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Vor der Partie gegen den SV Werder Bremen: Wie Vladimir Darida Herthas Spiel antreibt

„Manchmal hat man die Kraft zu laufen, aber man darf nicht“: Vladimir Darida.

„Manchmal hat man die Kraft zu laufen, aber man darf nicht“: Vladimir Darida.

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REUTERS

Immer wieder Mittwochs darf Vladimir Darida das tun, was er außergewöhnlich gut kann. Dann wird bei Hertha BSC gerannt. Für die meisten Mitspieler sind die wöchentlichen Ausdauereinheiten eine lästige Pflicht, Darida spult sie leichtfüßig ab. Aber nur weil der tschechische Nationalspieler mehr läuft als alle anderen Bundesligaspieler, heißt das noch lange nicht, dass ihm das Berg rauf und Berg runter Spaß macht. Der 25-Jährige fühlt sich manchmal verkannt. „Ich will, dass die Leute auch denken: der kann gut Fußball spielen.“

Seinen Trainer hat er davon längst überzeugt. Pal Dardais Plan funktioniert vor allem auch deshalb so gut, weil Darida im Sommer nach Berlin gewechselt ist. Lange hatte er sich davor mit dem Coach unterhalten und sich dessen Fußball-Philosophie erklären lassen. Was Hertha in den Monaten davor gezeigt hatte, war schließlich nicht unbedingt verlockend gewesen für einen, dessen technisches Feingefühl ebenso groß ist wie die Ausdauer der Muskeln.

In seiner Heimat wird er als neuer Pavel Nedved gehandelt – ebenfalls von Viktoria Pilsen ausgebildet und bei Juventus Turin zum Weltstar geworden. Mit 21 Jahren spielte Darida bereits im Giuseppe-Meazza-Stadion und im Camp Nou in der Champions League. Der FC Freiburg ermöglichte ihm 2013 einen geräuschlosen Sprung in die Bundesliga. „Es war ein guter Schritt, nicht sofort zu einem großen Verein zu gehen“, sagt er.

Die angeborene Stärke

In Berlin wurde er von der Presse euphorisch begrüßt als „Schlüsselspieler für die Zukunft“ und „Lösung für alle Probleme“. „Ich bin klar im Kopf“, sagt er, „der Druck ist kein Problem“. Manches ist in der Hauptstadt ja einfacher als in Freiburg, wo er zwei Jahre gegen den Abstieg kämpfte. „Es war schwer für den Kopf, immer auf die Tabelle zu schauen“, sagt er. Inzwischen besteht die Schwierigkeit darin, immer wieder übers Laufen reden zu müssen. Darüber zu sprechen, quält ihn sichtlich mehr als die Bergläufe.

Die Fähigkeit, viel zu rennen , sei angeboren, glaubt er, und bei Hertha hat er seine schon in Freiburg rekordverdächtige Leistung noch gesteigert – pro Einsatzminute um einen Meter. Nur wenige sind in dieser Saison mehr als 200 Kilometer gerannt, Pascal Groß (Ingolstadt) etwa, Lewis Holtby (Hamburg) oder Salif Sané (Hannover). Darida kommt auf 231 Kilometer, 12,8 Kilometer pro Spiel. Aber er kämpft gegen ein Vorurteil, dass Bayern-Trainer Pep Guardiola so zusammenfasste: „Du hast nicht gut gespielt, wenn du viel gelaufen bist.“

Im Mittelfeld von Hertha BSC ist die Lauferei essenziell, auch Per Skjelbred ist einer der Besten der Liga. „Wir sind eine fleißige Mannschaft. Wir müssen jedes Spiel hundertprozentig konzentriert angehen, um unsere Spielphilosophie durchzubringen“, sagt Dardai vor der Partie in Bremen. Dass die Gegner inzwischen größeren Respekt vor seinem Team haben, bringe ab und zu mehr Zeit zum kombinieren. Gegen Bremen werde das aber nicht der Fall sein, glaubt er. „Die werden gegen uns richtig aggressiv spielen.“

Weil sich die Gegner auf die Passstafetten der Berliner eingestellt haben, tüftelt Dardai am nächsten Entwicklungsschritt. Der Ball soll schon in der gegnerischen Hälfte erobert werden, damit der Weg zum Tor kürzer ist. Die Laufarbeit für Darida wird dadurch noch intensiver. „Wir wollen zeigen, wer wir sind“, sagt Dardai. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob sein bester Läufer durchhält. Alle 21 Pflichtspiele hat er bislang bestritten – wie Fabian Lustenberger und Per Skjelbred. „Ich muss mehr auf meinen Körper schauen und auf die Regeneration achten“, sagt Darida.

Der Traum vom schönsten Tor

Denn nicht nur Hertha ist auf ihn angewiesen. Im Sommer schließt sich die Europameisterschaft an, und längst wird in seiner Heimat an die Erfolge von 1996 und 2004 erinnert. „Die EM hat eine große Bedeutung für Tschechien“, sagt Darida. Kein Problem, er liebt es, sich auszutoben. „Es ist immer besser zu spielen“, sagt er.

Daher hätte er nichts dagegen, in der nächsten Saison in der Wochenmitte durch Europa zu touren, anstatt auf dem Schenckendorffplatz hin und her zu sprinten. Der Prager Zeitung erzählte er mal, dass ihm die Europacup-Abende fehlten. „Es ist einfach schön, im Herbst noch ein paar Spiele mit dieser besonderen Atmosphäre bestreiten zu können“, sagte er. Jetzt will er sich auf solche Gedanken nicht einlassen. „Wir haben erst 33 Punkte und unser Ziel von 40 Punkten nicht erreicht“, sagt er. Sein Motto: „Lieber ruhig bleiben und keine große Klappe riskieren.“

Die Fans wählten ihn zum Herthaner der Hinrunde, es war ein Preis für den Fleiß. Für einen möglichen Kilometerrekord will er aber nicht gelobt werden. Lieber für „das schönste Tor der Saison“. Darüber würde er sich freuen. Die Chance darauf ist dank Dardai gegeben, der ihn offensiver auflaufen lässt, als er es aus Freiburg oder der Nationalmannschaft gewohnt ist. Fünf Treffer hat er wettbewerbsübergreifend erzielt, drei weitere will er in der Rückrunde folgen lassen. Darunter am liebsten eines, das noch schöner ist als das im November 2013 für Freiburg gegen Nürnberg.


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