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Olympische Spiele: Berlins fehlende Lobby

Nur Ankündigungsweltmeister: Wowereit.

Nur Ankündigungsweltmeister: Wowereit.

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dpa

Vordergründig darf der organisierte deutsche Sport sich feiern. Bei der Abstimmung in München über eine erneute Bewerbung für Winterspiele, dieses Mal für 2022, galt es, zu demonstrativen Zwecken eine möglichst große Geschlossenheit zu signalisieren. 81:0 Stimmen sind da für eine Demokratie nicht schlecht. Im Sinne der internationalen Überzeugung haben auch all diejenigen, die nicht so überzeugt sind, für Münchens Pläne gestimmt. Das Konzept soll durch die Hinzunahme eines vierten Ortes, Ruhpolding für die Biathlon-Wettbewerbe, stimmiger und überzeugungskräftiger geworden sein, obwohl das Ganze jetzt mehr eine bayrische als eine Münchner Olympiabewerbung ist.

Parallele Bewerbungen unmöglich

Tatsächlich aber hat sich der deutsche Sport damit gegen eine Bewerbung um Olympische Sommerspiele entschieden. Parallele Bewerbungen für Sommer- und Winterspiele gelten als unmöglich. Das ist der wichtigere Teil der Botschaft aus München. Traut sich eine reiche Industrienation wie Deutschland aber die Ausrichtung des größten Ereignisses im Weltsport nicht zu, ist das traurig. Winterspiele sind nur ein kleines Olympia mit der halben Teilnehmerzahl. Die Hälfte der Welt bleibt ausgeschlossen, weil kaum Wintersport stattfindet, wo es keinen Winter gibt. Entsprechend leichter sind Winterspiele zu bekommen.

Natürlich gibt es Gründe für das Zurückschrecken vor Sommerspielen. Zum einen fällt die Kandidaturphase gerade in ein deutsches Machtvakuum. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, ist an die Spitze der internationalen Dachorganisation entkommen, die interimistisch geleitete deutsche Filiale verwaltet nur, sie gestaltet gerade nicht. Weit und und breit ist auch niemand in Sicht, der ein taugliches weltweit funktionierendes Netzwerk aufbieten könnte und Erfahrungen im sportpolitischen Stimmenfang, den viele für einen Stimmenkauf halten.

Eigentlich ist die Gelegenheit günstig

In der Situation hat München sehr gut lobbyiert. Berlin etwa, der erfolgversprechendste deutsche Kandidat für Sommerspiele, hat statt einer Lobby nur einen Geburtstag feiernden Regierenden Bürgermeister. Der Rest der Stadt scheint noch so sehr mit Schadenfreude oder peinlichen Schuldgefühlen wegen des Flughafendesasters beschäftigt, dass von einem aktiven Bemühen um Olympia nichts zu sehen ist. Erst wenn Entscheidungen gefallen sind und keine Verantwortung mehr droht, wagen sich die politischen Frontleute stets mit ihren Wünschen an die Öffentlichkeit. Berlin scheint weiter von einer Olympiabewerbung entfernt zu sein, als Hertha BSC vom FC Bayern.

Dabei ist die Gelegenheit günstig. Mit den Spielen in Rio de Janeiro 2016 ist Südamerika bedient, mit den Spielen 2020 an Tokio hat Asien olympische Ansprüche befriedigt bekommen. Europa ist wieder am Zug bei Sommerspielen. Und die vorige Sommerspielauktion mit nur drei Kandidaten hat gezeigt, dass die Wirtschaftskrise offenkundig weltweit für soviel Demut und Zurückhaltung bei Investitionen sorgt, dass den Luxus Olympia nicht viele Länder für erschwinglich halten.



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