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Nachwuchstalent: Hendrik Drescher will den Sprung in die NBA schaffen

Auf einem guten Weg: Hendrik Drescher.

Auf einem guten Weg: Hendrik Drescher.

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Sebastian Wells

Neujahr und die guten Vorsätze, das ist immer so eine Sache, weil diese Vorsätze oft schon nach wenigen Wochen über den Haufen geworfen sind. Bei Hendrik Drescher verhält es sich allerdings etwas anders. Das hat damit zu tun, dass sein Vorsatz immer derselbe ist, Neujahr hin oder her, und dass er ihm bisher tatsächlich auch weitergeholfen hat, von Saison zu Saison ein bisschen mehr. „Ich will weiter hart an mir arbeiten“, sagt er, denn: „Mein Ziel ist es, Basketballprofi zu werden.“

Hendrik Drescher, 15, sitzt auf der Tribüne einer Schulsporthalle am Weddingenweg. Es ist die Halle des TuS Lichterfelde, die U16 trainiert gerade. Schuhsohlen quietschen über das Parkett, Rufe schallen herauf. Es klingt wie: „Hep, hep, hep!“ Drescher zeigt auf einen der Jungen dort unten, auf Eric Nitzsche, denn mit ihm, dem Freund, hat eigentlich alles begonnen.

Die Geschichte, wie Hendrik Drescher zum Basketball kam, ist eine typische Geschichte für heranwachsende Sportler in Deutschland. Zufall hat eine Rolle gespielt und persönliches Engagement, in diesem Fall von einem Lehrer an Dreschers Grundschule in Neukölln. Der Lehrer betreute eine Basketball-AG, Drescher war für seine zwölf Jahre damals schon sehr groß. „Er hat Eric gesagt, er solle mich mal fragen, ob ich nicht in die AG kommen will.“ Drescher wollte eigentlich viel lieber Fußball spielen. „Weil alle kleinen Jungs das wollen.“

Die AG machte ihm aber Spaß. Deshalb fand er auch die Idee seines Lehrers gut, beim TuS Lichterfelde ein Probetraining zu absolvieren. Er ging hin und blieb. „Wenn mich der Lehrer nicht angesprochen hätte, hätte ich heute mit Basketball nichts am Hut“, sagt Drescher.

So aber zählt er zu den hoffnungsvollsten Talenten seines Jahrgangs. Und das, obwohl er erst so spät mit Basketball begann; die anderen in seinem Team haben mit acht Jahren angefangen. „Ihm ist viel zugeflogen, wegen seiner Größe“, sagt sein Trainer Florian Brill. Hendrik Drescher ist 2,02 Meter groß. „Aber er hat sich auch sehr viel erarbeitet.“

Wenn ein Kind körperlich unter seinen Mitschülern herausragt, erfordert es schon eine gewisse Reife, um nicht Sonderrechte für sich zu beanspruchen. „Das hat er nie getan“, sagt Coach Brill. Obwohl im Team von Tus Lichterfelde viele Systeme über ihn laufen. Drescher sagt: „Ich bin oft die erste Scoring-Option, weil ich am Brett sehr dominant bin für mein Alter.“ Er ist Center, und seine Statistik in der Jugend-Bundesliga (JBBL) kann sich sehen lassen. 25 Punkte erzielt er im Durchschnitt pro Partie, 41 waren in dieser Saison bisher sein Spitzenwert. 15 Rebounds kommen im Mittel zusammen.

Solche Zahlen wecken Begehrlichkeiten. Alba Berlin hat schon Kontakt zu Drescher aufgenommen, doch der entschied sich, erst einmal in Lichterfelde zu bleiben. Ein Trainer aus Bremerhaven hat Drescher neulich angesprochen. Die Frankfurt Skyliners meldeten sich. Sie werben mit ihren schulischen Möglichkeiten, die ihre Talente haben, doch eine gute Schule hat Drescher in Berlin auch. Er geht auf das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin. In eine Klasse mit anderen Basketballern und Handballern.

Es ist beinahe ein Fulltime-Job – morgens trainieren und lernen an der Schule, abends die Einheiten in Lichterfelde. „Sieben bis acht Mal in der Woche“, sagt Drescher. Dazu kommen noch Spiele mit der Landesauswahl. Vor Weihnachten war er auf einem Lehrgang des U16-Nationalteams. „Im vergangenen Sommer hat Hendrik als jüngerer Spieler an der U16-Europameisterschaft teilgenommen. So etwas ist sehr selten in Basketball-Deutschland“, sagt Brill. Die Auswahl kam auf Platz sieben.

Bei dem Turnier in Litauen wurde Drescher mit einer ungewohnten Leistungsdichte konfrontiert. „Für mich ist das wichtig, dass ich gegen Leute spiele, die so groß sind wie ich oder größer und technisch mindestens genauso gut“, sagt er. Und erklärt: „In der JBBL bringt mir das nichts, wenn ich gegen Große spiele, die noch nie einen Ball angefasst haben.“ Die aber im Kader stehen, damit zwölf Jungs zusammenkommen. Im Nordosten führt Lichterfelde ungeschlagen die Tabelle an, dahinter kommt Alba Berlin. „Und dahinter sieht man schon die Unterschiede im Niveau“, sagt Drescher.

Er bestreitet seine ersten Spiele mit den Herren in der Regionalliga. Auf lange Sicht soll er sich in der unterklassigen zweiten Liga mit Profis messen, sagt sein Trainer Brill: „Das ist noch mal ein anderes Level.“ Aber die Talente heutzutage sind dem eher gewachsen als noch vor einiger Zeit. „Im Jahrgang 1993 gab es Junioren-Nationalspieler, die keinen einzigen Klimmzug konnten“, sagt Brill.

Inzwischen nimmt Athletiktraining einen breiteren Raum ein. Schon morgens in der Schule geht Drescher in den Kraftraum. „Wir schauen auf seiner Position vor allem auf den Körperschwerpunkt“, sagt Brill: „Nach seitlicher Schnelligkeit und Koordination. Da hat er sich sehr verbessert.“ Der Center sagt über sich selbst: „Ich bin kreativ in meiner Spielweise.“

Deshalb und vor allem weil in Deutschland kein Weg daran vorbeiführt, vor allem für einen Spieler auf den langen Positionen nicht, ist Dirk Nowitzki sein Vorbild. „Er ist Deutscher und zählt zu den besten NBA-Spielern aller Zeiten“, sagt Drescher. „Ich bin Deutscher, und mein Traum ist, irgendwann in die NBA zu kommen. Ich arbeite sehr hart dafür.“ Sein Vorbild macht ihm das schließlich vor.

Einmal ist Drescher dem Power Forward von den Dallas Mavericks, der in jungen Jahren ebenfalls schon ein Riesentalent war und im Alter von 20 Jahren den Sprung aus Würzburg in die nordamerikanische Profiliga wagte, sogar begegnet. Das war im September, als die deutsche Nationalmannschaft die Vorrunde der Europameisterschaft in Berlin spielte und in einem Hotel an der Landsberger Allee logierte. „Wir sind mit ein paar Leuten nach der Schule hingefahren und haben eine halbe Stunde am Seiteneingang auf das Team gewartet.“ Und dann kamen sie. „Nowitzki stand direkt vor mir.“ Eigentlich hatte er ein gemeinsames Handyfoto machen wollen. „Aber der Mut war plötzlich weg“, erzählt Drescher. „Der Respekt war einfach zu groß vor diesem Menschen, der das erreicht hat, was ich auch erreichen möchte.“

Vielleicht ist das ja auch ein guter Vorsatz: Irgendwann doch noch mal ein Selfie machen mit Dirk Nowitzki. Wenn sich Hendrik Drescher weiter anstrengt, wird vielleicht noch mal etwas daraus.



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