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Berliner Zeitung | München 2022: Verlorene Sache
12. September 2013
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München 2022: Verlorene Sache

Dieser Ballon ist geplatzt, aber München will sich jetzt um die Ausrichtung der Winterolympiade 2022 bewerben.

Dieser Ballon ist geplatzt, aber München will sich jetzt um die Ausrichtung der Winterolympiade 2022 bewerben.

Foto:

imago Sportfotodienst

Es gibt, auch abseits sportpolitischer Klüngelei und Kungelei, gute Gründe dafür, dass Kandidatenstädte für Olympische Spiele oft erst nach mehrmaliger Bewerbung erfolgreich sind. Die Konzepte werden nämlich meist besser. Das ist auch bei der Kandidatur Münchens für die Winterspiele nicht anders. Sie haben ihre Lektion aus der Niederlage vor zwei Jahren gegen das koreanische Pyeongchang brav gelernt, die Olympialobbyisten aus Bayern, und sie haben emsig nachgebessert. Die teilweise wirr und unüberlegt wirkenden Pläne für die Spiele 2018 hatten vor allem Garmisch stark belastet und dort großen Widerstand hervorgerufen, was der Münchner Sache schadete.

Für die mögliche Bewerbung 2022 ist nun neben München, Garmisch und Inzell auch Ruhpolding als Standort eingeplant, dort sollen, wie Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes, gestern erläuterte, neben Biathlon auch Skilanglauf und Nordische Kombination ausgetragen werden. Das bedeutet zwar eine größere Streuung und weitere Wege, ist aber vernünftig, vor allem in Hinblick auf das neue, moderne Biathlon-Stadion in Ruhpolding. Gelernt haben die Olympiafreunde auch, dass man vorher besser die Bevölkerung fragt. Erst wenn bei den Referenden am 10. November die Bürger aller vier Standorte dem Projekt mehrheitlich zugestimmt habe, will man sich tatsächlich bewerben.

Gut und schön, das alles, und es hätte vielleicht gereicht, Pyeongchang zu besiegen. Auch die potenziellen Mitbewerber Krakau, Lemberg, Barcelona oder Almaty sind zu schlagen, die Sommerspiele 2020 in Tokio ein Vorteil, der deutsche IOC-Präsident ist sicher kein Nachteil. Doch dummerweise wird sich auch Oslo bewerben. Und gegen Olympia am Holmenkollen dürfte selbst die runderneuerte Münchner Kandidatur chancenlos sein. Mehrmalige Bewerbungen mögen zwar der Qualität dienen, aber dass sie keine Garantie sind, haben gerade Madrid und Istanbul schmerzhaft erfahren.