blz_logo12,9

Nationalmannschaft: Tahs Physis imponiert Löw

PIC Tah DFB 260316

Jonathan Tah steht erstmals im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft.

Foto:

Bongarts/Getty Images

Berlin -

Genki Haraguchi spielt weder für England noch für Italien. Und das ist schon mal eine gute Nachricht für Jonathan Tah von Bayer 04 Leverkusen, der laut Bundestrainer Joachim Löw ja zumindest in einem der beiden Testspiele in den nächsten Tagen zum Einsatz kommen soll. Der flinke Japaner hatte dem 20 Jahre alten Abwehrspieler im vergangenen Jahr vor allem in der Anfangsphase des verlorenen Bundesligaspiels bei Hertha BSC mächtig zugesetzt und dabei schonungslos offenbart, wo noch die weniger starken Seiten des jungen Mannes liegen: im Bereich der Wendigkeit. Aber auch im Spiel gegen Haraguchi und Hertha schaffte es Tah, sich zu steigern und letztlich eine solide Partie zu liefern.

Tah ist das letzte Exemplar in Löws umfangreicher Innenverteidigersammlung, die, so der Eindruck, gar nicht groß genug sein kann. Schon zur Weltmeisterschaft vor zwei Jahren nach Brasilien nahm Löw ja einen ganzen Schwung mit und stellte sie dann sogar alle auf, in der Viererkette mit dem despektierlichen Namen Ochsenabwehr. Erst spät fügte er dort wieder Philipp Lahm ein.

Hummels und Boateng sind gesetzt

Danach schienen die beiden Posten im Zentrum eigentlich fest vergeben, spätestens seit dem Nationalmannschaftsabschied von Per Mertesacker unangefochten an Jérôme Boateng und Mats Hummels. Aber die Verletzungen von Boateng und seines potenziellen Stellvertreters Benedikt Höwedes haben wieder Bewegung Richtung EM gebracht, und damit auch die Chance für Jonathan Tah.

Während Hummels, nach einigen Kalamitäten zuletzt wie sein Dortmunder Team wieder in guter Form, gesetzt ist, nannte Löw als mögliche Partner an seiner Seite aus dem aktuellen Kader Shkodran Mustafi vom FC Valencia, Antonio Rüdiger vom AS Rom - und eben Tah. Rüdiger wird wohl Spielzeit bekommen, der Bundestrainer bescheinigt dem ehemaligen Stuttgarter, sich in Italien hervorragend entwickelt zu haben. Von besonderem Interesse scheint für ihn jedoch der Leverkusener zu sein. "Es ist gut möglich, dass ich Tah sehen möchte. Er ist körperlich stark und sehr schnell", sagte Löw.

Von der Figur her ähnelt der 1,92 Meter-Mann, der nach einem Leihjahr beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf für acht Millionen Euro vom Hamburger SV nach Leverkusen wechselte, eher einem Football-Spieler, was auch zu seinem Spitznamen im Kollegenkreis führte: "Big Mike", nach der Hauptfigur aus dem Hollywood-Film "Blind Side". Anders als Michael Oher, Left Tackle von den Carolina Panthers und reales Vorbild für Big Mike, der eine Zeit lang ungern auf den Film angesprochen wurde, dürfte Tah keine Probleme mit der Football-Verbindung haben. Schließlich liegt Innenverteidiger und Tackle gar nicht weit auseinander. Und in allen auf seiner Position relevanten Kriterien hat Tah sich in seiner ersten Saison als Bundesliga-Stammspieler bemerkenswert entwickelt.

Tahs Physis imponiert Löw

Löw imponiert nicht nur Tahs Physis, sondern auch die Ruhe und Abgeklärtheit, die er bereits in jungen Jahren an den Tag legt. Innenverteidiger, das gilt als Position, in der man eine gewisse Reife braucht, um international bestehen zu können. Jérôme Boateng etwa benötigte ein paar Jahre, um seine Neigung zu Platzverweisen, Leichtsinnsfehlern und dem Verursachen von Strafstößen in den Griff zu bekommen. Auch Rüdiger hatte in diesen Kategorien beim VfB Stuttgart noch sein Probleme. Tah hingegen wirkt sehr viel reifer, als es seinem Alter entspricht, fortgeschritten, und doch mit der entsprechenden Luft nach oben.

Ob es für den Leverkusener schon zu einem Sprung in den EM-Kader reicht, ist ungewiss, vor allem, falls Boateng und Höwedes rechtzeitig zurückkehren. Doch im Moment genügt es Tah freilich, erstmals beim DFB-Team dabei sein zu dürfen. Die Nominierung habe ihn überrascht, sagt er, so wie es ihn überrascht habe, dass ihn Trainer Roger Schmidt gleich als feste Größe ins Team von Bayer 04 integrierte. "Ich empfinde vor allem Stolz, den nächsten Schritt gemacht zu haben", erklärte Tah auf der DFB-Website, "Ich will jetzt beweisen, dass ich zu Recht in diesen Kreis eingeladen wurde."

Das Berliner Olympiastadion kennt er immerhin ja schon vom Spiel gegen die Hertha. Und diesmal ist ja auch Genki Haraguchi nicht dabei.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?