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Kommentar : Götze hilft Hoeneß

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Bald Mannschaftskameraden: Mario Götze und Bayerns Javier Martinez.
Bald Mannschaftskameraden: Mario Götze und Bayerns Javier Martinez.
Foto: dpa

Ein Transfer, der die Doppelmoral im Fußballgeschäft dokumentiert: Bayern München schnappt sich die größte Verheißung des deutschen Fußballs. Das Timing erscheint aus Münchner Sicht optimal.

Vier Tage lang hat es in diesem Land ein alles überstrahlendes Thema gegeben: Die Steueraffäre des Uli Hoeneß. Der Macher des FC Bayern München darf getrost davon ausgehen, dass ihn die unselige Angelegenheit noch über Wochen und Monate verfolgen wird, und wenn sein Unrechtsbewusstsein groß genug wäre, wovon derzeit nicht auszugehen ist, würde er sein Amt als einer der exponiertesten Vertreter des deutschen Fußballs sehr zeitnah zur Verfügung stellen.

Steueraffäre gerät in den Hintergrund

Aber wenn er morgen die Zeitungen aufschlägt, muss Uli Hoeneß nicht fürchten, dass sein mehrspaltiges Konterfei auf den Titel-, Wirtschafts- und Sportseiten noch einen weiteren Tag unangenehm groß abgedruckt wird. Und auch in den Online-Diensten ist sein Steuerdelikt abrupt abgelöst worden: Denn der am Dienstagmorgen von Borussia Dortmund bestätigte Transfer von Mario Götze zum FC Bayern füllt die Schlagzeilen, und nebenbei wird am Abend ja auch noch ein nicht ganz unbedeutendes Fußballspiel gegen den FC Barcelona stattfinden.

Im Fall des immer noch nur  20 Jahre jungen Mario Götze handelt sich um den  aufregendsten Wechsel eines deutschen Fußballspielers in der Ligageschichte. 37 Millionen Euro: Nie wurde für einen Spieler, der innerhalb Deutschlands transferiert wurde, mehr Geld ausgegeben.

Nie war der Zeitpunkt delikater, Dortmunds Vorbereitung auf das Champions-Halbfinale gegen Real Madrid ist mit der Veröffentlichung empfindlich gestört, hinzu kommt, dass Bayern und Borussen sich am 1. Juni noch  im Champions League-Finale gegenüberstehen könnten.

Dass der Transfer, den sich die Bayern auch dank Hoeneß´ kluger Geschäftspolitik sozusagen aus der Handkasse leisten können, ausgerechnet jetzt durchgesickert ist, da der Vereinsboss im Zentrum des medialen Gewitters steht, könnte somit gleich doppelt als strategische Planung interpretiert werden. Es dürfte freilich nicht mehr als die Ruhe vor dem nächsten Sturm sein.

Gnadenloser Verdrängungswettbewerb

Wobei es natürlich legitim ist, dass die Bayern sich eine Ausstiegsklausel im Vertrag der größten deutschen Verheißung mit Borussia Dortmund zunutze gemacht haben, um ihn zur neuen Saison im eigenen Kader präsentieren zu können. Kein anderer Wirtschaftszweig funktioniert nach  gnadenloseren Bedingungen des Verdrängungswettbewerbs als der Profisport.  Insoweit ist das Handeln – auch im Angesicht der buhlenden internationalen Konkurrenz - nur konsequent: Mit Mario Götze machen die Bayern sich noch besser und sie machen außerdem den härtesten nationalen Widersacher spürbar schwächer.

Die Tatsache, dass der Transfer just zur selben Zeit eingefädelt wurde, als Uli Hoeneß laut darüber nachdachte, der Fußball-Bundesliga eine Prise Sozialismus und zu verabreichen, passt aber bedauerlicherweise in das Bild, das der Präsident des FC Bayern auch in der Steuersache abgibt: Das, was einer sagt, muss noch lange nicht mit dem korrespondieren, was er tut. Oder sein Verein.

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