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Homophobie im Fußball: Geld schlägt Menschenrechte

Russlands Sportminister Witali Mutko

Russlands Sportminister Witali Mutko

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dpa

Russlands Beharren auf Beachtung seines neuen Anti-Homosexuellen-Gesetzes hat wenige Tage vor der Leichtathletik-WM in Moskau und ein halbes Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi für Unverständnis gesorgt. „Wir haben die Berichte gelesen. Das IOC hatte jüngst jedoch andere Informationen erhalten“, erklärte Pressesprecher Christian Klaue vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) am Freitag. Er wies allerdings darauf hin, dass „grundsätzlich“ bei Olympischen Spielen Zuschauer und Athleten „aller Orientierung“ willkommen seien.

An Brisanz gewinnen könnte die entstandene Diskussion bereits Ende nächster Woche, wenn in Moskau die Leichtathletik-WM (10. bis 18. August) beginnt. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), bleibt trotzdem noch entspannt. „Wir werden unsere Athleten gegebenenfalls auf das Gesetz hinweisen. Aber in der Vergangenheit hat es bei uns keine mir bekannten Aktivitäten gegeben, die mit diesem Gesetz in Konflikt gekommen wären“, sagte Prokop und: „Wir vertreten die Position der deutschen Bundesregierung, die sich kritisch über dieses Gesetz geäußert hat.“ Auch der Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen (BLSJ) äußerte sich kritisch. „Nicht auszudenken, wenn ein Sportler oder eine Sportlerin nur wegen Händchenhaltens bestraft würde“, sagte BLSJ-Vorstandsmitglied Martin Munz.

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte verdeutlicht, dass niemand einem Sportler verbiete, mit einer nicht-traditionellen sexuellen Orientierung nach Sotschi zu kommen. „Aber wenn er auf die Straße geht und Propaganda betreibt, wird er dafür zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Mutko. Damit widersprach er der Mitteilung des Internationalen Olympischen Komittes (IOC), es habe „von höchster Regierungsstelle in Russland Zusicherungen erhalten, dass das Gesetz diejenigen, die an den Spielen teilnehmen nicht betreffe“. Im Zuge der jüngsten Entwicklungen rücken damit auch die Fußball-WM 2018 in Russland und die WM 2022 in Katar in den Blickpunkt. In Katar ist Sex zwischen Gleichgeschlechtlichen verboten. Das Strafmaß reicht von 90 Peitschenhieben bis zu fünf Jahren Haft.

Blatter versucht zu scherzen

Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte mit Blick auf die WM in neun Jahren − wohl im Scherz und ein wenig despektierlich − in Richtung der Homosexuellen gesagt: „Ich denke, dann sollten sie dort jegliche sexuelle Aktivität unterlassen.“ Später wurde der Schweizer sachlicher und beteuerte, man sei „offen für alles und jeden, ob rechts, links“ oder was auch immer. Von Seiten der Homosexuellen-Verbände gab es Kritik am Weltfußball-Verband (Fifa) und der WM-Vergabe. „Dabei ging es doch nur ums Geld. Für die Menschenrechte hat sich keiner interessiert“, sagte Klaus Heusslein, der zweite Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes der Schwulen und Lesben (IGLFA).

Die Bedrohung in der Wüste scheint greifbar zu sein. 1996 war in Katar ein US-Bürger wegen homosexueller Aktivitäten angeklagt und zu sechs Monaten Haft und 90 Peitschenhieben verurteilt worden. Auch in Sotschi könnte die Lage eskalieren: Homosexuelle planen am Tag vor der Olympia-Eröffnung eine Christopher-Street-Day-Parade in dem Schwarzmeerort. Durch eine solche Veranstaltung soll geprüft werden, wie weit die Zusicherung von Kreml-Chef Wladimir Putin ernst zu nehmen ist, dass homosexuelle Besucher der Winterspiele Freizügigkeit genießen. Das IOC erklärte, es werde darauf hinarbeiten, dass die Spiele „ohne Diskriminierungen gegenüber Athleten, Offiziellen, Zuschauern und Medien“ abgehalten werden können.

Per Gesetz steht in Russland seit Juni die Verbreitung von Informationen über Homosexualität an Minderjährige unter Strafe. Ausländer, die gegen den Passus verstoßen, können mit umgerechnet rund 120 Euro bestraft werden und unter Umständen für 15 Tage unter Arrest gestellt oder des Landes verwiesen werden. (sid)


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