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Hoffenheim: Babbel setzt auf Neuanfang

Handschlag in Hoffenheim: Markus Babbel (R) mit Manager Ernst Tanner.

Handschlag in Hoffenheim: Markus Babbel (R) mit Manager Ernst Tanner.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Zuzenhausen -

Markus Babbel ist neuer Trainer bei 1899 Hoffenheim. Der Fußball-Bundesligist stellte den 39-Jährigen am Freitag offiziell als Nachfolger von Holger Stanislawski vor. Babbel war zuletzt Coach von Hertha BSC, musste dort aber wegen interner Unstimmigkeiten am 18. Dezember seinen Posten räumen.

Ernst Tanner hat bei der Vorstellung von Holger Stanislawski als Trainer der TSG Hoffenheim einen Witz gemacht. „Oh“, sagte der Manager der TSG nach einem Blick in den vollen Presseraum, „so viel ist normalerweise nur bei einer Trainerentlassung los.“ Knapp acht Monate ist das erst her und Holger Stanislawski ist seit Donnerstag ja nicht mehr Trainer in Baden.

Taktische Defizite

Gestern saß schon Markus Babbel auf Stanislawskis Platz auf dem Podium im Trainingszentrum in Zuzenhausen, und so viele Kameras und Reporter wie gestern waren noch nie dort gesehen worden. Ernst Tanner aber war gestern nicht zu einem lockeren Spruch zumute, es ging ja tatsächlich noch eher um die Umstände der sehr speziellen Entlassung der St.-Pauli-Legende Stanislawski. Vor dem Pokal-Spiel vergangenen Mittwoch gegen den Zweitligisten Greuther Fürth hatte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp in mehreren Interviews Stanislawski taktische Defizite vorgeworfen. Nach der Pokapleite war dann auch das Aus von Stani besiegelt.

Die Fußballrepublik wunderte sich dieser Tage darüber, wie offen Hopp ins Tagesgeschäft des Klubs eingreift, das mit seinem Geld von der Kreisliga in die Bundesliga aufstieg. Insider wundert das weniger, ohne Hopps Wort geht in Hoffenheim in großen Fragen nichts. „Wie bei uns in der Kreisliga“, überschrieb die regionale Rhein-Neckar-Zeitung einen Kommentar zu den Vorgängen um Stanislawskis Demission.

Laut Tanner war das 0:0 zum Hinrundenauftakt gegen Hannover im Januar „der Auslöser“ des Zweifels am Trainer. Auch da hatte der emotionale Trainer danach öffentlich gepoltert über Spieler und Medien. Nach dem 2:2 gegen Augsburg am vergangenen Samstag war der Glaube an die Wende endgültig aufgebraucht. „Irgendwann hofft man mehr, als man glaubt“, sagt Tanner, der nun ebenfalls stark unter Druck steht.

Nach Marco Pezzaiuoli muss der Verein nun schon den zweiten Trainer weiterbezahlen, den Tanner in den letzten 13 Monaten nach dem Abschied von Ralf Rangnick angestellt hatte. Stanislawski hatte Tanner als seinen Wunschtrainer bezeichnet.

Gestern nun saß Babbel auf Stanislawskis Stuhl und sagte: „Klar: Hier ist ein negativer Trend, sonst wäre ich nicht da. Aber ich habe ein positives Gefühl. Wir müssen über Erfolgserlebnisse einen Turnaround schaffen.“ Zuletzt schaffte das durch übersteigerte Erwartungen und Zuschauerschwund verunsicherte Team ja nur einen Sieg in zehn Ligaspielen. Babbel unterschrieb einen Vertrag bis 2014, er sagt: „Ich will erfolgreich sein, welches Image ich dann habe, ist mir wurscht.“

Bizarrer Streit mit Hertha

Am Montag habe er, so Tanner, „den Auftrag bekommen“, einen neuen Trainer zu suchen. „Die Führungszirkel“ (Tanner) hatten sich am Montag getroffen − also Gesellschafter Dietmar Hopp, Beiratsmitglieder, die Geschäftsführer und sportlich einflussreiche Leute im Verein. Tanner hat dann am Montagabend Babbel, der erst vor sieben Wochen nach einem Spiel in Hoffenheim und einem bizarren Streit mit der Führungsriege bei Hertha BSC entlassen wurde, erstmals kontaktiert. Am Donnerstagabend kam der Trainer mit seinem Assistenten Rainer Widmayer in Zuzenhausen an, und gestern Nachmittag trainierte der ehemalige Nationalspieler zum ersten Mal mit seiner neuen Mannschaft.

Mit Babbel (39) kommt ein ähnlicher Trainertyp wie Stanislawski: jung, eher praktisch als theoretisch veranlagt. „Er wird in erster Linie psychologisch tätig sein müssen“, sagte Manager Ernst Tanner. Als taktisches Hirn Babbels gilt Rainer Widmayer. Am Samstag schaute der sich „zufällig“ den nächsten Gegner Werder Bremen beim 2:2 beim SC Freiburg an. „Vielleicht ist es ja ein Vorteil, wenn wir nicht so berechenbar sind“, hofft Babbel. Sejad Salihovic und Ryan Babel fehlen in Bremen ohnehin. Die beiden zuletzt enttäuschenden Routiniers fehlen gelbgesperrt. Doch der Sport spielt derzeit in Hoffenheim ohnehin nur eine Nebenrolle. (mit dpa)