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Pferderennen in Hoppegarten: Euphorie beim Saison-Finale

Im Dienste der deutschen Einheit und eines Wolfsburger Fußballmanagers: Eduardo Pedroza auf dem Siegerpferd Wake Forest.

Im Dienste der deutschen Einheit und eines Wolfsburger Fußballmanagers: Eduardo Pedroza auf dem Siegerpferd Wake Forest.

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jürgen engler

Wie sich der Tag der Deutschen Einheit ausgelassen feiern lässt, zeigte sich einmal mehr auf der Galopprennbahn in Hoppegarten. Bereits zu den frühen Veranstaltungen des Renntages, die eine Art Warm-up zum 24. Preis der Einheit waren, drängelten sich die Besucher im Stehplatz-Bereich der ehrwürdigen Anlage. 13.500 Gäste wurden am Ende gezählt, das ist ein neuer Besucherrekord seit der Privatisierung 2008. „Die Euphorie der Wende kommt hier immer wieder zum Tragen“, sagte Geschäftsführer Stephan Buchner, für den es zugleich das letzte Rennen in dieser Funktion war. Er ergänzte: „Ich erkenne kein anderes Sportereignis, das die Einheit zum Thema hat.“

Gefragtester Mann am Hoppegartener Einheitstag war Klaus Allofs, Manager des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Sein vierjähriger Hengst Wake Forest mit Reiter Eduardo Pedroza hatte nach verhaltenem Start am Ende klar das Rennen gewonnen und somit 50.000 Euro eingelaufen. „Für solche Tage macht man das“, sagte Allofs anschließend. In seinem Kerngeschäft Fußball könnte es für Wolfsburg schließlich besser laufen. Der Galoppsport sei ein guter Ausgleich zum aufregenden Fußballgeschäft. Obschon auch diese Sportart wenig erholsam sei. „Man macht viele Tiefschläge mit in seinem Leben.“

Das gilt vor allem auch für seinen siegreichen Hengst. Nach sehr guten Resultaten galt der Schützling von Trainer Andreas Wöhler als aussichtsreicher Kandidat für das letztjährige Derby. Kurz vor dem absoluten Höhepunkt im deutschen Galopp-Sport verletzte sich Wake Forest dann aber und musste 15 Monate pausieren. In diesem Jahr erfolgte dann ein sehenswertes Comeback. Bei jetzt drei Starts lief das Pferd zu drei Siegen und erhöhte seine Gewinnsumme auf nunmehr 172 500 Euro, weshalb er mit einer Quote von 28:10 auch als Favorit in dieses Rennen gestartet war. Allofs sagte: „So gut, wie er seit seinem Comeback läuft, war er noch nie. Wir müssen jetzt hoffen, dass er gesund bleibt.“

Saisonfinale in Hoppegarten
Beim Tag der Deutschen Einheit verzeichnet die Galopprennbahn Hoppegarten einen Besucherrekord.

Gut wie nie zuvor ist ein Attribut, welches auch für Adrie de Vries, 45, gilt. Der niederländische Jockey gewann am Freitag gleich sechs von acht Rennen. Damit unterstrich er einmal mehr seine Ausnahmestellung unter den Reitern, die in Deutschland tätig sind. Bei 397 Starts holte er beachtliche 89 Siege. Weil er selbst gestern in jedem Rennen im Sattel war, kam er selbst nicht dazu, viel zu reden. Die Lobeshymne übernahm deshalb Trainer Waldemar Hickst, dessen Pferd Letro mit de Vries den Bellevue-Ausgleich gewann. „Adrie hat wieder gezeigt, dass er der Beste ist“, lobte Hickst.

Es ist nicht selbstverständlich, dass de Vries’ Künste auch zukünftig in Deutschland zu bewundern sein werden. Trotz aller Erfolge der vergangenen Jahre ist der deutsche Turf im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder England weit im Hintertreffen. Und Erfolgsreiter sind dort sehr gefragt. Der Fußball-Manager Allofs versteht sein Wirken deshalb auch als Investition in den Standort. Rennbahn-Eigner Gerhard Schöningh sagt daher: „Herr Allofs ist ein guter Botschafter für den Galoppsport.“ Gleiches gelte aber genauso für alle diejenigen, die sich im Rennsport engagieren.

Ein bisschen Wehmut war am Ende auch dabei. Das elfte Rennen war nämlich zugleich das große Finale dieser Saison. Das liefert den Anlass, ein erstes Fazit zu ziehen. Und das wiederum ist Sache eines Geschäftsführers. Buchner sagt: „Insgesamt hatten wir eine gute Saison.“ Neue Events wie der Mongolen-Renntag seien gut angenommen worden. Der Wettumsatz dürfte nach Schätzung Buchners ähnlich sein wie im Jahr 2013, als er bei 2,1 Millionen Euro lag. Damit steht man auf Platz drei aller deutscher Rennbahnen.

„Ein bisschen Pech hatten wir nur mit dem Wetter“, sagt Buchner. Zwei Mal war es so heiß, dass Zuschauer und Pferde gleichermaßen litten. Zwei Mal vermiesten Regengüsse den Besuchern ein wenig das Pferdesport-Vergnügen. Noch gibt es aber keine genaue Auskunft darüber, wie sich der Zuschauerschnitt im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat, als es nur acht Rennen gab. Auch ohne aufwendige Analysen steht allerdings fest, dass ein Pferderennen eine höchst gefragte Veranstaltung ist, um den Tag der Deutschen Einheit zu würdigen.



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