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Nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale: Junge Herthaner lernen auf hohem Niveau

Gute Laune gehört zu seiner Jobbeschreibung: Pal Dardai.

Gute Laune gehört zu seiner Jobbeschreibung: Pal Dardai.

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Imago/Matthias Koch

Heidenheim -

Lernen. Das war das Wort, das Pal Dardai bei aller Freude nach dem Erreichen des Pokal-Halbfinals am häufigsten in den Mund nahm. Seine Mannschaft hatte den 1. FC Heidenheim trotz Anfangsrückstand im Griff gehabt, den Zweitligisten jedoch im Spiel gehalten, weil Einzelne in Drucksituationen patzten. „Gegen einen ganz großen Gegner kannst du solche Fehler nicht machen, weil dann war es das“, sagte Dardai hinterher. Das betraf nicht nur die zwei Gegentore, sondern auch die Momente in der ersten Hälfte, in denen seine Elf zu viele hektische, lange Bälle schlug. Und es betraf die Zeit in Abschnitt zwei nach Dardais auf defensive Absicherung zielenden Wechseln, als sie sich zu weit zurückzog.

Diese kurzen Phasen muss Hertha abstellen, denn nun wartet in der Vorschlussrunde eben einer jener ganz großen Gegner: Borussia Dortmund. Dabei hat schon wieder ein Handballtorwart die Wünsche der Berliner erfüllt, nachdem Carsten Lichtlein Hertha im Viertelfinale die vermeintlich leichteste Aufgabe beschert hatte.

Ein Zweitligist war nun nicht mehr dabei, als Europameister Andreas Wolff am Mittwochabend in die Losschale griff. Der Gegner war den Berlinern aber sowieso egal gewesen, Hauptsache, sie dürften endlich im heimischen Olympiastadion auflaufen. „Wir wollten alle ein Heimspiel, und mit der tollen Unterstützung unserer Fans ist alles möglich“, ließ der verletzte Kapitän Fabian Lustenberger wissen.

Preetz twittert dem Gegner

Der Pokal hat bekanntlich eigene Gesetze, und dazu gehört, dass man es mit Losglück weit schaffen kann. Der Pokal stellt aber auch spezielle Anforderungen an die Psyche: Das sofortige Aus bei einer Unachtsamkeit und die von Hertha zu Saisonbeginn ausgegebene Fixierung auf den Pokalerfolg erzeugen Druck. „Das sind Stresssituation, und wir lernen Schritt für Schritt“, sagte Dardai. „In unserer Mannschaft sind viele junge Spieler. Die müssen daraus lernen.“

Dass die Lehre weitergeht, war beim 3:2 in Heidenheim maßgeblich Stürmer Vedad Ibisevic zu verdanken. Seine ersten zwei Möglichkeiten nutzte er für zwei Tore – in einer Phase, als der Stress nach dem frühen 0:1 hätte bedrohlich werden können. „Das ist angeboren, das hat er nicht von mir“, sagte Dardai. „Er kann froh sein, dass er so eine tolle Mannschaft hinter sich hat und wir können froh sein, dass er knipst.“

Wenn Ibisevic in dieser Saison trifft, dann immer doppelt. In Heidenheim war es das vierte Mal im 16. Spiel. Der 31-Jährige weiß den Pokalstress für sich einzusetzen. Mit dem VfB Stuttgart stand er 2013 im Endspiel gegen den FC Bayern. Nach einer Stunde hatte Stuttgart mit 0:3 zurückgelegen und es trotzdem fast in die Verlängerung geschafft. In Heidenheim lief es umgekehrt.

Unnötig gezittert

„Wir haben uns das Leben in manchen Momenten selbst schwer gemacht. Das war unnötig, wir haben dann noch mal gezittert“, sagte Ibisevic. Es ist unter anderem die Gelassenheit des Angriffsduos Ibisevic und Salomon Kalou, die Hertha so erfolgreich macht. Herausforderungen sind für sie kein Druck, sondern eine Chance, sich zu beweisen.

Das Gegenteil war bislang bei Genki Haraguchi der Fall. Wobei die Öffentlichkeit den wahren Haraguchi eineinhalb Jahre nach dessen Ankunft in Berlin noch gar nicht kennengelernt hat. Zumindest lässt das die Aussage von seinem Trainer nach Haraguchis Solo zum 3:1 vermuten: „Das ist eigentlich unser Genki. Im Training macht er das oft.“

24 Jahre ist der Japaner alt, und Hertha ist der erste Verein nach seinem Jugendklub Urawa Red Diamonds. So schlecht war der falsche Genki ja nicht, wenn sich der echte nun aber häufiger zeigt, hat Borussia Dortmund am 19. oder 20. April neben Ibisevic und Kalou eine weitere Gefahrenquelle, die bewacht werden muss.

Dann wird sich zeigen, ob die Berliner genug gelernt haben, um in Stressphasen einem hochklassigen Gegner standzuhalten. Beim 0:0 vor sechs Tagen hatte Dortmund das letzte Risiko gescheut. Herthas Manager Michael Preetz hat jedenfalls ein Ass im Ärmel. „Lieber BVB, wir wollten unseren Rasen wechseln, aber jetzt lassen wir ihn liegen, bis ihr kommt“, twitterte er in Richtung von Borussia-Coach Thomas Tuchel, der sich nach dem 0:0 über die „bescheidenen Platzverhältnisse“ beschwert hatte.



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