019. „Ich bin sehr froh, denn diese Unterschrift bedeutet mir sehr viel! Berlin ist mein Zuhause – für meinen Klub, für meine Stadt zu spielen, ist eine tolle Sache“, teilte der US-Nationalspieler auf der Hertha-Internetseite mit. Vergessen war die Enttäuschung vom Vortag dennoch nicht.

Lange stand der Innenverteidiger mit den Kollegen am Sonntagmorgen zusammen und lauschte dem Trainer. Der war der Einzige, der dem 3:3 in Bremen mehr Positives als Negatives abgewinnen konnte. „Zum Schluss gab es zu viel Hektik. Das hat einen schönen Lerneffekt“, sagte Pal Dardai, nachdem er den Gesprächszirkel aufgelöst und wie die Spieler viele Runden um den Trainingsplatz gelaufen war.

Hertha-Spieler naiv und unerfahren

Offiziell wird am Schenckendorffplatz nicht von der Champions League gesprochen und offiziell war für Bremen nur das Ziel ausgegeben worden, einen Punkt mitzubringen. Aber ungeachtet der Sprachregelung wollen die Fußballer die gute Ausgangslage nutzen, in die sie sich in der Hinrunde gebracht haben, und sie wissen, dass sie die Chance leichtfertig vertan haben, den Vorsprung auf Platz vier auf fünf Punkte auszubauen. „Das müssen wir über die Zeit bringen“, ärgerte sich Johannes van den Bergh. „Für mich sind das zwei verlorene Punkte.“ Er war nach dem Bremer Anschlusstreffer (67.) eingewechselt worden und hatte zwei Minuten später Salomon Kalou das 3:1 vorgelegt (71.).

Hertha hatte die Partie in der ersten Hälfte dominiert, und dank Vladimir Daridas brillantem 26-Meter-Schuss und Marvin Plattenhardts nicht minder eindrucksvollem Freistoß zur Pause mit 2:0 geführt. Danach stellte Werder um, agierte mit zwei Stürmern und Claudio Pizarro, der daraufhin seine Bundesligatore Nummer 180 (73.) und 181 (75.) erzielte, auf der Spielmacherposition. Zudem versuchten die Bremer auf der Außenbahn von Salomon Kalou eine Überzahl zu schaffen. Die Antwort von Dardai, der nach einer Stunde von der 4-2-3-1-Ordnung auf 4-4-2 wechselte, war gut gedacht, verfehlte aber ihren Zweck. Drei Mal wurde Torwart Rune Jarstein nach 386 gegentorlosen Minuten bezwungen.

Die Berliner machten Fehler – aus „Unerfahrenheit“ und „Naivität“ wie Dardai befand. „Vielleicht waren wir mental nicht vorbereitet auf so etwas“, mutmaßte er. Ein Problem sah er darin nicht: „Aus eigenen Fehlern lernst du. Wir sind eine junge Mannschaft.“ Beim ersten Treffer hatten Bremen zwei Pässe und ein 40-Meter-Solo von Fin Bartels gereicht, um vom einen zum anderen Strafraum zu gelangen. „Meine Spieler sind nett, sie wollen nur spielen“, kritisierte Dardai.

Pal Dardai „An Dortmund können wir unsere Entwicklung messen“

Darida – mit vier Gelben Karten belastet – war Bartels nur hinterhergelaufen, Brooks hatte ihn nicht gestellt. Ein taktisches Foul wäre Dardai lieber gewesen, so wie das von Per Skjelbred nach dem Seitenwechsel, obwohl der nun wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist. Dem 2:3 per Elfmeter war dann eine unnötige Grätsche von Kapitän Fabian Lustenberger vorausgegangen.

Die Fehler treten in einer Phase auf, in der das Team seiner Zeit voraus ist. „Wir stehen da oben, weil die großen Mannschaften zu viele Fehler gemacht haben“, sagte Dardai. „Jetzt haben wir mit Dortmund einen Topgegner vor der Nase, an dem wir unsere Entwicklung messen können.“

Indes hofft man bei Hertha, dass die Vertragsverlängerung mit dem umworbenen Brooks mehr ist als ein temporärer Stimmungsaufheller. Sie soll das Signal aussenden, dass der Verein mehr will. „In unseren Planungen für die Zukunft spielt John eine tragende Rolle“, sagte Manager Preetz. „Er ist kopfballstark und als Linksfuß sehr wichtig für unsere Spieleröffnung“, freute sich Dardai. Er braucht Brooks, damit der Ball in der Abwehrreihe schnell zirkuliert, der Gegner nur reagiert und Hertha in der nächsten Saison nicht mehr auf die Fehler anderer angewiesen sein wird. Dafür muss nicht nur Brooks noch dazulernen.