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Präsidentschaftswahl: Die wichtigsten Fragen zum Fifa-Kongress

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Wer übernimmt den Posten von Ex-Präsident Joseph S. Blatter?

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AP

Zürich -

Beim anstehenden außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa wird der Nachfolger des suspendierten Präsidenten Joseph S. Blatter (79) gewählt. Zudem soll ein umfangreiches Reformpaket verabschiedet werden. Nach Monaten tief in der Krise hofft der Verband vor allem auf eines: Den Neuanfang!

Moment - beim letzten Kongress 2015 begann doch die Krise!

Und auch dieses Mal könnte es wieder Verhaftungen geben. Die US- und Schweizer Justiz hat längst nicht aufgehört, im Spinnennetz der korrupten Fifa-Funktionäre zu ermitteln. Wenn sich ein paar davon unantastbar fühlen und frohen Mutes nach Zürich reisen, könnten wieder die Handschellen klicken. Mal sehen, ob wirklich alle 209 Verbände in der Schweiz vertreten sein werden.

Wer tritt bei der Wahl an?

Es gibt zwei Favoriten und drei Zählkandidaten. Entweder Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (50/Bahrain) oder Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino (45/Schweiz) werden die Fifa ab Freitagabend regieren. Prinz Ali bin Al Hussein (40/Jordanien), Jérôme Champagne (57/Frankreich) und Tokyo Sexwale (62/Südafrika) dürfen höchstens auf ein paar Stimmen hoffen - sie werden dadurch aber zu den Präsidentenmachern. Ab dem zweiten Wahlgang fliegt der Schwächste raus, dessen Wähler können dann umschwenken.

Wie wird gewählt?

Wenn alle Fifa-Mitglieder nach Zürich reisen und auch abstimmen dürfen, sind dort 209 Wahlberechtigte vertreten. Jedes Mitglied hat dann eine Stimme. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit knapp sieben Millionen Mitgliedern ist deshalb während der Wahl genauso „mächtig“ wie beispielsweise der Nationalverband von Amerikanisch Samoa (insgesamt 56.000 Einwohner) oder Aruba (107.000). Im ersten Wahlgang braucht der Sieger zwei Drittel, danach die absolute Mehrheit (über 50 Prozent) der abgegebenen und gültigen Stimmen.

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Die fünf Präsidentschaftskandidaten im Überblick.

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Welche Reformen gibt es?

Das Paket ist umfassend und tatsächlich vielversprechend. Der Präsident wird etwas entmachtet, das Exekutivkomitee in eine Art Aufsichtsrat umgewandelt. Die administrative Ebene der Fifa steht stärker im Mittelpunkt. Über allem steht eine Überwachungskommission, die vor allem auch die Geldflüsse im Blick hat. Es soll eine Amtszeitbeschränkung geben (maximal drei mal vier Jahre), ebenso eine Frauenquote. Die Veröffentlichung der Gehälter in der Führungsetage soll für mehr Transparenz sorgen. Das alles ist - so bewerten es die meisten Experten - vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss (das „Ein-Land-eine-Stimme-Prinzip“ bleibt beispielsweise erhalten), im Vergleich zur Vergangenheit aber ein Riesenschritt nach vorne.

Wird dann alles besser? Mit dem Scheich oder dem Uefa-Mann?

Das muss tatsächlich die Zeit zeigen. Vordergründig wäre wohl Infantino der aus europäischer Sicht bessere Kandidat, er ist bisher in keinen größeren Skandal verwickelt, auch wenn er lange Zeit fragwürdige Uefa-Entscheidungen maßgeblich beeinflusst hat. Der Scheich hingegen muss sich mit Vorwürfen zu Menschenrechtsverletzungen auseinandersetzen. Sein Heimatland Bahrain, in dem er der Königsfamilie angehört, steht zudem nicht gerade für Demokratie oder eine Reformbewegung.

Wo ist Blatter?

Gesperrt und wahrscheinlich weit weg. Wie Platini darf der aus dem Verkehr gezogene Schweizer keine der sogenannten „fußballrelevanten“ Tätigkeiten ausüben. Der Kongress gehört natürlich dazu. Eigentlich wollte er auf der großen Bühne Lebewohl sagen, daraus wird nun nichts. Für den Neuanfang der Fifa ist das auch ganz gut so.

Was kommt dann?

Hoffentlich das Tagesgeschäft. Die Uefa braucht wahrscheinlich demnächst einen neuen Präsidenten, wenn das Platini-Urteil durch alle Instanzen bestätigt wurde. Der Kongress dazu findet im Mai in Budapest statt. Die Fifa tagt anschließend in Mexiko. Und im Sommer wird dann wieder Fußball gespielt, am 10. Juni beginnt die Europameisterschaft in Frankreich (bis 10. Juli) - hoffentlich mal ohne Skandale. (sid)