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Kommentar zum Doping-Skandal in Erfurt: Pechsteins Pech

Matti Lieske

Matti Lieske

Die Deutschen glauben gern an ihre Sportler und an deren Sauberkeit. Sie hielten der Sprinterin Katrin Krabbe die Treue, bis diese zum zweiten Mal erwischt wurde. Sie litten mit dem wegen Dopings verurteilten Langstreckenläufer Dieter Baumann und kämpften für sein Startrecht bei Olympia. Sie waren solange fest und innig davon überzeugt, dass der glorreiche Tour-de-France-Gewinner Jan Ullrich der einzige Saubermann in einem riesigen Sumpf voller abgefeimter Betrüger wäre, bis ein Blutbeutel im Kühlschrank des Dopingdoktors Fuentes zweifelsfrei als von ihm stammend identifiziert wurde. Und sie glaubten an die Unschuld der wegen Dopings gesperrten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, obwohl sämtliche Instanzen der Sportgerichtsbarkeit plus Schweizer Bundesgericht gegen sie entschieden.

Bei zahllosen öffentlichen Auftritten in Talkshows und Pressekonferenzen hatte sich Pechstein ausdauernd als Unschuldslamm präsentiert. Sie hatte in einer Autobiografie mit der bösen Welt, die ihr so übel mitspielte, abgerechnet und genug Zweifel an ihrer Schuld gesät, um vom Großteil der Sportfans mit offenen Armen aufgenommen zu werden, als sie nach ihrer zweijährigen Sperre auf die Eisbahn zurückkehrte. Dort war sie mit 39 Jahren gleich wieder eine der Schnellsten, nahm Olympia 2014 ins Visier und und forderte trotzig und siegessicher den Weltverband heraus, sie angesichts ihrer weiterhin auffälligen Blutwerte doch bitte erneut anzuklagen. Die zurückgewonnene Popularität reichte in ihrer Heimatstadt jedenfalls locker zu Platz zwei bei der Wahl zu Berlins Sportlerin des Jahres 2011 und etwa einem Auftritt kürzlich beim Berliner Sechstagerennen.

Nur eines hätte nicht passieren dürfen bei Pechsteins Feldzug in eigener Sache: dass sie in irgendeiner auch nur entfernten Weise mit Dopingpraktiken in Verbindung gebracht werden kann. Zum Beispiel, dass ihr Name auf einer von der ARD publizierten Liste mit Sportlern erscheint, die sich beim Erfurter Arzt Andreas Franke einer als Doping geltenden Blutbehandlung unterzogen. Egal, was sport- und strafrechtlich aus dieser Sache für sie folgen mag, was Image und Glaubwürdigkeit von Claudia Pechstein angeht, ist sie eine Katastrophe.


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