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Joseph Blatter: Der ewige Fifa Präsident

Ein kleiner und sein großer Häuptling: Weltfußballchef Joseph Blatter (vorne Mitte) mit Michel Platini rechts unten neben sich zu Besuch in Ghana.

Ein kleiner und sein großer Häuptling: Weltfußballchef Joseph Blatter (vorne Mitte) mit Michel Platini rechts unten neben sich zu Besuch in Ghana.

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Reuters/Bruno Domingos

Bevor alle diese Feierlichkeiten, Ehrungen und Auslosungen losgingen, nutzte Michel Platini gestern den großen Medienauflauf in Monte Carlo zu einer Mitteilung in eigener Sache. Und es ist vielsagend, dass es da längst zu spät war, weil die Spatzen sein zu lüftendes Geheimnis längst von den hässlichen Hochhausdächern des Fürstentums pfiffen: „Ich habe lange überlegt, und ich war nicht überzeugt, zur Fifa zu gehen. Der europäische Fußball kann auf mich zählen“, sagte Platini, der Anführer der Europäischen Fußball-Union: „Ich bin bereit, erneut als Uefa-Präsident zu kandidieren. Alle sprechen von der Fifa, aber vorher haben wir Uefa-Wahlen. Es ist noch nicht an der Zeit etwas anderes zu tun.“

Dass Platini mit seinem Rückzug de facto den Weg für Joseph Blatter freimacht, sich am 29. Mai kommenden Jahres in Zürich mit 79 Jahren für eine fünfte Amtszeit wählen zu lassen, hatte schon vorher der belgische Fifa-Funktionär Michel d’Hooge ausgeplaudert. Die Europäer erleiden durch Platinis Kneifen einen herben Rückschlag. Sie hatten sich im Juni vor dem Kongress des Weltfußballverbandes Fifa so deutlich wie nie zuvor gegen dessen Boss Blatter gestellt. Er wirkt seit 1975 in unterschiedlichen Positionen in der Fifa und führt sie seit 1998 an, dotiert mit etwa einer Million Dollar jährlich. Er verantwortet maßgeblich ihr miserables Image als von Korruption geprägter, mafiös anmutender Verband, der den Weltfußball mit harter Hand regiert und Transparenz scheut.

Als zuletzt Schmiergeldzahlungen an hochrangige Fifa-Funktionäre wie Blatters Vorgänger João Havelange belegt wurden, sagte auch der Chef des Deutschen Fußball-Bundes Wolfgang Niersbach: „Schockiert bin ich über die Reaktion des Fifa-Präsidenten. Wenn nicht unbedeutende Entscheidungsträger der Fifa offensichtlich Geld kassiert haben und dann gesagt wird, es war damals nicht verboten, ist das eine Reaktion, von der wir als DFB uns nur total distanzieren können.“

Blatter hatte mit seinem früheren Ziehsohn Platini, 59, ein Gentlemen’s Agreement geschlossen, ihm den Chefsessel 2015 zu überlassen. „Ich empfinde ihn als einen bedauernswerten Mann, der nicht über so viel Selbsterkenntnis verfügt und der es auch nicht begreift, dass es besser für ihn wäre, die Fifa im nächsten Jahr auf eine würdige Manier zu verlassen. Er baut ab“, zürnte Hollands Fußballverbandschef Michael van Praag.

Lukrative Argumente

Platinis Rückzug erklärt sich nicht allein aus machtpolitischem Kalkül: Er kann sich seiner Uefa-Wiederwahl im März sicher sein, aber in der Fifa stellt die aufmüpfige Uefa nur 54 von 209 Verbänden. Vom Rest hat Blatter eine Vielzahl mit lukrativen Argumenten hinter sich geschart: Er lässt sie üppig an den 2,9 Milliarden Euro partizipieren, die die Fifa im Vierjahreszyklus der Brasilien-WM gescheffelt hat.

Gleichzeitig gilt Platini keineswegs mehr als gänzlich unbelastet. Gespannt erwarten die Fußballfunktionäre das Verdikt des deutschen Ethikrichters Hans-Joachim Eckert, der die Ermittlungen des Amerikaners Michael Garcia zu Korruption im Rahmen der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar im September verbandsjuristisch würdigen soll. Von Platini ist bekannt, dass er die umstrittene Bewerbung Katars unterstützt hat. Dass er sich im November 2010, sechs Tage vor der Wahl, im Élysée-Palast mit dem einstigen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie hochrangigen Katarern getroffen hat. Ebenso hat er seinerzeit mit dem aus Katar stammenden Fifa-Funktionär Mohamed Bin Hammam konferiert. Und Platinis Sohn Laurent arbeitet zufällig in Genf als Generalmanager für den Sportartikelkonzern Burrda Sport, der zum Fonds Qatar Sports Investment gehört.

So scheinheilig wie Platini plötzlich seine Unverzichtbarkeit bei der Uefa als Argument vorschiebt, so elegant müht sich DFB-Chef Wolfgang Niersbach um Rückendeckung für den Eingeknickten: Er begrüße Platinis Schritt, „denn die Alternative dazu wäre ein aufreibender, monatelanger Wahlkampf gewesen, der für große Unruhe in der Fußballwelt gesorgt hätte“.

Niersbach selbst taucht auf einer englischen Alternativliste auf. „Den würde ich auch als einen guten Kandidaten sehen“, sagte einst der Holländer van Praag, fügte aber hinzu: „Ich denke, dass wir als Europa die größte Chance haben, einen anderen Fifa-Vorsitzenden zu bekommen, wenn wir als Europa einen Nicht-Europäer wählen.“