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Neuer Hertha-Trainer Luhukay: Der stille Aufbauhelfer

Das Kollektiv soll nur ihm vertrauen: Der neue Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Das Kollektiv soll nur ihm vertrauen: Der neue Hertha-Trainer Jos Luhukay.

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dpa

Berlin -

Dass der 48-Jährige zum neuen Hoffnungsträger des notleidenden Hauptstadtklubs Hertha BSC wird, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Niederländer vor zwei Wochen die Konsequenzen aus einer Intrige beim FC Augsburg zog und zurücktrat.

Für einen Berliner Neuanfang – gleichgültig in welcher Liga – gibt der Mann mit dem markanten Schnauzbart den idealen Aufbauhelfer ab. Nach Lehrjahren als Assistenztrainer beim 1. FC Köln gelang es ihm, zunächst den SC Paderborn in der Zweiten Liga zu etablieren. Bei Borussia Mönchengladbach stieg er aus der Bundesliga ab und gleich wieder auf. Am Niederrhein hatten sie allerdings nicht die Geduld wie in Augsburg, wo sein fast dreijähriges Wirken eine einzige Erfolgsgeschichte wurde: Ihm glückte der umjubelte Aufstieg und nun mit dem unbekanntesten (und billigsten) Kader der Klassenerhalt. Selbst Populist Franz Beckenbauer nannte Luhukay kürzlich den „Trainer des Jahres“.

Überzeugter Frühaufsteher

Er geht als das Gegenteil eines Dampfplauderers durch – wenn die öffentliche Aufmerksamkeit anderen gehört, hat er damit kein Problem. Sein Rückzugsort ist die niederländische Kleinstadt Venlo. In Augsburg hatte er sich wie ein Wanderarbeiter beherbergt: Er wohnte nur zwei Kilometer vom Stadion entfernt, seine Frau kam zu jedem Heimspiel, seine Tochter, 20, und sein Sohn, 19, studieren noch in der Heimat.

1989 passierte der größte Schicksalsschlag in seinem Leben: Als der Sohn eines Indonesiers, damals als passabler Mittelfeldspieler in der niederländischen Ehrendivision am Ball, in eine Auswahl mit Spielern aus den früheren Kolonien berufen wurde, sagte er wegen eines Pflichtspiels mit VVV Venlo ab. Das Flugzeug mit den Kicker-Kollegen, die auf Welttournee gingen, verunglückte bei der Landung in Paramaribo, der Hauptstadt Surinams. 14 Fußballprofis starben. Sprechen wollte Luhukay über dieses Unglück nie.

Der überzeugte Frühaufsteher verabscheut Unehrlichkeit und Unaufrichtigkeit. Fehlen Verlässlichkeit und Vertrauen, handelt der Analytiker unerbittlich. Dass er so lange das Zerwürfnis mit Augsburgs Klubpräsident Walther Seinsch für sich behielt, obwohl der sich aus seiner Sicht über Monate illoyal verhielt, verrät viel über seine konservativen Werte.

Seine Arbeitsweise auf dem Fußballplatz gilt hingegen als fortschrittlich. Der tugendhafte Trainer predigt Pressing, Ballbesitz und Offensivfußball; er fördert und fordert mit Vorliebe Novizen oder anderswo Verstoßene. Alter, Herkunft oder Name spielen keine Rolle. Das Kollektiv soll ihm nur vertrauen. Luhukays Credo: „Wenn Fußballer meine Vorgaben mit Freude verinnerlichen, können sie sich immer noch verbessern.“ Heimlich, still und leise.


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