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Nürnberg gegen Bayern: „Man kann nicht immer gewinnen"

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Freude nach Spielende: Timothy Chandler (l.) und Markus Feulner.
Freude nach Spielende: Timothy Chandler (l.) und Markus Feulner.
Foto: dpa
Nürnberg –  

Ausgerechnet der ehemalige Bayern-Spieler Markus Feulner sorgt für den Punktgewinn des 1. FC Nürnberg gegen den Tabellenführer. Die Bayern-Führung um Trainer Heynckes nimmt das 1:1 gelassen hin.

Am Ende bestimmte Frau Laubinger die Laufwege der Münchner, und die Spötter unter den Nürnbergern meinten, das sei auch besser so. Frau Laubinger war die resolute Ordnerin mit dem großen Funkgerät, die zunächst Anatoli Timoschtschuk auf seinem Irrweg zum Mannschaftsbus zurückpfiff und dann sogar dem suchenden Präsidenten Uli Hoeneß mit Nachdruck den Weg in die Kabine des FC Bayern wies. Heraus kam wenig später immerhin ein vergnügter Münchner, ein ehemaliger jedenfalls, und das war Markus Feulner vom 1. FC Nürnberg. „Ich freue mich riesig“, sagte der 30-Jährige nach seinem ersten Saisoneinsatz von Beginn an – und vor allem nach seinem ersten Saisontor zum 1:1 (0:1)-Endstand.

Feulner hat einige Male gelacht nach diesem doch recht unerwarteten Ausgang des 185. Vergleichs zwischen den Mittelfranken und Oberbayern, und das war durchaus auch für Fans des FC Bayern eine gute Nachricht. Denn es ist ja eine Herzerwärmgeschichte, die der Mittelfeldspieler mit seinem Glücksmoment in der 46. Minute geschrieben hat. Aus 25 Metern hatte er angesetzt und dabei die Liga nach der von Manfred Kaltz einst geschaffenen Bananenflanke nun um den Bananenschuss bereichert. Nationaltorwart Manuel Neuer jedenfalls befand, er sei Opfer geworden einer „Flugkurve, die ich noch nie erlebt habe“.

Irgendwann spannte Feulner den Bogen zu jenem Schicksalsschlag, der vor zwei Monaten über ihn hereingebrochen war. „Es ist schön, das Vertrauen zurückzahlen zu können, an den Trainer und die Mannschaft, die sich in der schweren Phase super verhalten hat“, sagte er nun. Ein ernster Moment war das, denn Feulner meinte den Schock und die Trauer nach dem Tod seines Vaters Michael. Im September war dieser im Alter von 54 Jahren bei der Hovercraft-WM verunglückt. Jetzt also dieses Tor gegen die Bayern, bei denen Feulner ausgebildet worden war und seine ersten Profieinsätze erlebt hatte. „Dass ausgerechnet er das Tor geschossen hat, gönnen ihm alle“, sagte sein Trainer Dieter Hecking.

Das galt sogar fast für die Bayern, die sich keinesfalls mehr als ein Remis verdient hatten vor der wichtigen Champions-League-Reise zum FC Valencia, die den Ausflug nach Nürnberg bereits geprägt hatte. Dass es nach Mario Mandzukic’ neuntem Saisontor (3.) nicht zum sechsten Zu-Null-Auswärtssieg in Serie reichte, konnten die Münchner nach Schalkes Niederlage aber erst recht so gelassen bewerten wie ihr Trainer. „Man kann nicht immer gewinnen. Wir können mit dem 1:1 leben“, sagte Heynckes, „das ist kein Beinbruch.“

Durch das Unentschieden, das war die schlechte Nachricht für die Liga, hat der Tabellenführer seinen Vorsprung sogar um einen Punkt ausgebaut. Und nicht viel besser wurde diese Erkenntnis durch den Umstand, dass Heynckes der Republik seine Prioritätenliste mit der Aufstellung frei Haus geliefert hatte. Drei Tage vor dem Spiel in Valencia, wo es um den Achtelfinaleinzug und den Gruppensieg geht, machte er umfassend Gebrauch von der neuen Kadertiefe und ließ neben den verletzten und tatsächlich nicht einsatzfähigen Arjen Robben, Jérôme Boateng und Luiz Gustavo auch noch den offenbar nur leicht lädierten Franck Ribéry zur Schonung für den Dienstag zu Hause und setzte Kapitän Philipp Lahm und den Spanier Javier Martínez nach dessen Panama-Trip unter der Woche zunächst auf die Bank. Die wieder fitten Mario Gomez (nicht im Kader) und Holger Badstuber (Bank) kamen ebenfalls nicht zum Zug, dafür aber Xherdan Shaqiri, Rafinha, Timoschtschuk und Daniel van Buyten. Ohne fünf Stammkräfte anzutreten war ein bisschen zu viel der Zockerei: Rafinha vergab freistehend das mögliche 2:0, Timoschtschuk leistete sich vor dem 1:1 ein Missverständnis mit Toni Kroos.

Bayern-Beschwerden über Zweikampfhärte

Es hätte danach sogar noch ärger kommen können für die nun ziemlich unsortierten Bayern, bei denen Bastian Schweinsteiger („Nürnberg kann ja nicht anders“) und Neuer („Unser Spiel wurde kaputtgefoult“) über die robuste Gangart des FCN maulten. Chancen durch Timo Gebhart, der später Gelb-Rot nach einem Ellenbogeneinsatz gegen Schweinsteiger sah (76.), Sebastian Polter und Per Nilsson hätten durchaus zum Sieg des Clubs führen können. Doch auch so konnte Hecking zufrieden bilanzieren: „Das war ein verdienter Punkt, und der hilft natürlich enorm weiter.“ Zu den Beschwerden über die Zweikampfhärte sagte er kühl: „Wenn sich Bastian Schweinsteiger damit auseinandersetzt, haben wir vieles richtig gemacht.“

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