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Kür der Bewerberstadt für Olympia: Mangel an Demokratie bei Olympiabewerbung

Alfons Hörmann wurde einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

Alfons Hörmann wurde einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

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imago/Schiffmann

Der neue Aufsichtsrat war in guter Stimmung, als die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sich am Sonnabend in Dresden auflöste: 455 (von 456) Stimmen für die sogenannte Strukturreform und die Trennung der DOSB-Spitze in Aufsichtsrat und Vorstand; Alfons Hörmann, nunmehr Aufsichtsratsvorsitzender, einstimmig gewählt; der große Konvent eine Stunde früher als geplant beendet.

Man herzte sich noch eine Weile auf dem Podium und traf sich dann zur ersten Sitzung im neuen Führungsgremium. Auch dort ging alles ruckzuck, so wie das Hörmann mag. „Auf einer halben Seite“ hätten die neuen Vorstände der Umwandlung ihrer alten Direktoren-Verträge zugestimmt. „Begrüßen Sie mit mir den neuen Vorstandsvorsitzenden, Michael Vesper.“ Nun ja.

Reichlich Loblieder

Es waren reichlich Loblieder gesungen worden beim Konvent, auf Hörmann, vor allem aber auf die Olympiabewerbung. Sylvia Schenk von Transparency International zum Beispiel war eigentlich mit Ausführungen zu „Good Governance“ angekündigt. Ihre Rede geriet zur Eloge auf Thomas Bachs IOC-Agenda 2020 – bisher ja nur ein virtuelles Idyll auf dem Reißbrett des Olympiakonzerns. Deutschland müsse nun zeigen, „wie Olympische Spiele beitragen können zu einer besseren Welt“, rief sie dem Kongress zu. „Diesen Funken möchte ich in Ihnen entzünden.“

Oberflächlich betrachtet war das gar nicht nötig – die Grundsatzentscheidung, sich mit Berlin oder Hamburg um die Spiele 2024 und 2028 zu bewerben, fiel ebenfalls einstimmig. Doch jenseits des Plenums ging es kontrovers zu, und die Debatten betrafen das, worüber Schenk wenig Konkretes sagte: die gute Verbandsführung, das Verfahren, mit dem der deutsche Olympiabewerber gekürt werden soll.

"Wie bei der Papstwahl“

Vorgesehen ist ja keineswegs, dass die außerordentliche Mitgliederversammlung am 21. März in der Frankfurter Paulskirche über den Bewerber abstimmt – vielmehr soll sie nur der Empfehlung des Aufsichtsrates folgen. „Das ist wie bei der Papstwahl“, hatte Hörmann vor den Landessportbünden geplaudert. „Am Ende kommt ein einstimmiger Beschluss heraus.“ Irritierte Teilnehmer verwiesen hinterher aufs „deutlich demokratischere Prozedere“ in der Sixtinischen Kapelle.

Die Spitzenverbände verpassten Hörmann einen ersten Dämpfer: Sie setzten durch, dass sie einen Tag vor dem Votum des Aufsichtsrats angehört werden. Um, wie Hörmann es formulierte, ihre Bewertung zum „technischen Anforderungsprofil bezüglich der Sportstätten“ abzugeben.

Klaus Böger, der Chef des Landessportbundes Berlin, weiß natürlich, dass „es unklug ist, im Laufe eines Verfahrens Kritisches anzumerken“. Andererseits: „Ich bin nicht im diplomatischen Dienst.“ Sein Kommentar zum Vorgehen: Eine Bewerbung, „die so abhebt auf Partizipation und Transparenz, täte womöglich gut daran, diesen Prinzipien auch innerhalb des DOSB Geltung zu verschaffen“. Übersetzung: Die Mitgliederversammlung möge über den Kandidaten entscheiden, nachdem beide Städte sich präsentiert haben. „Wir gehen im Übrigen fair miteinander um.“

Angst an den Bürgern zu scheitern

Man nimmt Böger ab, dass es ihm dabei nicht nur um das K.-o.-Kriterium geht, das für Berlin ohnehin droht: Die Angst, wie mit München noch einmal an den Bürgern zu scheitern, steckt dem DOSB tief in den Knochen. So tief, dass der Aufsichtsrat sein Votum offensichtlich allein vom Ausgang der zweiten Meinungsumfrage des Forsa-Instituts abhängig machen will. „Ein anderes Kriterium ist mir nicht bekannt“, sagt Böger.

Bei der ersten Umfrage war die Bürgerzustimmung in Hamburg etwas höher. Olympia nach Stimmungsbild? Hörmann bezeichnete die Umfrage im Februar als „sehr, sehr, sehr bedeutend“. Die Sache kann – das wollte keiner ausschließen – sogar mit der Absage des Olympiaprojekts enden, falls sich im Februar in keiner der beiden Städte eine Bürgermehrheit für die Ringe-Mission findet.

Dabei sollte der organisierte Sport ein vitales Eigeninteresse an den Spielen haben. Bundesinnenminister Thomas de Maizière machte das in Dresden deutlich: „Wenn Sie wollen, ist mein Ministerium bereit mitzugehen. Wenn nicht, dann nicht. Dann hat das aber Folgen.“ Er nahm den DOSB in die Pflicht und empfahl schon mal eine Briefaktion der 27 Millionen Mitglieder. Dann nämlich „bekäme jeder Hamburger 5 Briefe“. Vielleicht fällt dem Sport ja noch etwas anderes ein. Zu hören war davon nicht viel.


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