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München - Frankfurt: Indiskutable Kontrollen vor dem Stadion

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Schon mit der Androhung von Ganzkörperkontrollen von Eintracht-Fans in München wird eine Grenze überschritten. Die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht mehr. Ein Kommentar.

Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht in der immer hysterischer geführten Debatte um Sicherheit im Fußballstadion. Vor der Arena in München standen am Samstag Zelte, um darin Ganzkörperkontrollen durchführen zu können. Zwar musste sich dann offenbar doch niemand entkleiden, doch das ändert an der Bewertung der Situation nichts. Denn zum einen ist es schon verwerflich, wenn Fans damit gedroht wird, dass sie sich in einem Zelt ausziehen müssen. Und zum anderen blieben diejenigen, um die es ging, draußen vor dem Stadion. Vermutlich hätten sich die Ultras durchaus den Kontrollen unterziehen müssen.

In höchstem Maße entwürdigend

Dass viele Fans aus Protest auf den Stadionbesuch verzichteten, verdient Respekt. Sie machten deutlich, dass Ganzkörperkontrollen indiskutabel sind. Sich womöglich bis auf die Unterwäsche entkleiden zu müssen, wenn man einfach nur ein Fußballspiel sehen möchte, ist in höchstem Maße entwürdigend und nicht hinnehmbar.

Man könnte nun in epischer Breite argumentieren, dass die Partie in München gar keinen Anlass bot, solche Zelte aufzustellen, weil bei Eintracht-Spielen in München noch nie Pyrotechnik gezündet wurde. Aber darum geht es nicht in erster Linie. Es geht um Grundsätzliches.

Es geht darum, dass Ganzkörperkontrollen nie ein legitimes Mittel sein können, für Sicherheit im Stadion zu sorgen. Auch nicht bei Risikospielen wie Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Frankfurt. Bei der Partie am 30. November wird es hoch hergehen.

Mit Sicherheit werden Ultras versuchen, Pyrotechnik zu zünden. Zu heftig waren die Auseinandersetzungen zwischen den Vereinen und ihren Fanlagern seit dem Aufeinandertreffen in der vergangenen Saison.

Die Büchse der Pandora

Und trotzdem: Der Eingriff in die Rechte der Stadionbesucher, die sich entkleiden müssten, wäre nicht durch den Anspruch auf Sicherheit zu rechtfertigen. Hier stimmt einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr. Weil einzelne Fans Ärger machen wollen, darf nicht eine unbestimmte Zahl von Menschen einer entwürdigenden Prozedur unterzogen werden, die massiv in ihre Persönlichkeitsrechte eingreift.

Dass die Debatte nun überhaupt aufgekommen ist, hat vor allem die Deutsche Fußball Liga zu verantworten. In ihrem missratenen und zu Recht gescheiterten Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ sind sogenannte Vollkontrollen vorgesehen. Damit hat die Liga die Büchse der Pandora geöffnet. Spätestens am 12. Dezember, wenn das überarbeitete Konzept verabschiedet werden soll, ist es an der Zeit, sie wieder zu schließen. Dann muss die DFL Ganzkörperkontrollen eine eindeutige und endgültige Absage erteilen.

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