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Nach dem Spiel bei Darmstadt 98: Hertha erobert "mit Kampfmodus und Fußball" Platz 3

Der erste wurde bejubelt, der dritte entschied das Spiel: Vedad Ibisevic erzielte in Darmstadt seine Saisontore fünf und sechs.

Der erste wurde bejubelt, der dritte entschied das Spiel: Vedad Ibisevic erzielte in Darmstadt seine Saisontore fünf und sechs.

Foto:

SvenSimon

Darmstadt -

Das Stadion am Böllenfalltor, in dem die Fußballer von Hertha BSC am Sonnabend zu Gast waren, wurde 1921 fertiggestellt. Zwar gab es seitdem den einen oder anderen Umbau, doch noch immer reduziert diese Spielstätte das Spektakel Fußball auf das Wesentliche. Zwei Drittel der 17.000 Zuschauer stehen auch heute noch auf offenen Rängen in Regen und Kälte. Und weder Damentoiletten noch eine VIP-Lounge sah man 1921 offenbar als unverzichtbaren Teil eines Stadions an – beide Örtlichkeiten müssen heute deshalb bei Heimspielen des SV Darmstadt 98 Platz in Containern bzw. einem Zelt finden.

Diese Sportstätte passt recht gut zur Darmstädter Bundesligamannschaft, denn auch die reduziert das Spektakel Fußball ja oft sehr erfolgreich auf das Wesentliche: Laufen, Kämpfen, Grätschen, und irgendwann mal den Ball ins Tor treten. Als das Team am Sonnabend gegen 15.00 Uhr zum Aufwärmen den Rasen betrat, schallte aus den Stadion-Lautsprechern der Heavy-Metal-Song „TNT“.

„Denn ich bin wie Dynamit/ich werde den Kampf gewinnen/ich bin gebündelte Energie/schau zu, wie ich explodiere“, lautet der Refrain dieses AC/DC-Klassikers. Aber aller Kampfeswille der Darmstädter vermochte gegen die Elf von Hertha BSC am Sonnabend nichts auszurichten. Die Berliner kontrollierten praktisch die gesamte Partie souverän und erspielten einen 4:0-Sieg. In der Bundesligatabelle überholten sie die in Leverkusen untergegangenen Mönchengladbacher und belegen nun Platz drei.

Energiesparen für Spiel beim 1.FC Nürnberg

Entsprechend zufrieden war Hertha-Trainer Pal Dardai nach dem Spiel. „Wir haben heute eine gute Mannschaft besiegt, mit dem Kampfmodus und mit Fußball. Ich glaube, das spricht für unsere Qualität“, sagte er. Und als wäre es für ihn ganz selbstverständlich, der Trainer eines Spitzenteams zu sein, richteten sich seine Gedanken offenbar schon während der Partie in Darmstadt auf die nächste Aufgabe und die optimale Vorbereitung darauf: das Energiesparen: „Für uns ist es schön, dass es in der letzten halben Stunde nicht mehr so großen Druck gab, wie es ihn hier sonst immer gibt. Die Spieler konnten ein wenig Kräfte sparen für das Mittwochspiel. Wir sind schon einen Schritt weiter: Wir wollen am Mittwoch gegen Nürnberg gewinnen.“. Die Berliner treten bei dem Zweitligisten im Achtelfinale des DFB-Pokals an.

Tatsächlich war die Partie Berlin gegen Darmstadt spätestens mit der 50. Minute entschieden. Da traf Herthas Angreifer Vedad Ibisevic nach einem Eckstoß und Vorarbeit von John Anthony Brooks zum zweiten Mal an diesem Nachmittag ins Tor. Es war das 3:0 für Hertha, das alle Pläne zunichte machte, mit denen die Darmstädter aus der Kabine gekommen sein mochten.

Schon die erste Spielhälfte hatte Hertha nach einer kurzen Phase des gegenseitigen Taxierens der beiden Mannschaften recht souverän kontrolliert. Geholfen hatte ihr dabei der frühe erste Treffer von Ibisevic aus der 12. Minute. Nach Vorarbeit von Salomon Kalou und Mitchell Weiser schoss der Angreifer flach ins Tor. Die Darmstädter liefen, kämpften und grätschten, aber regelgerecht ins Tor schossen sie nicht. Berlins Abwehr unterband ihre Angriffsbemühungen zuverlässig, zugleich baute Hertha im Spiel nach vorne gut auf.

Darmstadts Sandro Wagner trifft doppelt - aus Abseitsposition

Als Salomon Kalou in der 25. Minute in zentraler Position vor dem Strafraum Richtung gegnerisches Tor dribbelte, stoppten zwei Darmstädter ihn per Zange. Marvin Plattenhardt trat zum direkten Freistoß an – den er sehenswert über die Mauer hinweg und am Torhüter vorbei ins Eck zirkelt.

In der verbleibenden Spielzeit der ersten Halbzeit wurde es dann nickelig. Es gab Streits um Einwürfe, Freistöße, Ballbesitz und andere Kleinigkeiten und drei Gelbe Karten innerhalb von zwei Minuten, darunter eine für den Berliner Sebastian Langkamp. Kurz vor der Pause kamen die Darmstädter einem regulären Treffer in dieser Begegnung dann am nächsten: In der 44. Minute rettete Torwart Rune Jarstein so gerade noch, als Langkamp eine Flanke der Darmstädter in hohem Bogen Richtung eigenes Tor beförderte. Eine Minute später hielt Jarstein einen Kopfball des Darmstädters Sandro Wagner nach einer Ecke fest.

Zwei Mal hatte der ehemalige Herthaner Wagner in dieser ersten Hälfte übrigens tatsächlich ins Tor seiner früheren Mannschaftskameraden getroffen. In der 6. und in der 30. Minute aber verweigerte der Schiedsrichter seinen Treffern die Anerkennung und entschied auf Abseits. „Heute war ein bitterer Abend. Das muss man neidlos anerkennen, dass die einfach sehr intelligent gespielt haben“, sollte Wagner nach dem Spiel sagen.

Nach dem zweiten Tor Ibisevics aus jener 50. Minute mühte sich Darmstadt dann zwar mit gebündelter Energie weiter, hatte mehr Ballbesitz und tauchte auch häufiger vor dem Berliner Strafraum auf – das aber lag wohl tatsächlich daran, dass die Hertha-Elf nun Kräfte sparte. In Gefahr geriet sie jedenfalls nicht mehr, Kalou erzielte sogar in der 77. Minute nach einer schönen Einzelaktion noch das 4:0. An diesem Sonnabend verloren die Darmstädter ihren Kampf deutlich.