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IOC-Chef Thomas Bach: Bachs Versäumnis

Thomas Bach wird sein Amt als DOSB-Präsident niederlegen. Und wer kommt nun?

Thomas Bach wird sein Amt als DOSB-Präsident niederlegen. Und wer kommt nun?

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dpa

Einst diente Willi Lemke als Maskottchen für den Aufstand der Zwerge. Immer, wenn er als Manager von Werder Bremen Uli Hoeneß trotzte. Das machte ihn so sympathisch, dass er Ende 2007 von der Bundesregierung erfolgreich für das Amt eines UN-Sonderberaters für Sport vorgeschlagen wurde, obwohl er zu Beginn der Siebzigerjahre sowohl dem KGB als auch dem Verfassungsschutz als Agent gedient hatte. Nun schlägt sich Werder-Willi selbst für das Präsidentenamt im Deutschen Olympischen Sportbund vor.

Dass es soweit kommen konnte, darf sich Thomas Bach zurechnen. Der DOSB braucht einen neuen Chef, weil Bach an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees gewählt wurde. Nicht plötzlich, gilt doch sowohl seit Jahren als öffentliches Geheimnis, dass Bachs Karriere nur auf dieses Ziel ausgelegt war und, dass er sich nur zur Wahl zu stellen pflegt, wenn ihm der Erfolg vorher gesichert scheint. Den privaten Ambitionen hat er eine − angesichts des Bewerberfeldes siegträchtige − deutsche Bewerbung um die Sommerspiele 2020 geopfert. Und aus ähnlichen Taktikerwägungen − um seine Pläne nicht gefährlich früh kundtun zu müssen − hat er die Verantwortung eines abwanderungswilligen Präsidenten ignoriert: rechtzeitig einen geeigneten Nachfolger aufzubauen.

Das Erbe wird den deutschen Sport langfristig belasten. Egal, ob Lemke, der international kaum vernetzte Landessportbundchef von Nordrhein-Westfalen, Walter Schneeloch, die den Schwimmverband kaum überzeugend führende Christa Thiel oder gar Quereinsteiger wie der angeschlagene hessische Ministerpräsident Volker Bouffier Bachs Job übernehmen. Womöglich findet sich bis zum Wahltag im Dezember nicht mal ein vermeintlich geeigneter mehrheitsfähiger Bewerber, so dass das Machtvakuum ein Jahr fortdauert. Allein im November eine Münchner Bewerbung um Winterspiele 2022 in der Hoffnung auf Bachs Einfluss abzugeben, wäre da mehr als naiv.