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Nationalmannschaft: Löw nominiert Holtby nach

Amsterdam –  

Im Prestige-Test gegen die Niederlande muss Bundestrainer Löw improvisieren. Sechs Spieler fehlen, kurzfristig sagten auch Özil und Miroslav Klose ab. Eine Niederlage darf sich die deutsche Nationalmannschaft dennoch nicht leisten.

Von der Panne gegen Schweden möchte Joachim Löw nichts mehr hören, geschweige denn über den Schlamassel reden. Das 4:4 gegen die Skandinavier in der WM-Qualifikation vor einem Monat in Berlin, als es die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fertig brachte, einen 4:0-Vorsprung in 28 Minuten zu verspielen, wird der Bundestrainer entgegen früherer Ankündigungen einfach übergehen beim letzten Termin des Jahres. Dennoch soll beim Länderspiel gegen die Niederlande am Mittwoch in Amsterdam (Anstoß 20.30 Uhr, live in der ARD) der Ruf wieder aufpoliert werden.
„Wir wollen uns mit einer guten Leistung aus dem EM-Jahr verabschieden und unseren Fans mit einem guten Spiel überzeugen“, sagt der Bundestrainer.

In der Mannschaftsbesprechung will der 52-Jährige gegenüber den 20 Spielern den Team-Charakter „Vorne Kunst, hinten Chaos“ nur kurz erwähnen. „Es wäre der pädagogisch falsche Ansatz, das zu lange zu besprechen“, erklärt Löw. Es macht für ihn auch insofern wenig Sinn, weil gleich sechs Defensiv-Spieler, die zum Team-Kern zählen, im „Prestige-Test“ gegen den Vize-Weltmeister ersetzt werden müssen.

Chance für Bender-Zwillinge

Am Montagmittag erwartete Löw im Marriott Hotel am Rande der Amsterdamer Altstadt seinen am Wochenende durch vier Absagen weiter dezimierten Kader. Am Sonntagabend hatte Löw mit dem Frankfurter Sebastian Jung (22) und dem Dortmunder Sven Bender (23) die durch den Ausfall des zum Team-Stamm gehörenden Quartetts mit Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Jerome Boateng (alle FC Bayern) und Marcel Schmelzer (Dortmund) gerissenen Lücken halbwegs aufgefüllt. Am Montag folgten zwei weitere Absagen: Mesut Özil (muskuläre Probleme) und Miroslav Klose (Grippe) sagten kurzfristig ab. Löw reagierte auf die Ausfälle fünf und sechs mit der Nachnominierung des Schalker Mittelfeldspielers Lewis Holtby.

Ebenfalls nachnominiert hatte Löw Sebastian Jung: Den Namen des Außenverteidigers von Eintracht Frankfurt hatte Löw vor dem 6:1 in Irland im Oktober erstmals als potenziellen Kandidaten genannt. Die Ausfallquote im Bereich in der Defensive ist besonders hoch: Holger Badstuber und Sami Khedira wurden nach Verletzungen erst gar nicht berufen. Da auch Schweinsteiger und Kroos noch kurzfristig ausfielen, stehen drei Topkandidaten für die Sechser-Positionen nicht im Aufgebot.

Damit eröffnet sich eine Chance für die Bender-Zwillinge, Ilkay Gündogan oder einen der Neulinge, sich auf diesem zentralen Posten zu bewähren. Der Schalker Roman Neustädter weist seit Wochen eine starke Form nach, Jung hat sich durch seine bedeutende Beteiligung am Höhenflug der Eintracht empfohlen. In der Defensive fallen mit Boateng und Schmelzer, der seit der seltsam vorgetragenen Löw-Kritik vor dem Irland-Spiel bei Dortmund regelrecht aufgetrumpft hat, auch zwei Außenverteidiger aus.

Löw wird im Hallenstadion von Amsterdam improvisieren müssen, aber die Startformation, die er ins Auge gefasst hat, kann durchaus noch dem Niveau des zweiten Weltranglistenplatzes entsprechen. Manuel Neuer könnte eventuell im Laufe der Partie durch Rückkehrer Rene Adler ersetzt werden. Der Neu-Hamburger und Ex-Leverkusener freut sich unglaublich über sein Comeback in der DFB-Elf. „Es ist wie ein Märchen“, sagte der 27-Jährige.

In der Abwehr steht eine Champions-League-Reihe mit Philipp Lahm, Mats Hummels, Per Mertesacker und Benedikt Höwedes. Im defensiven Mittelfeld bieten sich der in Dortmund stark aufspielende Gündogan und der Leverkusener Lars Bender an, der allerdings wie bei der EM einmal auch als rechter Verteidiger anstelle von Höwedes auflaufen könnte. Offensiv stehen das zuletzt in den Vereinen teilweise glänzend aufgelegte Quartett mit Thomas Müller, Mesut Özil, Marco Reus und Miroslav Klose zur Verfügung. Starke Leuten wie Lukas Podolski, Mario Götze, Julian Draxler und Andre Schürrle könnten eingewechselt werden.

Lob von Robben und Gullit

Fest steht, dass eine Pleite nicht erlaubt ist. Das Klima im Umfeld des Teams hat sich gewandelt. Inzwischen wird Löws Stil und Weg häufiger hinterfragt. Er räumt ein, dass die Vernachlässigung der Defensive praktisch eine zwingende Folge der Offensiv-Stärke ist. Nachdem es über seine Mannschaft hieß, sie könne sich nur selbst schlagen, erfüllte sie diese Einschätzung beim 4:4 gegen Schweden fast konsequent.

Der Termin in Holland passt nicht in den Kalender mit den vielen Verpflichtungen für die Vereine, aber mit gedrosseltem Engagement wird man nicht spielen dürfen. Die Niederländer, bei den Louis van Gaal nach der EM Bert van Marwijk als Trainer abgelöst hat, sinnen auf Revanche für das 0:3 vor einem Jahr in Hamburg und dem 1:2 bei der EM. Große Wertschätzung zollen prominente Oranje-Vertreter dem Löw-Team. „Deutschland ist ein, zwei Stufen höher einzuordnen, als wir es im Moment sind, sie sind ein, zwei Schritte weiter“, sagte Arjen Robben. „Eure Mannschaft hat sich wundervoll entwickelt“, erklärte Ruud Gullit. Gute Teams schlägt man besonders gerne. (dapd).

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