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Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund: Hertha steht gegen den BVB vor der Bewährungsprobe

Gute Freunde: Alexander Baumjohann und der Ball.

Gute Freunde: Alexander Baumjohann und der Ball.

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DPA/Soeren Stache

Der Trainer hatte die Einheit bereits beendet, als Tolga Cigerci sein Gegenüber Johannes van den Bergh um ein letztes Duell bat: „Komm Jojo, noch ein Mal, ich muss ein Tor machen.“ Bis dahin hatte der verteidigende Van den Bergh dem angreifenden Cigerci keinen Treffer in eines der zwei kleinen Tore hinter sich gestattet. Kein Moment des Zögerns, Van den Bergh passte den Ball. Er stellt sich immer in den Dienst des Kollektivs. Dribbling, Dribbling, Cigerci machte sein Tor. Zufrieden verließ er den Platz. „Ich bin fit, ich bin bereit“, sagte er.

Van den Bergh weiß eben, was für die Mannschaft wichtig ist: zum Beispiel, dass Cigerci mit einem guten Gefühl in die Kabine geht. Denn auf ihn könnte es am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion) gegen Dortmund ankommen. Jos Luhukay nannte ihn Herthas Herz, und Nachfolgetrainer Pal Dardai vermisste den „Kreativspieler“ lange Zeit im zentralen Mittelfeld. Bereit war Cigerci aufgrund verschiedener Verletzungen selten. Seit dem Wechsel aus Wolfsburg nach Berlin im September 2013 hat er von 83 Ligapartien nur an 30 teilgenommen, sieben weitere Male saß er auf der Bank.

Skjelbred gesperrt

Zu Beginn der Saison schlug das Herz des Teams endlich wieder, es setzte in der Folge aber häufig aus. Zuletzt zwickte nach der Wintervorbereitung die Wadenmuskulatur. „Ich habe ein bisschen Urlaub gemacht“, scherzte Cigerci. Seiner Laune konnte der neuerliche Rückschlag nichts anhaben, Van den Bergh sei Dank. „Ich war nicht lange raus, eine Woche ist nichts“, sagte Cigerci. Während des Trainings hatte ihn Dardai mehrfach angefeuert. „Weiter Tolga, Kopf hoch.“ Manchmal sind ihm die Tricksereien zu viel, aber meistens huscht ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er den Dribblings zuschaut. Der Trainer mag es, wenn seine Fußballer den Ball mit kindlicher Begeisterung als Spielzeug betrachten. „Tolga hat heute eine ordentliche Zweikampfführung gezeigt“, lobte Dardai. „Er macht einen guten Eindruck.“

Erstmals seit drei Spielen muss der Hertha-Coach seine Startelf verändern, weil Per Skjelbred nach der fünften Gelben Karte gesperrt ist. Das ist ein Verlust, da die kompromisslose Zweikampfführung des norwegischen Nationalspielers gegen die beste Offensive der Liga gebraucht würde. 52 Tore haben die Dortmunder erzielt – 23 mehr als Hertha.

Allein 20 Treffer gehen auf das Konto des blitzschnellen Pierre-Emerick Aubameyang. Daher hat sich Dardai in dieser Woche etwas um seinen Verteidiger John Anthony Brooks gesorgt, der am Dienstag aufgrund von Hüftproblemen pausiert hatte. Hochgewachsenen Spielern ginge die Spritzigkeit verloren, wenn sie nicht durchgängig trainierten, erklärte er. Das habe man Brooks schon in Bremen angemerkt, nachdem er in der Vorwoche vorübergehend ausgesetzt hatte. „Er braucht die Körperspannung“, sagte Dardai. Von Mittwoch an war Brooks wieder dabei.

Dem Tabellenzweiten keine Räume zur Entfaltung ihrer Offensivkraft zu überlassen, ist die Grundlage. Vielleicht birgt aber gerade der Ausfall von Skjelbred die kleine Chance auf den Sieg, die Dardai erkannt hat, und die Lösung liegt darin, selbst offensiv in Aktion zu treten. Denn Cigerci, die defensive aber spielstarke Alternative, ist nicht der Einzige, der sich wünscht, sein Können endlich mal wieder unter Beweis zu stellen. „Das ist die Chance, auf die ich gewartet habe“, sagte Alexander Baumjohann, der im Training mehr als ein Tor erzielte. Und natürlich: „Ich bin bereit, ich bin fit.“

Haraguchi angeschlagen

Ein Leistungsabfall des Teams ist mit beiden nicht zu befürchten. Baumjohanns Stärke, „unser bester Fußballer“ (Dardai), ist die Offensive. Seine Bilanz ist allerdings noch trauriger als die von Cigerci. 24 Mal kam er in zweieinhalb Spielzeiten zum Einsatz. Hätte sich der Schalker, der in seiner Kindheit Dortmund-Fan gewesen war, 2013 nicht bald nach seinem Wechsel das Kreuzband gerissen, Cigerci wäre wohl gar nicht verpflichtet worden.

Eventuell dürfen gegen Dortmund sogar beide ran, weil Genki Haraguchi am Donnerstag im Duell mit Brooks eine leichte Schädelprellung erlitten hat. Haraguchis Außenbahn hat Cigerci in dieser Saison schließlich auch schon bespielt. Und sollte sich Dardai doch für die Absicherung des defensiven Mittelfelds entscheiden, steht Niklas Stark bereit. So oder so gilt es für Hertha zu beweisen, dass Teamgeist und Qualität wirklich so gut sind, um unabhängig vom Wirken Einzelner erfolgreich zu sein.