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Kommentar zu Schmidt-Urteil: Ein Urteil für die unterklassigen Ligen

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Bayer-Coach Roger Schmidt

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dpa

Ein richterliches Urteil weniger als 72 Stunden nach dem Vergehen – das klingt nach Standgericht und Willkür im Sinne eines schnellen Schuldspruchs. Aber manchmal liegen die Dinge so klar, dass es keinen Grund gibt, länger zu warten. Alle Fakten lagen auf dem Tisch, belegt durch Bilder, Originaltöne und Eingeständnisse. Fünf Spiele Innenraumsperre, davon zwei auf Bewährung, klingt als Verdikt auf Anhieb streng. Angesichts der Grundsätzlichkeit, die hier verhandelt wurde, scheint jedoch Augenmaß im Spiel gewesen zu sein und die Absicht, erzieherisch zu wirken, auch wenn es sich beim Delinquenten Schmidt um einen Mann von 48 Jahren handelt, der zu den wichtigsten Einsichten des Lebens eigentlich schon hätte gekommen sein müssen.

Auch wenn das Strafmaß nicht wie der Schlusspunkt eines Präzedenzfalles anmutet, war es natürlich doch einer. Bevor der Fall fürs erste abgehakt wird und in die Archive des Fußballs wandert, muss es noch einmal gesagt werden: Die Weigerung, einer klaren Anweisung des Schiedsrichters Folge zu leisten, bedeutet nichts anderes als Anarchie. Sie auch nur im Ansatz zu rechtfertigen oder gar zu tolerieren, würde das Ende des Fußballs in geordneten Bahnen bedeuten. Und zwar nicht nur des Profi-Fußballs, in dem mittlerweile auch die Schiedsrichter ein privilegiertes, finanziell entschädigtes Dasein führen. Sondern vor allem dort, wo es wehtut. In den mittleren und unteren Ligen, deren Spielleitung quasi ehrenamtlich von Menschen übernommen wird, die sich dafür Woche für Woche beleidigen, beschimpfen und verhöhnen lassen müssen.

Dieses Urteil ist vor allem für sie. Und allein aus Respekt ihnen gegenüber sollte der Trainer Roger Schmidt seine Ankündigung, sein Verhalten am Spielfeldrand zu bessern, in die Tat umsetzen.


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